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Moderne Technik in traditionellem Umfeld - Deckenstrahlheizung auf Schloss Wackersbarth

Best, HKE, Heizkülelemente, Deckenstrahlheizung

Tradition, fürstliches Ambiente und moderne Technik – auf Schloss Wackerbarth im sächsischen Radebeul wird diese Symbiose Wirklichkeit. Neben dem barocken Ensemble befindet sich die Sektmanufaktur inklusive Abfüllhalle. Das Schloss ist Deutschlands zweitälteste Sektkellerei, Sachsens größtes Weingut und zieht Jahr für Jahr mehr als 150000 Besucher an. Im Zuge von notwendigen umfangreichen Sanierungsarbeiten entstand parallel ein eigenständiger Neubau für die Produktion. Die Produktionshalle wurde vom Dresdener Architekturbüro h.e.i.z.Haus entworfen. Die Konstruktion trägt auf sichtbaren Leimholzbalken ein flaches Dach, dessen innere Seite in Trapezblech ausgeführt ist. Holz in Form von Lamellen setzt zusätzlich auf der gläsernen Fassade Akzente und sucht so die natürliche Verbindung zur Umgebung.

Der Gebäudeentwurf wurde von vornherein auf den Produktionsprozess und die tech­nischen Abläufe hin optimiert. Dies lag in Händen des Ingenieurbüros Dr. Scheffler?& Partner GmbH aus Dresden. Darüber hinaus war eine zeitgemäße, umweltschonende Haustechnik zu realisieren. So errichtete man u.a. eine 126 m³ fassende Regenwasserzisterne für ein Bewässerungssystem mit Vegetationssteuerung und für die WC-Spülung, eine Solaranlage zur Trinkwarmwasserbereitung mit 22 m² Fläche sowie Lüftungs- und Kälteanlagen. Als Wärmeerzeuger wurde ein Gasbrennwertkessel mit 720 kW installiert, der das Nahwärmenetz für den gesamten Gebäudebestand speist.

Für die Wärmeverteilung in der Abfüllhalle und im Markt entscheiden sich die Planer für eine Deckenstrahlheizung von Best – auch deshalb, da sie den hohen Anspruch an einen wirtschaftlichen und zudem hy­gienischen Betrieb erfüllt. Das System ist sinnvoll, weil die abgegebene Strahlungswärme, die die angestrahlten Flächen allmählich erwärmt, aufgrund der geringen Konvektion fast ohne Staubaufwirbelung erfolgt. Dieser Aspekt spielt für eine Abfüllhalle, die hohe Reiheitsstandards erfüllen muss, eine nicht zu unterschätzende Rolle. Die Strahlung bewirkt einen Anstieg der Oberflächentemperatur aller Flächen um bis zu 3 °C, was wiederum eine Erwärmung der Umgebungsluft zur Folge hat. Dieser Effekt zusammen mit der kaum vorhandenen Luftbewegung ergibt eine angenehme subjektive Empfindungstemperatur, sodass die Raumlufttemperatur im Vergleich zu anderen Systemen um 3 °C niedriger eingestellt werden kann.

Durch das geringe Speichervolumen der Deckenstrahlplatten lässt sich das System zügig regeln. Das Erwärmen der Halle über die angestrahlten Flächen von unten nach oben sowie die positive Beeinflussung des Wärmeempfindens der Menschen durch direkte Einstrahlung führen zu einer kurzen Aufheizzeit. Im Vergleich zu konventionellen Beheizungsarten kommen Deckenstrahlplatten mit der Hälfte der Zeit aus. Außerdem benötigen sie geringe Antriebsenergie. Lediglich für den Wasserumlauf im Rohr­system wird eine Umwälzpumpe betrieben.

Darüber hinaus merkt der Hersteller an, dass bei einer Wärmeverteilung von der Decke sämtliche Wand- und Bodenflächen frei bleiben. Gerade im Hinblick auf die flexible Raumnutzung sei dies ein immenser Vorteil. Als weitere Pluspunkte sind laut Best der geräuschlose Betrieb, die Wartungsfreiheit und die lange Lebensdauer der Elemente zu nennen.

Entsprechend den Vorgaben der Architekten und des Ingenieurbüros wurden die Heizkühlelemente, kurz »HKE« genannt, für die beiden Einsatzbereiche im Schloss Wackerbarth berechnet. Insgesamt 180 m² sind in 16 Heizbänder von 700 mm Baubreite aufgeteilt, die parallel zu den Balken verlaufen. Davon wurden 11 Stück in der 400 m² großen Abfüllhalle installiert und 5 Stück für den Marktbereich mit 255 m². Beim Typ HKE-CS 700-6 wurden als Auslegungswärmeleistung 396 W/m angenommen. Werksseitig wurde zur oberen Dämmung eine 40 mm starke Akustik-Isoliermatte eingelegt.

Die Plattenoberfläche in Weiß Aluminium gelocht bietet einen augenfälligen Kontrast zum Holz bzw. zur Decke selbst. Zur Be­festigung kamen die entsprechenden Komponenten des Herstellers für Trapezblechdächer zum Einsatz. Bei frei hängenden Bändern ist jeweils die Ausrichtung der Strahlplatten in Längs- und Querrichtung zu beachten. Dies funktioniert durch die festen oder bei Bedarf losen Stege, mindestens zwei pro Element, problemlos. Hier wurde ein Abstand von 1000 mm von der Decke umgesetzt bei einer Raumhöhe von ca. 6,4 m. Der Abstand zwischen den Heizbändern wurde weitgehend von der Deckenkonstruktion vorgegeben. Zwischen den Balken sind, den Randbereich ausgenommen, jeweils drei Heizbänder platziert.

Darüber hinaus wurden werksseitig voreingestellte Volumenstromregler verbaut. Diese Bauteile bewirken, dass der Mindestvolumenstrom pro HKE gesichert ist bzw. dass der gewählte Wert konstant gehalten oder bei stärkerer Pumpenleistung entspechend gemindert wird. Sie sind in die vorgefertigten Anschlussgarnituren integriert, die außerdem Komponenten für die Vor- und Rückläufe (Kugelabsperrhähne, Kugelentleerungshähne sowie Verschraubungen) enthalten. Als Führungsgröße für die Heizkreistemperatur wird zusätzlich zur Außen- auch die Raumtemperatur herangezogen. In der Halle sind mehrere Raumfühler installiert, aus deren Messungen ein Mittelwert berechnet wird. Mit dieser Vorgehensweise soll sichergestellt werden, dass die Regelung exakt erfolgt.

Dieser Artikel ist aus dem Heft:
10/2010

Bauen mit Holz

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