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NürnbergMesse

Neuer Eingang und Konferenzsaal für Nürnberger Messe

Das 250 Meter lange Lamellendach löst mehrere Aufgaben: Es ordnet die verschiedenen Bauteile der Messe, gibt ihr eine eindeutige Adresse, verbindet Innen- und Außenräume und definiert ein »urbanes Foyer«.

Architekt: kadawittfeldarchitektur, Aachen
Ort: NürnbergMesse, Messezentrum 1, D-90471 Nürnberg

Auf dem Messegelände in Nürnberg fehlten in der Vergangenheit Kapazitäten, um große Konferenzen durchzuführen. In der geplanten Erweiterung sollte jedoch nicht einfach ein weiterer additiver Baustein hinzugefügt werden, wie es seit den 1960er Jahren immer wieder geschehen war. Weiteres Manko: Der Eingang »Mitte« der NürnbergMesse wurde seiner Rolle als Haupteingang bislang nicht gerecht: Von außen schwer ablesbar, führte der niedrige Eingangsraum in eine unübersichtliche Gebäudestruktur.

Die Verbindung eines neuen, markanten Eingangs mit dem neuen Konferenzraum »Saal Brüssel« für 1.000 Personen erzeugt nun eine erkennbare Struktur und bildet zugleich ein Wahrzeichen. Das von weitem sichtbare Lamellendach schafft es, die verschiedenen Außen- und Innenräume zu vereinigen. Es erstreckt sich von der Zufahrt über den Vorplatz, den Eingang, das Hauptfoyer bis in den Messepark.

Wie ein großes, horizontales Segel schwebt es in 17 Metern Höhe über Vorplatz und Eingangsbereich und bündelt in einer wettergeschützten Loggia die verschiedenen Besucherströme von Parkplatz, U-Bahnstation, Taxivorfahrt und Bushaltestelle. Das Lamellendach führt den Besucher zum Eingang »Mitte«. Seine Membrankissen überdecken auch die zentrale Eingangshalle, die sich hinter der Glasfassade öffnet.

12 Schleuderbetonsäulen heben das 1.500 Tonnen schwere und insgesamt 12.500 m² große neue Dach. Die vertikalen Aluminiumlamellen sind an zwei Stahlfachwerkträgern mit Hohlkastenprofilen befestigt. Die vier Meter breiten Zwischenräume der Dachkonstruktion werden  von lichtdurchlässigen und leichten EFTE-Luftkissen überspannt, die im Bereich der Eingangshalle mit einem Punktraster bedruckt wurden. In Richtung Dachspitze auf dem Vorplatz verkippen die vertikalen Aluminumlamellen immer mehr in die Horizontale und verjüngen sich stetig, so dass sie schließlich auf Null auslaufen.

Die unter dem Lamellendach entstehende Loggia empfängt alle Besucher und leitet sie wettergeschützt zum Haupteingang. Die beiden flankierenden, hexagonalen Verwaltungsgebäude aus den 1970er-Jahren fügen sich nach einer gründlichen Fassadensanierung in das moderne Ensemble ein. Im Inneren können von der lichtdurchfluteten zentralen Eingangshalle aus die unterschiedlichen Messehallen, Kongressbereiche und der Messepark erschlossen werden.

Wie eine kantige Großskulptur schiebt sich der Saal »Brüssel« in den Innenraum der Eingangshalle. In seiner expressiven Formensprache – schräge Flächen und Kanten – klingen die Muster der sechseckigen Bestandsgebäude noch leise an. Ein umlaufendes Band aus anthrazitfarben getönten Fenstern und ebenso emailliertem Glas ergänzt die stringente Schwarzweiß-Optik des Baukörpers. Die großzügige Freitreppe aus weißen Terrazzo-Fliesen begleitet die Besucher in das offene, rund 540 m² große Foyer im Obergeschoss, das komfortabel an den bestehenden Kongressbereich anbindet.

Den Innenraum prägen weiche Materialien mit hoher haptischer Qualität. Rund tausend Kongressteilnehmer finden im Saal »Brüssel« Platz. Durch raumhohe Fensterflächen können sie in den Messepark und in die Eingangshalle blicken. Textilpaneele aus maigrünem Stoff kleiden den sieben Meter hohen Raum aus und verteilen ihr Schnittmuster aus unregelmäßig großen Dreiecken wie ein flächendeckendes Puzzle über die Wände und Decken. Mit moderner Technik ausgerüstet, kann der Saal in Kongresspausen durch große Türen auf die vorgelagerte Galerie geöffnet werden. Von dort oben fällt der Blick über die gesamte Eingangshalle bis nach draußen ins Grüne, zum Park und zum zentralen Vorplatz der NürnbergMesse.

Bauherr: NürnbergMesse GmbH
Wettbewerb: 2007 (1. Preis kadawittfeldarchitektur)
Realisierung: 2008-2010
Bauvolumen: BGF 10.300 m², BRI 102.300 m³

 

Weitere Fotos in der Bildergalerie

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Wohnen im ländlichen Raum, DETAIL 9/2019

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