You are using an outdated browser. Please upgrade your browser to improve your experience.

print article Artikel drucken

Neue Dimension: Flughafenerweiterung in Frankfurt von gmp

Das Gestaltungshandbuch und die Integration in den Bestand gaben den Planungsrahmen vor. 15.000 m² Glasfassade sorgen tagsüber für viel Tageslicht und nachts für Außenwirkung.

Der neue, 600 Meter lange Flugsteig A+ erweitert die von Lufthansa genutzten Bereiche am Terminal  1 und war für die Betreiber unabhängig vom Ausbauprogramm des Flughafens erforderlich, um die Großraumflugzeuge Airbus A380 und Boeing B747-8 adäquat bedienen zu können.

Architekten: gmp – von Gerkan, Marg und Partner
Ort: Rhein-Main-Flughafen, D-60547 Frankfurt am Main

Flugsteig A+ in Frankfurt am Main von gmp
Rund 800 Meter lang, 185.000 m² groß und für bis zu sechs Millionen Fluggäste jährlich ausgelegt – der neue Flugsteig A+ in Frankfurt am Main, Fotos: Marcus Bredt

Die Architekten von Gerkan, Marg und Partner waren sowohl mit dem Neubau der als »Wurzel« bezeichneten Verbindung zwischen den Flugsteigen A und A+ beauftragt, als auch mit der Gepäckausgabe A, den erforderlichen Umbauten im Bestand des Terminals 1 sowie mit dem Neubau des Flugsteigs A+.

Die Planung dieses Großprojekts beinhaltete drei Schwerpunkte:

  • den Neubau gestalterisch in den Bestand integrieren und gleichzeitig eine bauliche Identität schaffen
  • die neuen EU-Sicherheitsregeln bei der Passagierabfertigung einhalten
  • ein Retail- und Lounge-Konzept entwickeln
Flugsteig A+ in Frankfurt am Main von gmp
Nutzerin des neuen Flugsteigs ist die Lufthansa, Foto: Marcus Bredt
Flugsteig A+ in Frankfurt am Main von gmp
Der Flugsteig A+ auf ganzer Länge, Foto: Marcus Bredt

Architektonisches Konzept der Wurzel
An der baulichen Schnittstelle zwischen Terminalhalle A und Flugsteig A+ befindet sich in der Wurzel der zentrale Marktplatz mit einem großen Angebot an Geschäften, Gastronomie und Lounges. Seine verglaste, kegelförmige Öffnung lässt Tageslicht ins Innere, gibt den Blick in den Himmel frei, schafft Blickbeziehungen über die verschiedenen Ebenen des Marktplatzes. Gleichzeitig können die Passagiere durch eine breite Öffnung zur Luftseite das Vorfeld und die Flugzeuge sehen.

Flugsteig A+ in Frankfurt am Main von gmp
Der zentrale Martkplatz in der Wurzel, Foto: Marcus Bredt
Flugsteig A+ in Frankfurt am Main von gmp
Lageplan 1:5000, Plan: gmp
Flugsteig A+ in Frankfurt am Main von gmp
Blick aufs Vorfeld, Foto: Marcus Bredt

Individuelle, themenbezogene Retail- und Gastronomiekonzepte wurden in ein übergeordnetes Gestaltungsprinzip eingebunden. Transparenz und Tageslicht, kombiniert mit einfachen und natürlichen Materialien, erzeugen eine angenehme Atmosphäre. Der zentrale Marktplatz bildet so einen unverwechselbaren architektonischen Raum mit hoher Verweilqualität.

Architektonisches Konzept des Flugsteigs A+
An die Wurzel anschließend erstreckt sich circa 26 Meter breit der Flugsteig A+ über 600 Meter gen Westen. Wegen neuer EU-Sicherheitsbestimmungen, nach denen ankommende Passagiere aus Nicht-Schengenstaaten zwingend von abfliegenden und bereits kontrollierten Fluggästen zu trennen sind, musste der Flugsteig mit vier Obergeschossen geplant werden. Damit ist der Flugsteig A+ höher als der bestehende Bereich, orientiert sich aber gestalterisch am Bestand. Hierfür diente das am ganzen Flughafen geltende Gestaltungshandbuch, mithilfe dessen die gmp-Architekten trotz teilweise vorgegebener Materialien dem Flugsteig A+ seine Identität verliehen.

Flugsteig A+ in Frankfurt am Main von gmp
Schnitte durch Wurzel, Brückenbauwerk, Flugsteig; Plan: gmp

So verarbeiteten sie gezielt Materialien wie Naturstein, Metall und Holz wie im Terminal 1 – was einen fließenden Übergang von dem Bestands- in den Neubau erzeugt. Je weiter man geht, umso eigenständiger sind die Materialien eingesetzt, neu variiert und kombiniert, sodass der Flugsteig schließlich sein eigenes Gesicht bekommt.

