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München plant die solare Zukunft

Die Stadt München hat einen „Aktionsplan Solare Stadtplanung“ verabschiedet. Ihm zufolge soll der Anteil der Solarenergie an der Münchner Stromversorgung bis 2030 um den Faktor 15 und an der Wärmeversorgung gar um den Faktor 30 steigen. Der Aktionsplan dürfte auch weitreichende städtebauliche Folgen haben.

Foto: Wilhelm von Dreden/pixelio

Im europäischen Kooperationsprojekt POLIS haben die sechs Partnerstädte – Lissabon, Lyon, Malmö, München, Paris und Vitoria-Gasteiz – solare Aktionspläne erarbeitet. Der Münchner „Aktionsplan solare Stadtplanung“ wurde in Kooperation zwischen dem Referat für Stadtplanung und Bauordnung der Landeshauptstadt München und dem Projektkoordinator Ecofys (Köln) erstellt und tritt nun in die Umsetzungsphase. Das von der Europäischen Kommission geförderte Projekt POLIS mobilisiert solarenergetische Potenziale durch Maßnahmen der Stadtentwicklung, der Stadtplanung und durch andere kommunale Aktivitäten.

Der Aktionsplan Münchens beinhaltet strategische Ziele und konkrete Maßnahmen der Stadtplanung, um die Nutzung von Solarenergie in den kommenden Jahren zu fördern und dauerhaft zu verankern. Demgemäß soll bis zum Jahr 2030 der Anteil an Photovoltaik am Stromverbrauch sieben Prozent und der Anteil an Solarthermie am Gesamtwärmebedarf von Bestand und Neubau drei Prozent betragen. Des Weiteren sieht der Plan vor, dass passive solare Gewinne ab 2012 ein Viertel des Heizwärmebedarfs in Neubaugebieten mit mehr als 100 Wohneinheiten decken.

Stadtbaurätin Elisabeth Merk: „Wir haben den Aktionsplan in die übergeordneten Strategien der Stadt zur Stadtentwicklung sowie zum Klimaschutz eingebettet. Stadtgestaltung und solares Bauen stehen bei den vorgesehenen Maßnahmen in Einklang. Darauf legen wir besonderen Wert.“

Zu den geplanten Pilotmaßnahmen zählt die Erstellung eines Leitfadens zur Solaren Stadtplanung. Er wird inhaltliche Grundlagen und fachliche Lösungen aufzeigen sowie die stadtplanerische und denkmalpflegerische Vorgehensweisen mit dem Kontext solarenergetischer Optimierung verbinden.

Hintergrund

Einen maßgeblichen Anstoß zur Entwicklung des Aktionsplans hat der EU-Beschluss von 2007 gegeben, den Anteil erneuerbarer Energien an der europäischen Energieversorgung bis 2020 auf 20% zu steigern und die CO2-Emissionen um den gleichen Prozentsatz zu senken.

Viele Kommunen haben sich inzwischen freiwillig verpflichtet, die Minderungsziele bis 2020 ebenfalls zu erfüllen. In München sind die Voraussetzungen hierfür denkbar günstig: Die Stadtwerke München, eine 100%-ige Tochter der Stadt, sind auch in Zeiten des liberalisierten Energiemarkts der größte Marktakteur im Bereich der Energieversorgung in München. Sie haben sich verpflichtet, bis 2015 alle Münchener Privathaushalte und bis 2025 den kompletten Strombedarf in der Stadt aus erneuerbaren Quellen zu decken.

Bereits seit 2009 gibt es in München eine Solarpotenzial-Karte, in der die Dach- und Fassadenflächen, die Gebäudehöhe sowie die Südorientierung sämtlicher Gebäude in der Stadt ermittelt und im Rahmen einer Potenzialanalyse bewertet wurden. Sie ist im Internet unter maps.muenchen.de/rgu/solarpotenzial einzusehen.

Auch rechnerisch wurde das Solarpotenzial in München in mehreren Studien ermittelt: Eine Untersuchung von 2005 kam auf ein technisch-wirtschaftlich zu erschießendes Potenzial von 9 Prozent des Münchner Strombedarfs, das sich allein durch gebäudeintegrierte Anlagen erschließen ließe. Eine zweite Machbarkeitsstudie von 2009 relativierte diesen Befund allerdings: Berücksichtigt man auch die voraussichtliche Bereitschaft der Eigentümer und Nutzer, PV-Anlagen zu installieren, lassen sich bis 2017 nur noch 3,5% des Strombedarfs durch Photovoltaik decken. In dieser Studie sind jedoch kleinere Dächer unter 125 m² (Steildächer) bzw. 200 m² (Flachdächer) noch nicht erfasst. Der neue Aktionsplan hingegen berücksichtigt diese ebenfalls und kommt dadurch auf eine höhere Zielsetzung von 7% des Strombedarfs.

Derzeit werden in München jährlich 17 GWh Photovoltaikstrom gewonnen; der jährliche Stromverbrauch liegt mit 7,5 TWh etwa beim 450-Fachen. Die Zielsetzung, 7% des Strombedarfs aus Photovoltaik zu decken, käme damit einer Steigerung um den Faktor 15 gleich.

Der Leitfaden Solare Stadtplanung, der im Rahmen des POLIS-Projekts derzeit für München erstellt wird, soll bereits im Frühjahr 2011 vorliegen und dann zunächst auf mehrere Pilotprojekte angewandt werden. Ferner ist geplant, in München künftig „solare Vorranggebiete“ auszuweisen und solare Aspekte bei großräumigen Siedlungsgebieten verstärkt schon in die vorbereitenden Planungskonzepte einfließen zu lassen.

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