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Neue Potenziale für ungewöhnliche Materialien

Nachhaltiges Produktdesign und einen Hauch Exotik verbindet die neue Ausstellung „Design for a Living World“ im Cooper-Hewitt Design Museum in New York. Zehn international bekannte Designer waren von den Kuratoren gebeten worden, sich mit ungewöhnlichen Naturmaterialien und den Orten, von denen sie stammen, auseinanderzusetzen.

Design for a Living World, Cooper-Hewitt Design Museum, New York
Abbott Miller
Design for a Living World, Cooper-Hewitt Design Museum, New York
Hella Jongerius
Design for a Living World, Cooper-Hewitt Design Museum, New York
Maya Lin
Design for a Living World, Cooper-Hewitt Design Museum, New York
Ezri Tarazi

Schafwolle und Perlen, Fischhäute und FSC-zertifiziertes Zedernholz sind nur einige der Rohmaterialien, die im Mittelpunkt der Ausstellung „Design for a Living World“ stehen. Das Ausstellungskonzept, das die Kuratoren Ellen Lupton und Abbott Miller gemeinsam mit dem Cooper-Hewitt und der Umweltschutzorganisation The Nature Conservancy entwickelten, bringt 10 Entwerfer, 10 Materialien und 10 Orte zusammen. Und diese mitunter exotischen Paarungen bilden auch dessen eigentlichen Reiz: Die niederländische Designerin Hella Jongerius etwa reiste ins mexikanische Yucatán, um mit „Chicle“-Latex zu experimentieren. Der zähflüssige Saft des Gummibaums, sonst als Rohstoff für die Kaugummiproduktion verwendet, diente ihr als „Klebstoff“ für die Herstellung turmartiger Keramikskulpturen. Maya Lin, die Architektin des Vietnam Memorial in Washington, schuf eine Sitzbank aus FSC-zertifiziertem Holz, das aus dem US-Bundesstaat Maine stammt. Der Modedesigner Isaac Mizrahi entwarf ein Kleid, das aus Lachshäuten von der Halbinsel Alaska besteht. Und der Industriedesigner Ezri Tarazi kreierte eine ganze Serie von Garderobenständern und anderen Aufbewahrungsmöbeln aus Bambus, der in der chinesischen Provinz Yunnan angebaut wird. Besonders materialintensiv ist der Entwurf der niederländischen Nachwuchsdesignerin Christien Meindertsma: Ihr Wollteppich ist aus sechseckigen Modulen aufgebaut, von denen jedes dreieinhalb Pfund Wolle – die „Ernte“ eines ganzen Schafs – aus dem US-Staat Idaho beanspruchte.

„?Design for a Living World? fordert uns heraus, über die Produkte nachzudenken, die wir verwenden – wo sie herkommen, wie sie hergestellt werden und welche Auswirkungen sie auf die Umwelt und auf lokale Gemeinschaften haben“, sagt Mark Tercek, der Präsident der Nature Conservancy. Museumsdirektor Paul Warwick Thompson fügt hinzu: „Die Ausstellung bietet einen fesselnden Einblick in den Lebenszyklus von Materialien.“

Die Einbindung der Menschen vor Ort war denn auch ein wichtiger Bestandteil der Ausstellungskonzeption: Yves Béhar entwickelte ein Werkzeug für die Kakaoverarbeitung, das nun von einer Frauenkooperative in Costa Rica genutzt werden kann. Stephen Burks entwarf eine neue Verpackung für Naturkosmetika, wie sie von den Ureinwohnern Westaustraliens hergestellt werden. Und auch in den meisten übrigen Fällen bieten die Objekte – zumindest potenziell – örtlichen Landwirten und Fischern die Möglichkeit, ihre Erzeugnisse oder deren Abfallstoffe gewinnbringend zu verwerten.

“Design for a Living World“ konfrontiert den Ausstellungsbesucher nicht nur mit den „fertigen“ Entwürfen, sondern macht deren Genese sichtbar. Zu jedem Objekt wurde ein Video gedreht, das deren Entstehungsprozess dokumentiert – inklusive des Kampfes, den einige Designer mit den widerspenstigen Materialien auszufechten haben. Auch zahlreiche vorläufige Entwurfsskizzen lassen ahnen, wie sich die Gestalter der ihnen anvertrauten Aufgabe annäherten.

Selbst das Ausstellungsdesign von Abbott Miller folgt dem Anspruch der Veranstalter an Nachhaltigkeit: Statt Stellwänden aus Gipskarton verwendete Miller offene Staffeleien aus FSC-zertifiziertem Holz, die weniger Material verbrauchen. Die großformatigen Bildtafeln der Fotojournalistin Ami Vitale, die die jeweiligen Herkunftsgebiete der Materialien zeigen, wurden nicht wie sonst üblich auf Papier gedruckt und dann auf Kunststofftafeln aufgezogen, sondern im Dye-Sublimation-Printing direkt auf Aluminiumpaneele aufgetragen. Diese sind rezyklierbar und außerdem langlebiger – ein wichtiger Aspekt, zumal die Ausstellung später auf Wanderschaft gehen soll.

„Design for a Living World“ ist noch bis zum 4. Januar 2010 im Cooper-Hewitt Design Museum in der 2 East 91st Street in New York zu sehen.

zur Website des Cooper-Hewitt Museums

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