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Neue Kriterien für natureplus

Das natureplus-Zeichen gilt als wichtige Orientierungshilfe auf der Suche nach baubiologisch und bauökologisch unbedenklichen Produkten. Vor dem Hintergrund neuer EU-Bestimmungen, aber auch aufgrund der zunehmend unübersichtlichen Vielzahl an „Öko-Labels“ hat der natureplus-Trägerverein nun wichtige Neuerungen beschlossen.

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Ab 2013 müssen Hersteller und Anbieter von Bauprodukten eine ausführliche Leistungsbeschreibung ihrer Produkte veröffentlichen. Die Grundlage dafür ist die neue EU-Verordnung für die Vermarktung von Bauprodukten. Konkret müssen Bauprodukte mit CE-Kennzeichnung ab Juli 2013 über eine Stoffdeklaration verfügen, die besonders besorgniserregende Stoffe ausweist.

EU-Bauproduktenverordnung bietet nur Mindeststandards
Die neue Verordnung CPD No. 305/2011 wandelt das bisherige, umständliche Auskunftsrecht für Verbraucher in eine sofort verfügbare Pflichtangabe um. Zudem hat die EU-Kommission mit der Verordnung neue Befugnisse erhalten: Sie kann unter anderem Schwellenwerte für gefährliche Stoffe festlegen, die aus Bauprodukten in die Innenraumluft, Boden oder Gewässer entweichen können. Noch ist allerdings nicht klar, ob die Kommission diese Möglichkeit des Verbraucherschutzes wahrnimmt. Auch Angaben zu den Umweltauswirkungen über den gesamten Lebenszyklus eines Produkts, von der Gewinnung der Rohstoffe über die Produktion und den Gebrauch bis hin zur Demontage, Verwertung oder Deponierung werden gefordert.

Solche Ökobilanzen sind schon seit zehn Jahren Bestandteil der von unabhängigen Experten erarbeiteten natureplus-Prüfungen. Beim Umweltverband natureplus e.V., Herausgeber des natureplus-Qualitätszeichens, heißt es dazu: „Um das natureplus-Qualitätszeichen bekommen zu können, wird von den Produkten heute schon eine besondere Umweltleistung gefordert. Auch die Schadstoffgrenzwerte gehen weit über die gesetzlichen Anforderungen hinaus und bieten für Planer und Verbraucher eine Orientierung hinsichtlich nachhaltiger Produkte. Andererseits werden die erst 2013 geltenden Prüfungen nach der neuen EU-Verordnung durch natureplus bereits heute sehr gut abgedeckt.“

EPD ist kein Gütezeichen
Aufgenommen wurde in die neue EU-Verordnung auch der Hinweis auf die Umweltdeklaration (Environmental Produkt Declaration, EPD, nach EN ISO 14025) als Nachweis der Produkteigenschaften. Diese beinhaltet neben einer Ökobilanz zusätzlich Emissionsmessungen sowie weitere Produktinformationen. Das Ergebnis sind detaillierte Zahlenangaben zu Primärenergieeinsatz, Treibhauspotenzial, Ozonabbau und viele weitere Kriterien.

„Für Planer und Praktiker in der Wertschöpfungskette Bau bieten die Zahlenkolonnen allerdings nur wenig Erkenntnisgewinn“, so natureplus e.V. „Denn zum einen können diese Angaben nur wenige Spezialisten interpretieren. Viel wichtiger ist allerdings, dass weder eine Gewichtung der Ergebnisse von dritter Seite noch ein Vergleich mit anderen Produkten, geschweige denn mit wissenschaftlich begründeten Grenz- oder Empfehlungswerten, stattfindet. Eine Differenzierung zwischen Produkten mit einem ausgezeichneten, durchschnittlichen oder gar schlechten Umweltverhalten wird hier nicht vorgenommen. Die EPD soll eben kein Gütezeichen sein, sondern eine bewertungsneutrale Offenlage von Daten. Damit bietet die EPD allerdings keinerlei Orientierungshilfe für den Kunden.“

