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Detail Stipendium, Niklas Heiss, TU Wien

Niklas Heiss – SEMINAR GESTALTUNGSLEHRE

Als Tutor am Institut für Gestaltungslehre und Entwerfen an der Technischen Universität Wien arbeitete ich gemeinsam mit Inge Andritz und Albert Kirchengast an der Vorbereitung, Ausführung und Betreuung des Seminars Gestaltungslehre. Im Sommersemester 2018 fügten die Studierenden Modellbauten der Wiener Architekturgeschichte zu einem neuen Ensemble. Zwölf Häuser der Architekten Gottfried Semper, Teophil Hansen, Otto Wagner, Max Fabiani, Josef Plecnik, Ernst Epstein, Roland Rainer, Oswald Haerdtl und David Chipperfield bildeten die Forschungsgrundlage des Seminars. In drei Schritten wurden die einzelnen Häuser analysiert – als Modell simuliert und anschließend interpretiert –, in einem vorgegebenen Städtebau diskutiert sowie abschließend modifiziert und im neuen Kontext verfeinert.

Die gewählten Bauten zeichnen sich durch ihre individuelle Tektonik aus. Sie bilden einmalige Räume, die für einen spezifischen Ort entwickelt wurden. Die zugrundeliegende Zusammensetzung der einzelnen Fassaden wurde im Zuge des Seminars beleuchtet und studiert. Tiefe, Relief, Oberfläche, Öffnung, Gliederung und Proportion, Dach und Sockel, Kontext und Geschichte waren Aspekte, auf die dabei besonderer Wert gelegt wurde. Im Gespräch mit den Studierenden wurde die gewünschte Abstraktion und Materialität der zu bauenden Modelle fixiert. Jede Fassade bildete dabei eine individuelle Herausforderung: Einerseits sollten die Bauteile angemessen dargestellt werden, andererseits mussten die Modelle in einem Gesamtkontext gedacht werden, um eine zu kontrastreiche Durchmischung von Materialien zu verhindern. Die Arbeit mit maximal drei Oberflächen – Graupappe in zwei Stärken und eine modifizierte Variante des Kartons – erwies sich als hilfreiche Vorgabe für die Entwicklung eines homogenen Großmodells.

Anhand von Mustern, Beispielen und einem Exemplar im Maßstab 1:50 wurde die Darstellung der Fassaden bestimmt. Der Materialkatalog umfasste gewachste, geölte, gefärbte, bedruckte, acetonierte und pigmentierte Oberflächen wie rustiziertes und verputztes Mauerwerk, flache und plastische Ornamente, reflektierende und absorbierende Oberflächen oder Sprossenfenstern und Schaufensterfassaden, die mit den zu abstrahierenden Bauteilen abgeglichen werden konnten. Zudem präsentierten wir Detaillösungen für Gebäudeecken und Öffnungen, Konstruktionsweisen für Hinter- bzw. Unterbauten von Modellen sowie verschiedene Techniken des Schichtens und Schneidens von Graukarton.

Der städtebaulichen Konfiguration der vorgegebenen Bauwerke ging eine genaue Vorstudie voraus. Die zwölf Fassaden sollten einen Schauplatz bilden, der einer bestehenden städtischen Situation in Wien entspricht. Zugleich mussten die Modelle so gestellt werden, dass jedes Gebäude frontal und perspektivisch fotografisch aufgenommen werden konnte. Gemeinsam mit Inge Andritz simulierte ich einen idealisierten Lageplan, der die Kontur, Tiefe und Position der einzelnen Gebäudeteile bestimmte: Die Fassaden umschließen einen zentralen Platz, wobei sich jeweils vier Fassaden an den Längsseiten und zwei Fassaden an den Schmalseiten gegenüberstehen. Den zu fotografierenden Ausschnitten des Ensembles näherten wir uns über Simulationen am Arbeitsmodell. Die Aufnahmen wurden als weitere Arbeitsgrundlage an die Studierenden weitergeleitet. Mein Anspruch an die Bilder war es, die einzelnen Fassaden möglichst sachlich abzubilden. Der Fokus lag auf der Architektur der Baukörper, auf der Beleuchtung der einzelnen Bauteile und einem klar lesbarer Kontext.

Die Arbeit an der Planung und Umsetzung des Architekturmodells, die Gespräche mit den Studierenden und die fotografische Aufnahme des gebauten Modells verlangte nach einer vertieften Auseinandersetzung mit dem städtischem Raum. Die gewählten Bauten kommunizieren miteinander, sie sprechen eine ähnliche Sprache und bedienen sich eines bestimmten Repertoires an architektonischen Elementen, das ortsspezifisch gedacht und ausformuliert wurde. Die Vielseitigkeit dieser einfach erscheinenden Thematik führte zu einer verstärkten Faszination für die Rolle der Fassade in der Stadt.

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