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Nachhaltiger Wohnungsbau

Standards und Innovation bei Großprojekten

von Holger Wolpensinger und Wolfgang Rid

Erfolgreich realisierte Großprojekte im Wohnungsbau wie Hannover-Kronsberg sind Wegbereiter in der Nutzung erneuerbaren Energien: Erstmals konnte nachgewiesen werden, dass sich die Versorgung von Niedrigenergiehäusern über ein Nahwärmenetz und Blockheizkraftwerke (BHKW) ökonomisch realisieren lässt.

Kein anderer Aspekt des nachhaltigen Bauens ist so anerkannt und etabliert wie die Energieeffizienzsteigerung und die Nutzung erneuerbarer Energien. Dies spiegelt sich auch im Wohnungsbau wider, denn hier gibt es erfolgreich realisierte Großprojekte. Wegbereiter war Hannover-Kronsberg (3000 Wohneinheiten) für die EXPO 2000. Erstmals konnte nachgewiesen werden, dass sich die Versorgung von Niedrigenergiehäusern über ein Nahwärmenetz und Blockheizkraftwerke (BHKW) ökonomisch realisieren lässt. Im Wärmebereich ergab sich eine Energieeinsparung von 73 % gegenüber der damals gesetzlich vorgeschriebenen Standardbebauung.

Zur gleichen Zeit wurde eine Modellreihe großer Solarthermieanlagen mit saisonalem Speicher in rund einem Dutzend Siedlungen gebaut. Beim größten solaren Nahwärmeprojekt Neckarsulm-Amorbach (1300 Wohneinheiten) wird rund die Hälfte der Wärmeenergie über Solaranlagen erzeugt und saisonal in einem Aquifer-Wasserspeicher in oberen Bodenschichten gespeichert. Da der technische Aufwand im Vergleich zu Passivhäusern allerdings deutlich größer ist, wurde das Konzept ohne Bundesförderung nicht mehr im großen Stil weiter verfolgt. Neubaugebiete wie der Scharnhauser Park in Ostfildern bei Stuttgart (3000 Wohneinheiten, 2500 Büroarbeitsplätze) oder Freiburg-Vauban (2000 Wohneinheiten) werden zwar ebenfalls über ein Nahwärmenetz versorgt, Wärme und Strom liefert jedoch ein BHKW, das mit Holzhackschnitzeln befeuert wird. 
 
Insgesamt geht die Entwicklung hin zu Versorgungskonzepten mit ausschließlich erneuerbaren Energien. Das Bioenergiedorf Jühnde bei Göttingen mit einer Biogasanlage und einem Biomasseheizwerk ist eines der Vorreiterprojekte, das zahlreiche Nachahmer fand und Anlass für den "Leitfaden Bioenergiedörfer" des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV)  bot.

"Plusenergie"-Konzepte erzeugen mit großen Solaranlagen oder mit Holzpellets befeuerten Mini-BHKWs mehr Energie als sie selbst benötigen. Der Energieüberschuss wird in das öffentliche Stromnetz gespeist oder kann für Elektromobilität verwendet werden. Die mit
1 MW Leistung derzeit größte nachhaltige Siedlungsplanung weltweit ist Amersfoort-Nieuwland in den Niederlanden mit dachintegrierten Photovoltaikanlagen (5000 Wohnungen für 15 000 Bewohner). Die intensive Zusammenarbeit der beteiligten Akteure in der Planungsphase erlaubte es dort, ein breites Spektrum nachhaltiger Kriterien zu berücksichtigen.

Siedlungsmobilität

Zahlreiche Innovationen finden sich bei der Siedlungsmobilität. Die größten zusammenhängenden autofreien Stadtquartiere "Kraftwerk 1" in Zürich (2001), "Westerpark" auf dem "GWL-Terrin" in Amsterdam (1996) und Freiburg-Vauban (2003) gelten als europäische Vorreiterprojekte.

Kraftwerk 1 verfügt über eine eigene "Mobility Carsharing"-Station mit mehreren Autos. Da das Projekt Kraftwerk 1 Genossenschafterin bei Mobility ist, können die Bewohner von den verbilligten Kilometertarifen profitieren; trotzdem ist die typische Halbierung des Fahraufwands bei Carsharing-Nutzung gegenüber privaten Pkws auch hier zu beobachten.

Bei der größten zusammenhängenden autofreien Siedlung in Europa, dem Stadtquartier GWL-Terrin in Amsterdam-Westerpark, sind 600 Wohneinheiten mit 0,2 Stellplätzen gegenüber sonst üblichen 2,5 bis 3 Stellplätzen je Wohneinheit realisiert worden. Die Baukosten lassen sich signifikant senken, indem man auf Tiefgaragen verzichtet. Eine umfangreiche Evaluation fand in Freiburg statt. Der Stadtteil Vauban ist das Quartier mit den meisten autofreien Haushalten. Ihre Alltagsmobilität organisieren die rund 5000 Bewohner zur Hälfte mit dem Fahrrad, dem öffentlichen Nahverkehr, zu Fuß und mit Carsharing.

57% der Bewohner haben ihr Auto erst mit ihrem Umzug nach Vauban abgeschafft. Dies kann als Beleg dafür gelten, dass eine nachhaltige Wohnbauplanung zu einer autofreien Mobilität beitragen kann. Voraussetzung für das Gelingen solcher Projekte sind neben der guten Erreichbarkeit auch ein gutes Marketing. So wird bei der Realisierung der autofreien Siedlung "Stellwerk 60" in Köln-Nippes nicht mit dem Autoverbot geworben, sondern mit den Qualitäten des Pkw-freien Wohnens. 

Den ausführlichen Artikel können Sie nachlesen in: DETAIL 3-2010, S. 122-128

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