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Neues Leben für New Orleans

Wohl noch keine Naturkatastrophe hat so viele Architekten zu freiwilligen Wiederaufbauhelfern werden lassen wie der Hurrikan Katrina. Die Ergebnisse ihrer Bemühungen sind schon seit längerer Zeit vor Ort zu sehen – so auch das „Special No. 9 House“, das KieranTimberlake für den Lower Ninth Ward entwarfen.

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Foto: KieranTimberlake

Schon wenige Wochen, nachdem Katrina halb New Orleans unter Wasser setzte, ging unter großem Presseecho die von Brad Pitt gegründete Hilfsorganisation „Make It Right“ an den Start. Ihr Ziel: den Lower Ninth Ward, eines der ärmsten und am stärksten von den Überflutungen betroffenen Viertel, schöner, wirbelsturmsicherer und in jeder Hinsicht nachhaltiger wieder aufzubauen. Über 25 namhafte Architekten, darunter David Adjaye, Shigeru Ban, GRAFT, Morphosis oder MVRDV, folgten dem Ruf des Schauspielers und lieferten Entwürfe für Einfamilien- und Doppelhäuser.

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Zeichnung: KieranTimberlake

Das „Special No. 9 House“ von KieranTimberlake ist ein Prototyp für die individuelle Massenfertigung energieeffizienter und zugleich wesentlich stabilerer Wohnhäuser, als sie bislang in den USA üblich waren. Obgleich das erste Haus dieses Typs in New Orleans noch mit traditionellen Baumethoden erstellt wurde, sollen die Nachfolgemodelle bereits weitgehend im Werk vorgefertigt werden. Die Folge wären bessere Qualitätskontrolle, weniger Verschnitt und damit geringere Abfallmengen in der Bauphase.

 

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Zeichnung: KieranTimberlake
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Foto: KieranTimberlake

Während im Osten und Westen Schiebeläden und ein größerer Dachüberstand vor der tiefstehenden Sonne schützen, erhielt das Haus entlang der Längsfassade im Süden eine „brise-soleil“ aus Schatten spendenden Lamellen, die überdies im Laufe der Zeit von Pflanzen überwachsen werden sollen. Zur sommerlichen Kühlung greifen die Architekten so weit als möglich auf passive Strategien zurück: Im Süden und Norden sind öffenbare Fenster in unterschiedlichen Höhen angebracht, die Luft in die Räume lassen. Die Entlüftungsöffnungen befinden sich in der bis zu 3,30 Meter hohen Decke.

Im Erdgeschoss des Hauses ist eine 2.300 Liter Wasser fassende Regenwasserzisterne integriert, die – so eine Berechnung der Architekten – bei einem durchschnittlichen Regenfall etwa zwei Drittel des auf die Dachflächen auftreffenden Regenwassers speichern kann. Dieses wird anschließend zur Gartenbewässerung verwendet. Zwar erlauben die Bauvorschriften im Bundesstaat Louisiana derzeit noch keine Regenwassernutzung im Gebäude selbst, doch die Sanitärinstallationen sind bereits darauf ausgelegt, zu einem späteren Zeitpunkt auch die Toilettenspülung mit Regenwasser betreiben zu können.

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Foto: KieranTimberlake

Ganz ohne mechanische Beheizung und Kühlung kommt auch das „Special No. 9 House“ nicht aus. Doch den Berechnungen der Architekten zufolge verbraucht es insgesamt 65% weniger Energie als Neubauten, die in der Region derzeit üblich sind. Ebenfalls ganz auf Effizienz getrimmt war der Bauprozess: Obwohl der erste, in New Orleans errichtete Prototyp des Hauses noch komplett vor Ort errichtet wurde, erhielt der Holzlieferant eine genaue Stückliste und lieferte die Holzquerschnitte bereits auf Maß zugeschnitten auf die Baustelle. Das Resultat war eine deutlich geringere Abfallmenge als sonst auf US-amerikanischen Baustellen üblich.

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