Aufgrund eines wirtschaftlich optimierten Konstruktionsrasters und einer großen Spannweite konnten die Planer auf eine Stützenreihe und damit störende Einbauten verzichten. Nebenräume wie Fluchttreppen, Technikschächte und WCs haben sie an den Rand auf der Nordseite platziert. Dies schafft einen durchgängig offenen, tageslichtdurchfluteten Raum und bewirkt Übersichtlichkeit sowie eine eindeutige Wegführung: Die Fluggäste können fast die gesamte Länge des Flugsteigs über mehrere hundert Meter überblicken. Nicht nur, dass dies die Orientierung erleichtert, der Weg und die Entfernung zum Gate sind so auch einfach einzuschätzen. Auch hier haben die Passagiere jederzeit das Vorfeld und die Flugzeuge im Blick.

Flugsteig A+ in Frankfurt am Main von gmp
Eine kegelförmige Öffnung lässt Tageslicht in die Wurzel, Foto: Marcus Bredt
Flugsteig A+ in Frankfurt am Main von gmp
Passagiere haben fast den gesamten Flugsteig im Blick, Foto: Marcus Bredt
Flugsteig A+ in Frankfurt am Main von gmp
Vogelperspektive Flugsteig A+ mit Wurzel, Foto: Marcus Bredt

Die Lichtführung mit architektonischen Mitteln unterstreicht die Raumwirkung. Sie basiert auf dem Zweiklang aus einer weichen Deckenaufhellung als Grundbeleuchtung und einer bewussten Differenzierung der einzelnen Funktionsbereiche. Lichtinseln und -zonen für die Counter- und Gate-Bereiche sowie die Retail- und Gastronomiebereiche bewirken eine Lebendigkeit innerhalb der großen Raumzusammenhänge und unterstützen ebenfalls die Orientierung der Fluggäste.

Flugsteig A+ in Frankfurt am Main von gmp
Einfache, natürliche Materialien im Innenraum, Foto: Marcus Bredt
Flugsteig A+ in Frankfurt am Main von gmp
Freier Blick in den Himmel, Foto: Marcus Bredt

Am Abend gelangt das künstliche Licht durch alle Öffnungen nach außen, was die nächtliche Formwirkung bestimmt. Das Zusammenspiel von Fassaden- und Dachstruktur mit seiner großen Öffnung im Wurzelbereich prägt die Nachterscheinung der Erweiterung A+ am Boden wie aus der Luft. Hierbei orientiert sich die Fassadengestaltung an der Großordnung und sucht die Lösung in der Reduktion im Detail.

Flugsteig A+ in Frankfurt am Main von gmp
Der neue Flugsteig verfügt über sieben Brückenbauwerke, Foto: Marcus Bredt

Die Neubaumaßnahme der Entwicklung des Bereichs A+ ist trotz der unterschiedlichen Bauteile von Flugsteig und Wurzel als eine architektonische Einheit konzipiert und steht damit zeichenhaft mit einem nach innen und außen durchgängigen Erscheinungsbild für die Gesamtbaumaßnahme. Fraport und Lufthansa nahmen die Erweiterung des Flugsteigs A am Rhein-Main-Flughafen im Oktober 2012 in Betrieb.

Projektdaten
Grundfläche: 45.000 m²
Bruttogeschossfläche: 188.000 m²
Umbaubereich Bestand: 12.000 m²
Bruttorauminhalt: 960.000 m³
Länge des Gesamtprojekts: 885 m
Länge des Flugsteigs A+: 650 m
Gebäudehöhe des Flugsteigs A+: 22 m
Glasfassaden: 15.000 m²

Brückenbauwerke
Sieben Brückenbauwerke
- entspricht sieben Interkontinentalpositionen für Großraumflugzeuge
- alternativ 4 Doppelpositionen und 3 Einzelpositionen für Code C (insgesamt 11 Positionen)

Busgate-Positionen: 12
Bruttogeschossfläche Brückenbauwerke: 1.300 m²
Bruttorauminhalt: 6.800 m³

Sonstiges
Sicherheitskontrollen: 49
Verkaufs- und Gastronomieflächen: 62 mit insgesamt 12.000 m²Grundfläche
Lufthansa Lounges: 5 (First Class, Senator, Business)
Türen: ca. 2.300, davon ca. 800 sicherheitsrelevante Türen
Aufzüge: 32
Fahrsteige: 31
Fahrtreppen: 46
Hebebühnen: 6
Parkplätze: 280

Wettbewerb 2006 – 1. Preis
Entwurf: Meinhard von Gerkan und Jürgen Hillmer
Projektleitung: Susanne Winter, Reiner Schröder

Planungsgemeinschaft
Tragwerksplanung: Weber und Poll Ingenieure
Brandschutz: hhpberlin
Technische Gebäudeausrüstung: Arup GmbH
Verkehrsplanung: VSU Verkehr Städtebau Umweltschutz GmbH
Bauherr: Fraport AG
Planungsbeginn: Januar 2007
Bauzeit: 2007–2012 (Umbaubereich Terminal 1 Bestand bis August 2013)

Stichworte:
Aktuelles Heft
DETAIL 11/2018
DETAIL 11/2018, Licht und Raum

Licht und Raum

Zum Heft
Shop-Empfehlung
Anzeige

ARCHITEKTUR & DESIGN

Detail Newsletter

Wir informieren Sie regelmäßig über internationale Projekte, Neuigkeiten zu Architektur - und Designthemen, Research und aktuellen Veranstaltungen in unserem Newsletter.