Vor diesem Hintergrund hat der Umweltverband natureplus e.V. seine Basiskriterien neu gefasst. Im hierarchisch aufgebauten System der natureplus-Vergaberichtlinien sind die Basiskriterien die Grundlage aller darauf aufbauenden, an spezielle Produktgruppen angepassten Vergaberichtlinien. Deren Anforderungen sollen „nach heutigem Erkenntnisstand das Optimum darstellen, wie ein nachhaltiges, umwelt- und gesundheitsverträgliches Bauprodukt beschaffen sein muss.“

Entsprechend darf der Anteil an erneuerbaren und/oder mineralischen Rohstoffen weiterhin nicht kleiner als 85 Prozent sein. Produkte, deren Funktion auf petrochemischen Substanzen beruht (etwa Hartschaum-Dämmstoffe), sind nicht zertifizierbar. Besonderen Wert legt der Verein auf die Förderung eines möglichst schadstoffarmen Innenraumklimas. Der Gehalt und die Emissionen z.B. von flüchtigen organischen Stoffen (VOC), Gerüchen, Radioaktivität und Staubpartikeln/-fasern sind eng reglementiert.

Angepasst wurde auch die Einbettung in den europäischen Rechtsrahmen: Die Basisrichtlinie nimmt Bezug auf die Bauproduktenverordnung sowie weitere europäische Gesetze und Regeln (u. a. das EU-Öko-Audit EMAS, die Chemikalienverordnung REACH sowie die europäische Regelung zu Umweltzeichen). Damit wurde die Vereinheitlichung der Erfassung und Darstellung von Daten und deren Übertragbarkeit in alle EU-Staaten laut natureplus deutlich verbessert.

Mehr Flexibilität
Neu ist auch die flexible Handhabung des „best practise“-Prinzips: Während früher durch die Regeln genau definiert wurde, welche Umweltvorteile mit dem ausgezeichneten Produkt verbunden sein müssen, kann nun der Hersteller, vor allem bei so genannten „Massenprodukten“, unter verschiedenen Möglichkeiten wählen, in denen sein Produkt ökologisch aus der Masse herausragt.

Neu aufgeteilt wurde auch die Liste der verbotenen Substanzen: Krebserregende, erbgutverändernde oder reproduktionstoxische Stoffe sowie eine Reihe giftiger Chemikalien aus einer allgemeinen Liste sind in von natureplus ausgezeichneten Produkten streng verboten. Substanzen, die im Verdacht stehen, solche Wirkungen zu haben, sensibilisierende Substanzen und als umweltschädlich klassifizierte Stoffe sind zwar im Normalfall ebenso verboten, können aber unter bestimmten Bedingungen und bei Einhaltung strenger Auflagen in geringen Mengen auch toleriert werden, vor allem bei Produkten im Außenbereich.
Zusätzlich in der Basisrichtlinie enthalten sind nun Anforderungen an synthetische Nanomaterialien. Auch hier gilt das Vorsorgeprinzip: Der erhöhte Umweltnutzen durch den Einsatz von Nanomaterialien ist vom Hersteller ebenso aufzuführen wie eine Risikobeurteilung und eine Deklaration der Einsatzstoffe.

Synergien bei EPD´s
Für Unternehmen, die ihre Bauprodukte nach den natureplus-Kriterien prüfen lassen, erwägt der Verein in Zusammenarbeit mit den akkreditierten Prüfinstituten, in Zukunft auch Umweltdeklarationen (EPD) zu erstellen. Damit könnten diese Unternehmen die EU-Verordnung bereits heute völlig erfüllen und auch in vielen Datenbanken gelistet werden, die für Gebäude-Ökobilanzen nach dem LEED- oder DGNB-Standard von Bedeutung sind. „Durch die gegenüber dem natureplus-Qualitätszeichen ähnliche Datenbasis und Art der Datenerhebung verringert sich der Zeit- und Kostenaufwand für die Hersteller enorm und bietet die Möglichkeit, Synergien zu nutzen“, so natureplus.

Weitere Informationen
Die neue natureplus-Basisrichtlinie RL0000 ist im Internet unter www.natureplus.org als Download erhältlich.

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