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Monolith aus Beton im Mainzer Zoll- und Binnenhafen

Beton, Monolith, Mainzer Zoll- und Binnenhafen
Foto: BetonBild/Stefan Klomfass

Am nordwestlichen Rand des Mainzer Zoll- und Binnenhafens – direkt am Rhein – ist nach einem Jahr Bauzeit ein Hochwasserpumpwerk mit Auslasswerk entstanden. Der als fugenloser Monolith geplante und realisierte Gebäudekomplex bündelt modernste technische Anlagen, wie die Hubwehr- und Pumpanlage, in einer gewichtigen und optisch signifikanten »Beton-Hülle«. So schützt das neue Pumpwerk zukünftig im Falle eines Hochwassers nicht nur die Mainzer Innenstadt, sondern passt sich auch harmonisch an die Rheinuferpromenade des in naher Zukunft entstehenden neuen Stadtquartiers Zoll- und Binnenhafen an.

Die Anforderungen der Stadt Mainz an die verantwortlichen Planer von schoyerer architekten aus Mainz waren vielfältig und anspruchsvoll. Julian Andreas Schoyerer erläutert: »Wegen der exponierten Lage auf der neu gestalteten Rheinuferpromenade war eine nachhaltige Gestaltungslösung gefragt. Ein umzäunter Maschinenpark sollte auf jeden Fall vermieden werden. Auch der Faktor der Instandhaltung spielte bei der Planung eine große Rolle. Wartungs- und regelmäßige Reparaturkosten, zum Beispiel durch Graffiti oder Plakate, galt es zu minimieren.« Vor diesem Hintergrund entwarfen die Architekten einen fenster- und fugenlosen Baukörper in Form eines Monolithen, der Hochwasserpumpwerk, Auslassbauwerk und Wehranlage in sich vereint und optisch durch seine gespitzte, unebene Betonoberfläche auffällt. Der gewichtige, mit gekanteten Seitenflächen und Traufkanten erstellte Betonkubus sichert die Standhaftigkeit des Pumpwerks auch unter Einwirkung enormer Wassermassen. Abgerundet wird das Konzept durch eine Fußgängerbrücke, die das geöffnete Auslassbauwerk im Bereich der Dammböschung überspannt und einen Blick in den unterirdischen Gebäudeteil ermöglicht.

Bei der Gründung und Erstellung des Tiefbaus meisterte die bauausführende Firma Uhrig aus Geisingen besondere Herausforderungen. Bis auf eine Tiefe von 8 m wurden zunächst Spundwände in den Boden getrieben und die Baugrube für das Pumpwerk ausgehoben. Eindringendes Wasser wurde sogleich abgepumpt. Für die Baugrube des Wehrunterkastens wurden erneut Spundwände unter der Sohle 8,5 m tief getrieben. Diese Baugrube wurde »unter Wasser« ausgehoben – das permanent eindringende Wasser wurde in dieser tieferen Baugrube nicht abgepumpt. Der Wehrunterkasten wurde im Trockenen betoniert und nach seiner Fertigstellung von einem Spezialkran in den Schacht gehoben und dort über Füllbeton mit den Spundwänden als verlorene Schalung verbunden. Im »oberirdischen« Bereich war bei der Schalung und Betonierung der Wände und Decken Ausdauer gefragt. In direkt aufeinander folgenden Bauabschnitten wurde jeweils von einem Wandknick über die Gebäudeecke bis zum nächsten Wandknick in der Mitte der anschließenden Gebäudewand die Schalung gestellt und dann bis auf 8,5 m Höhe mit Ortbeton betoniert. Auf diese Art entstand der fugenlose Betonkubus. Als besonderes Highlight der Bauphase erwies sich das Einheben der riesigen Hubplatte in die Wehranlage. Diese wurde von oben durch einen speziellen Schlitz in der Decke mit einem Autokran eingebracht.

Beton, Monolith
Foto: BetonBild/Stefan Klomfass

Einen optischen Blickfang bietet die Betonoberfläche des Pumpwerks. Diese wurde von der Firma Miedl vollflächig steinmetztechnisch bearbeitet, dabei spitzten die Handwerker 30 mm tief in den Beton. Die so entstandene Oberflächenrauheit schafft in Verbindung mit den geknickten Flächen je nach Lichteinfall eine stetige Wechselwirkung von Streiflicht und vollflächiger Ausleuchtung der Gebäudeteile. Die Unebenheit der Oberfläche soll dazu beitragen, dass Plakatkleben und Vandalismus am Gebäude verhindert werden. Das Altern der gesamten anthrazitfarbenen Oberflächen ist Entwurfsbestandteil. Dies bedeutet, das ein Nachdunkeln des Gebäudes optisch nicht auffällt. Auch die natürliche Verwitterung wird den Kubus nicht negativ beeinflussen.

Dieser Artikel ist aus dem Heft:
DETAIL 9/2009

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