You are using an outdated browser. Please upgrade your browser to improve your experience.

print article Artikel drucken

Monolith mit filigraner, metallischer Gebäudehülle

MUMUTH in Graz von UNStudio
Foto: GKD/Christian Richters

Mit dem Haus für Musik und Musiktheater (MUMUTH) in Graz präsentiert sich ein Gebäude, das Musik und Architektur verbindet. Das MUMUTH wurde von Ben van Berkel und seinem niederländischen Architekturbüro UNStudio entworfen. 1998 aus einem internationalen Architekturwettbewerb mit 212 Einreichungen hervorgegangen, wurde das Gebäude nach langen Planungen und zweijähriger Bauzeit seiner musischen Bestimmung übergeben. Eine filigrane Hülle aus Metallgewebe der GKD – Gebr. Kufferath AG inszeniert das Gebäude als zart besaiteten Klangkörper.

In seinem Entwurf griff Ben van Berkel die klassische Beziehung zwischen Musik und Architektur auf und interpretierte sie durch bewusste Verdrehungen neu. So schuf er ein Gebäude, das die Lebendigkeit der in ihm praktizierten Musik sinnlich erfahrbar macht und die Architektur zum Klingen bringt. Mit frei fließenden Formen und Raumanordnungen unterstützt es die Musik ebenso, wie die Musik die Form des MUMUTH beeinflusst hat.

Der »Twist«, eine gegeneinander verdrehte Spirale aus Sichtbeton, ist dominantes Leitmotiv. Ihr gestalterisches Prinzip von Rhythmik, Wiederholungen und Dichte verleiht dem Gebäude im Innern seine Unverwechselbarkeit. Um sie dreht sich alles und je nach Standort erschließen sich immer neue Perspektiven. Mit elegantem Schwung verbindet die Spirale den Publikumseingang über einen breiten Treppenaufgang mit dem eigentlichen Foyer und dem großen Saal im ersten Stock sowie den darüber liegenden Räumen. Als frei definierte Verbundkonstruktion trägt sie die Foyerdecke, ist aber zugleich Unterkonstruktion für die Treppe.

Foto: GKD/Christian Richters

So folgt die Gebäudeform dem von Ben van Berkel formulierten Prinzip »From Box to Blob and back again«. In einer einzigartigen Geste geht der strikte mehrgeschossige Raum – die Black Box des Theaters – nahtlos in eine Reihe ineinanderfließender Räume – den Blob – über. Stilisierte Notenschlüssel zieren als Ornamente die umlaufende Glasfassade. Ihre plastische Entsprechung findet sich an den sonst schlichten Wänden.

Herzstück des dreistöckigen Baus ist der 530 m2 große multifunktionale Saal mit 450 Sitzplätzen und wegweisender Bühnentechnologie. 108 unabhängig von einander steuerbare Hebepodeste ermöglichen immer neue Topografien mit bis zu 3 m Höhenunterschied. Zwei Probebühnen, diverse Proberäume für Orchester und Musiktheater, Büros und Technikräume komplettieren in fließender Raumanordnung das 18 Millionen Euro teure Gebäude. Während die Bühne für Orchesterproben unter dem Foyer ebenerdig mit direkter Sichtverbindung zum Park untergebracht ist, befindet sich die Probebühne des Musiktheaters im 3.Obergeschoss. Diese Anordnung mit zwischengeschaltetem Foyer trennt die Bereiche akustisch optimal und erlaubt deshalb ihre zeitgleiche Nutzung.

MUMUTH in Graz von UNStudio
Foto: GKD/Christian Richters

Als dezent schimmernder Monolith gewährt das Gebäude von außen nur abends Einblicke. Die leicht gewölbte metallische Haut tritt tagsüber in ein behutsames Zwiegespräch mit der Umgebung. Abends inszenieren LEDs die schützende Membran als Komposition aus Transparenz und Farbenspiel. Das Metallgewebe »Omega« von GKD – Gebr. Kufferath AG materialisiert die Glasfassade des Grazer Prestigeprojekts. In unterschiedlichen Dichten mit fließenden Übergängen gewebt, bietet die textile Haut tagsüber gleichermaßen Sicht- und Sonnenschutz. Zugleich bewirkt sie, dass die Schatten der verfremdeten Notenschlüssel auf den Boden der Innenräume geworfen werden. Je nach Betrachtungswinkel und Sonnenstand verflüchtigen sich diese Projektionen oder die Noten bewegen sich auf dem Boden wie eine unhörbare Melodie. 66 Bahnen Omegagewebe à 17,50 x 3,30 m bilden die 4000 m2 große transluzente Hülle.

Die zweifach gekrümmten Bereiche der Fassade stellten das Dürener Unternehmen vor besondere Herausforderungen. Anders als bei üblichen Anwendungen wurden die Schnittkanten des normalerweise orthogonalen Gewebes nicht gerade, sondern gebogen gefertigt, um sich an die leicht bauchige Fassadenform wie eine zweite Haut anzupassen. Diese radialen Gewebekanten mussten mit zusätzlichen Flachprofilen konfektioniert und beim Spannen der Fassadenpaneele entsprechend aufwändig fixiert werden. Der gewebte Schleier verschmilzt das Innere mit dem Äußeren.

Dieser Artikel ist aus dem Heft:
DETAIL 7+8/2009

Bauen mit Glas

Zum Heft
Shop-Empfehlung
Anzeige

ARCHITEKTUR & DESIGN

Detail Newsletter

Wir informieren Sie regelmäßig über internationale Projekte, Neuigkeiten zu Architektur - und Designthemen, Research und aktuellen Veranstaltungen in unserem Newsletter.