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Neue Stoffe – New Stuff. Gestalten mit Technischen Textilien

Im Textilmuseum St. Gallen dreht sich momentan alles um »Neue Stoffe«. Jenseits von Mode und Innenausstattung eröffnet sich das weite Feld der Technischen Textilien und Smart Textiles mit ihren vielfältigen Einsatzmöglichkeiten. Die Ausstellung unterläuft dabei die gewohnten Sichtweisen auf Textilien, denn selbst bekannte textile Techniken und Materialien treten – zumindest für die meisten Laien – in ungewohnten Anwendungsbereichen und Kombinationen auf. Verwendung finden sie in Medizin und Wellness, im Fahrzeugbau, in der Architektur oder der Energiegewinnung.

Für Michael Fehr, den Kurator der Ausstellung, lässt sich die Bedeutung der neuen Textilien leicht erklären, vereinen sie doch Qualitäten in sich, die heute gefragter sind als je zuvor: Sie sind im Vergleich zu anderen Materialien leicht, fest, sehr flexibel und vielseitig bearbeitbar. Das Anwendungsspektrum der gezeigten Exponate reicht von leichten Autokarosserien über Fassadenverkleidungen bis zu winzigen Filtern in Handys. In Zeiten knapper und teurer werdender natürlicher Ressourcen wird es immer wichtiger, den Materialeinsatz zu reduzieren – und dazu tragen Textilien und faserbasierte Werkstoffe ihren Teil bei. Besonderes Augenmerk legt die Forschung auf Anwendungen, mit denen Nachteile herkömmlicher Werkstoffe und Techniken überwunden werden können.

Neue Aufgaben für neue Stoffe
Die Anwendungsmöglichkeiten für textile Werkstoffe sind breit gestreut, die Ausstellung konzentriert sich auf jene Bereiche, die im Alltag besonders wichtig sind – Medizin, Mobilität, Sicherheit und Architektur. Nach einem geschichtlichen Rückblick auf Funktionstextilien – wie beispielsweise einem Schwarzzelt der westtürkischen Yörük Nomaden, das durch eine simple, aber ausgeklügelte Herstellungstechnik das Klima im Innenraum reguliert – gibt ein ausführliches Materialarchiv Einblick in die Vielfalt textiler Fasern und Techniken. Knapp 200 Musterstücke stehen zur Verfügung und können begutachtet werden. Ergänzt werden sie durch Proben von Fasern und Rohmaterialien. Informiert wird über Eigenschaften und Verwendungsmöglichkeiten der Stoffe. Dieser Abschnitt der Ausstellung entstand in enger Kooperation mit dem Verein Material-Archiv und der kunsthochschule weißensee Berlin.

Neben Anwendungen aus den Bereichen Mobilität und Medizin nimmt auch die Architektur einen Teil der Ausstellung ein. Ein im wahrsten Sinne des Wortes leuchtendes Beispiel für die Verwendung textiler Werkstoffe ist eine Wand aus Lichtbeton. Weiterhin werden Schwimmtextilen gezeigt, die sich für Bepflanzung eignen oder Geotextilien zur Bewehrung von Dämmen. Dass die Technischen Textilien auch auf Kreative großen Reiz ausüben, beweist der Schluss der Ausstellung, die neben der LED Kollektion von Akris mit »stone web« und »stone fall« auch gestalterische Arbeiten, die ebenfalls an der weißensee kunsthochschule Berlin entstanden sind, präsentiert.

Ausstellungskonzept aus Textilbeton
Die Präsentation der Ausstellung selbst passt ebenfalls zum Thema. Das deutsch-mexikanische Architekturstudio Zeller & Moye macht das Thema bereits in der Ausstellungsarchitektur durch die Verwendung von Textilbeton erleb- und sichtbar. Christoph Zeller und Ingrid Moye schufen aus dem Industrieprodukt schlanke, aber stabile Ausstellungsmöbel, die durch ihre Form das Textilthema weiterhin verdeutlichen. Laut Michaela Reichel, der Direktorin des Hauses, war es eine ungeheuer spannende Aufgabe, diese für das Textilmuseum ungewohnte, hochtechnische Welt zu erobern, denn »wir mussten völlig umdenken und den Begriff »Textilien« in seiner Gesamtheit begreifen«. Es dauert eine Weile bis man verinnerlicht, dass auch ein Maschenzaun aus Metall aufgrund der Herstellungstechnik ein Textil ist.

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