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Sieber Architekten, Düsseldorf, Sammlung Philara

Neue Hallen für die Kunst: Sammlung Philara in Düsseldorf

Ein Sportgeschäft, eine Bäckerei, ein China-Imbiss – kaum etwas weist in der Birkenstraße 47 im Düsseldorfer Stadtteil Flingern darauf hin, dass sich hier eines der größten und ambitioniertesten privaten Kunstmuseen des Rheinlands befindet. Der Straßenzug einen Kilometer nordöstlich des Düsseldorfer Hauptbahnhofs ist mit fünfgeschossigen Nachkriegshäusern bebaut; in vielen Innenhöfen haben sich über die Jahrzehnte Gewerbebetriebe angesiedelt.

Einige davon hatten durchaus stattliche Größe erreicht wie etwa die Glaserei Lennarz, die sogar über einen eigenen Gleisanschluss der Deutschen Bundesbahn verfügte. Tempi passati: Der glasverarbeitende Betrieb schloss nach über 50-jähriger Tätigkeit seine Tore, und der Düsseldorfer Immobilienentwickler Gil Bronner erwarb das Areal, um hier seine auf mehr als 1000 Arbeiten gewachsene Kunstsammlung unterzubringen. Bronner sammelt seit Mitte der 90er-Jahre Kunst, sowohl von international arrivierten Vertretern der Zunft wie Thomas Ruff, Andreas Gursky, Tomás Saraceno oder Pae White als auch von Nachwuchstalenten der Düsseldorfer Akademie.

Den Auftrag zur Umgestaltung der Gewerbebrache erteilte Bronner dem Düsseldorfer Büro Sieber Architekten. Mit seinem Vorhaben ist er in Flingern nicht allein: »Hier, wo die Verlagerung der Nutzung hin zu kulturellen Aktivitäten überall deutlich spürbar ist, entspricht der Eingriff in die örtliche Struktur des Baugrundstücks der Wandlung des gesamten Stadtteiles«, schreiben die Architekten. Über die ihnen gestellte Bauaufgabe urteilen sie: »Egal, ob es sich um einen Neubau, eine Erweiterung oder die Umnutzung vorhandener baulicher Anlagen handelt, ist ein Museum im Idealfall immer eine Folge von einfachen Räumen. Jeder Versuch, etwas anderes zu machen ist absurd. Man kann ein Museum nicht neu erfinden und man muss es auch nicht.« Der Wechsel größerer und kleinerer Räume, eine gute Belichtung und übersichtliche Erschließung machen ihrer Ansicht nach die wesentlichen Qualitäten eines guten Museums aus.

Fast 2000 m2 groß ist das Hallenensemble im Hinterhof. Die dreischiffige Anlage gliedert sich in ein knapp neun Meter hohes Hauptschiff, zwei niedrigere Seitenschiffe und einen seitlichen Annex. Am sichtbarsten wird die Verwandlung, die die ehemaligen Gewerbebauten erfahren haben, noch an dem dreigeschossigen Verwaltungstrakt rechter Hand des Museumseingangs. Schon früher befanden sich hier die Büros der Glaserei, zwei Etagen waren zeitweise fremd vermietet. Für die Nutzung als Museumsverwaltung wurde der Gebäudeteil grundlegend umgebaut und erhielt eine Fassadenverkleidung aus Cortenstahl.

Im Inneren der Hallen nahmen die Architekten nur vergleichsweise wenig Änderungen vor: Das westliche Seitenschiff gliederten sie in kleinere Kabinette, im östlichen richteten sie ein Museumscafé und Verwaltungsbüros ein. Das Mittelschiff wurde von Einbauten frei gehalten. Nur an seinem nördlichen Ende ist durch den Einbau einer Zwischenebene ein geschlossener Bereich für Vorträge, Konzerte und Filmvorführungen entstanden. Die neuen Trennwände sind weiß verputzt oder bestehen aus Polycarbonatstegplatten, der Fußboden aus Beton und die Fassadenelemente aus Stahlblech und Gitterrosten. An der Nahtstelle zwischen Hallenbau und Annex fügten die Architekten eine neue Treppe ein, die bis auf das Flachdach führt. Es steht den Museumsbesuchern als Skulpturengarten offen.

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Weitere Informationen:

Statik:
Max Stahl
Bauphysik:
ISRW Klapdor, Düsseldorf

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