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Foto: Ann-Kathrin Eberhard

Night Fever: Ausstellung im Vitra Design Museum

Das Phänomen Disco begann in den 1960er-Jahren, um mit gesellschaftlichen Normen zu brechen und eine ganz eigene Realität zu schaffen. Clubs waren damals wie heute ein Weg für Künstler, ihre gestalterischen Ideen auszuleben und neue Dimensionen zu erkunden.
Die Ausstellung in Weil am Rhein zeigt die chronologische Entwicklung von Nachtclubs, die in Italien mit den Vertretern des Radical Design beginnt und mit den neuesten Entwürfen und Entwicklungen, wie zum Beispiel der mobilen DJ-Kanzel Mothership, abschließt. Aufgeteilt ist das Museum dabei in vier Bereiche.

Man betritt die Ausstellung durch einen zickzack-förmigen, pink beleuchteten Gang, der einem der 60er-Jahre Clubs nachempfunden wurde. Der erste Raum befasst sich mit dem Nachtclub als neues Raumkonzept und als Gegenentwurf zu dem eher konservativen Establishment. Auf Podesten werden Möbel präsentiert, die speziell für einen bestimmten Innenraum entworfen wurden, zum Beispiel der Drehstuhl Module 400 von Roger Talon, der sich mit seinem quadratischen Fuß perfekt in die Bodenfliesen eines Pariser Nachtclubs integrieren ließ.

In Glaskästen und an den Wänden befinden sich Flyer, Pläne und Fotos des Innenlebens der Clubs, vor allem aus Italien, wo die Discobewegung in den 60ern besonders auflebte.
 Die meisten Wände der Ausstellung sind dunkel gehalten, wie es in Bars und Clubs oft der Fall ist – und nur Neonleuchtschriften oder ein farbiges Wandelement setzen Akzente, genauso wie das teils sehr farbenfrohe Material.

Im zweiten Teil der Ausstellung befindet sich eine interaktive Kunstinstallation von Konstantin Grcic, dem Ausstellungsarchitekten, und von Lichtdesigner Matthias Singer, die einen Überblick über die Richtungen der Clubmusik schafft und diese mit perfekt getakteten Lichteffekten untermalt. Die Plattencover an den Wänden vermitteln einen Eindruck, wie Musik und Grafik zu einer eindrücklichen Ästhetik zusammenfinden. Man kann selbst in die Installation eintauchen, Kopfhörer aufsetzen und mit der Musik und dem Licht das Gefühl heraufbeschwören als wäre man auf einer wilden Party.

Der größte Raum setzt sich mit den 70er-Jahren auseinander, in denen Clubs bereits etabliert im Nachtleben der Städte waren und eine hohe Popularität genossen. Häufig wurden Discos in alten Theatern oder Kinos eingerichtet und schufen eine Plattform für Designer wie Vivienne Westwood oder Künstler wie Keith Haring. Den Höhepunkt der Discowelle bildet der Film Saturday Night Fever von 1977 mit John Travolta, von dem man sich Tanzszenen in der Ausstellung ansehen kann. Der Film löste eine Gegenbewegung aus. Die sogenannte Disco Demolition Night, bei der Disco-Platten als radikale Anti-Haltung zum Explodieren gebracht wurden. Eine Aufnahme davon ist gegenüber platziert und lässt beide in einer Art ewigem Kampf gegeneinander antreten. Des Weiteren werden Kleidungsstücke und die verschiedensten, zum Teil sehr ungewöhnlichen Party-Einladungen ausgestellt.


Der letzte Teil im oberen Stockwerk des Museums zeigt von den 90ern bis heute die aktuellen Entwicklungen der Diskotheken. Immer mehr aus den Städten verdrängt, müssen sie flexibler und mobiler werden. Sowohl etablierte als auch junge Architekten setzen sich mit dem Club als Bau-Genre auseinander und schaffen neue Ansätze. Das rangiert von Festival-Architektur über mobile Soundsysteme zu Pop-Up-Clubs.

Auch berühmte Architekturbüros wie OMA haben sich mit dem Thema beschäftigt: Sie machten 2015 einen Vorschlag für einen der weltweit berühmtesten Clubs: das Ministry of Sound in London.
Eines ist auf jeden Fall sicher: Discos gehören zur Kultur jeder Stadt und haben auch heute nichts von ihrer Faszination eingebüßt.

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