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Neue Formen des städtischen Wohnens - Stipendiat Stefan Prattes stellt seine Projektübung vor

Ein intensives und lehrreiches Sommersemster fand mit der Präsentation der Projektübung und dem anschließenden Sommerfest am Campus der TU Graz seinen Ausklang. In diesem Semester widmeten wir uns dem Thema der Verdichtung der Stadt an Hand eines hybriden Hochhausentwurfes für Berlin. Die Verknüpfung von Funktionen innerhalb der Gebäudestruktur sowie die Integration in die Stadt und die Verflechtung des Nutzungsmix mit den urbanen Strukturen stellen den Ausgangspunkt unserer Untersuchungen dar. Zusammen mit meinem Projektpartner Jonathan Droste erprobten wir auf experimentellem Weg die Neustrukturierung und Nachverdichtung des Ernst-Reuter-Platzes in der City West. Dabei stießen wir auf einen neuen Ansatz für komplexe Hochhausstrukturen, abseits von monofunktionalen Typologien.

 

HighHybrid - Mixed Use Hybrid Berlin

Neue Formen des städtischen Wohnens

Stefan Prattes | Jonathan Droste
Entwurfsprämisse: Ein hybrider Hochhausentwurf für Berlin.
Betreuer: Roger Riewe und Armin Stocker; Institut für Architekturtechnologie

Zwei vertikal geschichtete Quader mit geringem Abstand zueinander prägen den Ort und schweben scheinbar schwerelos aufeinander. Durch eine Rotationsbewegung außen wie innen werden unterschiedliche Bezüge zum urbanen Kontext geschaffen. Großzügig dimensionierte Innenhöfe sorgen für lichtdurchflutete Räume, welche Schnittstellen zwischen den unterschiedlichen Funktionen bilden. Die Elemente der Stadt – Wohnen, Arbeiten, Kultur, Freizeit und öffentlicher Raum – erfahren in diesem Entwurf für den Ernst-Reuter-Platz eine vertikale Stapelung und  Verdichtung, das zu einem neuen Gebäudetypus führt – HighHybrid. 

Städtebauliche Einbindung
Der 118 Meter hohe Neubau reagiert auf die Maßstäblichkeit des Quartiers mit einer räumlichen Fuge in Traufhöhe und nähert sich in der Höhenentwicklung dem angrenzenden Stadtgefüge der City West an. Der Baukörper nimmt die Flucht der Bismarckstraße auf und bildet einen Solitär der sich zwischen den bestehenden Nachbargebäuden sowie der Staatsoper im Schillertheater eingliedert. Des Weiteren rückt der Turm bewusst aus der Achse des Telefunken Hochhaus heraus um nicht in Konkurrenz mit ihm zu treten und keine Torbildung zu erzeugen.
Die formale Ausgestaltung und das Erzeugen von einem solitären Baukörper repräsentiert das Hochhaus, und gleichzeitig seine Nutzung ohne im Kontext unterzugehen. Durch die Baukörperdisposition prägen sich im wesentlichen drei Plätze aus. Jeweils einer flankiert den Turm an seiner Ost- und Westseite. Eine weitere Platzsituation wird durch die Auskragung des oberen Gebäudeteils nach Süden geschaffe

Freiraum/Platzgestaltung
Das Erdgeschoss zeichnet sich durch den ortsspezifischen und durch Infrastruktur geprägten Charakter aus. Zwei Lichthöfe, welche durch Sitzstufen gefasst sind markieren die Ein- und Ausgänge zum Untergeschoss welches eine Achse durch das Grundstück schneidet und den U-Bahnhof Ernst-Reuter Platz direkt mit dem Gebäude verknüpft. Das bestehende Grid der Platzgestaltung wird fortgesetzt und vermittelt die Struktur nach Außen

