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Chance de Silva, Vex, London

Musik am Bau: Wohnhaus Vex von Chance de Silva

Geschwungene Körper, kannelierter Sichtbeton und vertikale Holzverschalungen ragen zwischen den größtenteils viktorianischen Wohnhäusern einer Straße in Hackney hervor. Die Geschosse sind leicht versetzt übereinander gestapelt, als wären sie noch im Schwung abgesetzt worden. Und so schwingt die gesamte Fassade elegant und spielerisch, wie man es nicht als erstes von einer Betonstruktur erwarten würde.

Die Bewegung, oder besser die Musikalität des Gebäudes gründet sich in der Entwurfsidee. Zusammen mit Robin Rimbaud, der als Komponist und Musiker unter dem Namen Scanner arbeitet, entwarfen die Architekten das Wohnhaus auf Grundlage von Erik Saties »Vexations«. Im Prozess wurden auch die Notenblätter des 18-stündigen, repetitiven Klavierstücks am Modell zum Entwurfsmedium. So dienten sie als Grundlage zum Platzieren der Öffnungen, wobei Blickbeziehungen in die Nachbarschaft und der Tageslichteinfall als Parameter trotzdem nicht außer Acht gelassen wurden. Das Ergebnis berücksichtigt beide Elemente, Klang und Architektur gleichermaßen.

Um die gewünschten, unregelmäßigen Formen zu Schalen und in Ortbeton auszuführen, bedurfte es geübter Handwerker. Zusätzlich zur hohen Speichermasse des Betons sorgen dreifachverglaste Fenster, hochgedämmte Wände und eine Fußbodenheizung für den effizienten Betrieb des Wohnhauses. Ein eingebautes Sonos-System bringt den Klang nach dem Entwurfsprozess nun wieder in das Haus. Die ungewöhnliche Kubatur nutzen die Architekten gekonnt, um Licht in die Räume zu streuen. Dort, wo ein darüber liegendes Geschoss zurückspringt, liegt ein sichelförmiges Oberlicht in der Decke des Hauses. Ragt das obere Geschoss jedoch über das untere hinaus, wurde seine Untersicht mit galvanisiertem Stahlblech verkleidet und reflektiert so das Licht.

Im Inneren überrascht die Anordnung der Räume in den Geschossen: Um in den Wohn- und Essbereich zu kommen, steigt man zunächst an zwei Geschossen mit Schlafzimmern vorbei empor. Im zweiten Obergeschoss und von der darüberliegenden Dachterrasse wird man dann allerdings mit einem Ausblick in die historische Nachbarschaft belohnt. Teile der Wände, sowie die Decken sind in Sichtbeton ausgeführt. In Kombination mit den organischen Grundrissen erzeugt das ein geborgenes, an Höhlen erinnerndes Gefühl. Das Vex ist ohne Zweifel ein Haus, das man mit allen Sinnen wahrnimmt– ein Gebäude, dem man zuhören kann.

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