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Soziale und funktionale Mischung
Das geschossweise Durchmischen von Funktionen steht im Zentrum des Entwurfs. Kein Grundriss gleicht einem anderen.
Der untere Gebäudeteil bildet sich durch die Geschosse 1 bis 5. Er wird aus einem sich selbst tragendem Fassadenkleid umhüllt, in dessen Innenraum vier Plattformen an den zentralen Kernen aufgehängt sind. Die Plattformen mit einer lichten Raumhöhe von 5,80 Metern bieten flexiblen Raum für Co-working und shared office-spaces.
Das obere Volumen teilt sich in zwei weitere funktionale Blöcke auf. Sie werden gebildet durch zwei außenliegende Riegel und einem durchgesteckten Hof. Eine Spange um dieses Gefüge bildet einen Block. In den Höfen schrauben sich an die Kerne angehängte Plattformen hinauf, wodurch sich Räume mit Höhen von 2,80 bis 9.20 Metern ergeben. Durch die horizontale Überlappung der Platten entstehen Schnittpunkte an denen die interne Erschließung angeordnet ist. Der Besucher kann somit in einer Gehlinie in rotierender Bewegung das gesamte Gefüge erschließen. Die Plattformen sind Gemeinschafts-, Bewegungs-, Kommunikations- und Arbeitsflächen. Die bewusst überdimensionierte Brüstungstiefe bietet Platz für Desksharing.
Die Öffnungen an den Seiten der Blöcke bieten dem Bewohner/der Bewohnerin ständig die Möglichkeit direkten visuellen Bezug zum Außenraum zu nehmen. Durch das freie Erdgeschoss eröffnet sich dem Besucher ein Blick in das Gebäudeinnere.

Urbane Platte 5. Etage
Auf 32 Metern über dem Straßenniveau befindet sich die Urbane Platte. Als wesentlicher Bestandteil des Entwurfs formt sie einen Einschnitt in die zwei Volumina und nimmt Höhen der umgebenden Nachbarbebauung auf. Die Fuge bildet eine Schnittstelle zwischen den unterschiedlichen Einheiten und ist die Transformation des städtischen Platzes aus dem öffentlichen Raum. Durch sie ergibt sich ein Zentrum, das durch die Mischnutzung eine hohe Frequenz aufweist.
Sie ersetzt das »klassische Erdgeschoss« eines Hochhauses und ermöglicht es ins Freie zu treten ohne das eigentliche Gebäude verlassen zu müssen.

Konferenzzentrum 15. | 16. Etage
Das Konferenzzentrum funktioniert durch seine eigene Gastronomieeinheit unabhängig vom Rest des Gebäudes und kann somit auch von externen Einheiten in der näheren Umgebung z.B. der Technischen Universität Berlin und der Universität der Künste in Synergie treten.

Ausstellungshalle 27. Etage
Das oberste Geschoss in einer Höhe von 105 Metern ist eine stützenfreie, weit-überspannende Halle. Sie verkörpert die höchste Stufe der Verfeinerung; nüchtern, ganz in Weiß.
Die Flächen sind vorbehalten für die Funktionen Ausstellung, Gastronomie und Veranstaltungen. Mittels textiler Vorhänge können diese Bereiche in kleinere Einheiten unterteilt werden. Nur zwei der insgesamt vier zentralen Kerne werden ganz hinauf in diese Ebene geführt und stehen skulptural im Zentrum des Raumes.

Tragwerksentwurf
Primäres Tragelement bilden vier massive Stahlbetonkerne, auf denen Trägerroste aufgelegt sind, die die Lasten zum Kern leiten. Die lastabtragenden Stützen treten reliefartig aus der Fassade hervor und sorgen somit für Tiefe und regelmäßige Strukturierung der geschliffenen Ortbetonfassade.

Begonnen hat die Übung mit einer Exkursion in Berlin im April. Die dort gewonnenen Eindrücke spiegeln sich im facettenreichen Entwurf wieder. Besonders prägend war dabei der Umgang mit Stein und Beton. Unter dem Motto »Altes wahren – Neues wagen«, setzten Jonathan und ich auf Kontinuität, Qualität, Identität und Innovation als Werkzeuge einer zukunftsgerichteten Entwicklung.

Die bevorstehenden Sommerferien werden genutzt, um bei der Findung des Diplomthemas voran zu kommen. Das Experimentieren mit traditionellen und regionalen Materialien und deren Neuinterpretation stehen im Fokus meines Interesses. Ich hoffe bereits im nächsten Bericht darüber einen ersten Einblick zu geben zu können.

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