You are using an outdated browser. Please upgrade your browser to improve your experience.

print article Artikel drucken

Omnipräsenter Werkstoff: Deutscher Holzbaupreis verliehen

Materialgerechtigkeit hin, naturnahe Ästhetik her – Holzbauten müssen beileibe nicht immer «hölzern» daher kommen. Das beweisen die Preisträger des diesjährigen Deutschen Holzbaupreises, der am 12. Mai 2015 anlässlich der Messe LIGNA in Hannover verliehen wurde.

Insgesamt drei Preise und fünf Anerkennungen vergab die dreizehnköpfige Jury des Deutschen Holzbaupreises unter dem Vorsitz der Architekten Sabine Djahanschah (Deutsche Bundesstiftung Umwelt). Die ausgezeichneten Objekte könnten unterschiedlicher nicht sein; sie belegen, dass Holz als tragender Baustoff mit Ausnahme des Hochhausbaus heute bereits in fast allen Typologien und Anwendungsbereichen zu Hause ist.

Evangelisches Gemeindezentrum in Köln von Sauerbruh Hutton Architects, Fassade
Evangelisches Gemeindezentrum in Köln von Sauerbruh Hutton Architects, Berlin, Foto: Jakob Schoof

Nicht immer geben die Bauten gleich zu erkennen, dass – und wo – in ihnen überhaupt nennenswerte Mengen an Holz verbaut wurden. Am ehesten ist dies noch bei dem Evangelischen Gemeindezentrum von Sauerbruch Hutton der Fall, einem für die Berliner Architekten eher untypischen Bau: Statt mit farbigen Fassadenverkleidungen operierten sie hier mit einer Diagonalschalung aus Holz. Im Inneren des Kirchenschiffs bleibt die Rippenstruktur des Tragwerks aus Furnierschichtholz unverkleidet und strukturiert den Raum auf äußerst wirkungsvolle Weise.

Die Jury urteilte: »Holz, wohin man schaut, weiß gewachst, schmucklos – aber als Vorbereitung der Sinne auf die in ihrer Farbigkeit eher gedämpfte Stirnwand des Kirchenraumes außerordentlich wirkungsvoll. Das vom Himmel fallende Licht über dem Altar überhöht die vorwiegend erdfarben lackierten Holzstäbe, die die Orgel verbergen.«

Evangelisches Gemeindezentrum in Köln von Sauerbruh Hutton Architects, Innenraum
Evangelisches Gemeindezentrum in Köln von Sauerbruh Hutton Architects, Berlin, Foto: Jakob Schoof

Holzbau erst auf den zweiten Blick
Dem Multifunktionsgebäude »C13« in Berlin als zweitem Preisträger bescheinigt die Jury hingegen, »für den Holzbau in der Stadt – und insbesondere im steinernen Berlin – Neuland zu betreten und dabei gleichzeitig Normalität herzustellen«. Der Neubau von Kaden und Partner vereint auf sieben Geschossen ein Familien-, Bildungs- und Gesundheitszentrum sowie Miet- und Eigentumswohnungen. Seine vielgliedrige Form ist nicht zuletzt der diffizilen, für Berlin typischen Baulückensituation mit ihrer eingeschränkten Flächen- und Tageslichtverfügbarkeit geschuldet. Weiter urteilt die Jury: »Die Architekten meistern die brandschutztechnischen Hürden der Gebäudeklasse 5, nutzen gekonnt Hybriddecken mit Holzuntersicht sowie massive Brettsperrholzwände für die Gebäudeaussteifung und erwirtschaften Vorteile durch Vorfertigung und kurze Bauzeiten.«

Multifunktionsgebäude »C13« in Berlin von Kaden und Partner Architekten
Multifunktionsgebäude »C13« in Berlin von Kaden und Partner Architekten, Berlin, Foto: Bernd Borchardt

Eher als klassischer Mauerwerksbau tritt dagegen das Kultur- und Kongressforum in Altötting von Florian Nagler in Erscheinung – und fügt sich gerade dadurch überaus subtil in die Altstadt des oberbayerischen Wallfahrtsorts ein. Hier überzeugte die Jury vor allem das silbern lasierte Holztragwerk des großen, steilen Satteldaches. Innen bleibt der Dachraum bis hinauf zum First offen, außen ist das Dach – ein Unikum in seinem Umfeld - mit insgesamt 155.000 Holzschindeln belegt.

Kultur + Kongress Forum in Altötting von Florian Nagler Architekten
Kultur + Kongress Forum in Altötting von Florian Nagler Architekten, München, Foto: Stefan Müller-Naumann

Nochmals größer ist die Vielfalt bei den fünf Projekten mit Anerkennungen. Darunter sind unter anderem das siebengeschossige, ebenfalls von Florian Nagler geplantes Büro- und Ausstellungsgebäude eines Herstellers von Holzfertighäusern, der Umbau eines Bauernhauses (frank und probst architekten, München) sowie die energetische Sanierung und Aufstockung eines Nachkriegsbaus in der Aachener Innenstadt zur Stadtvilla (Prof. Klaus Klever, Aachen).

Der Deutsche Holzbaupreis 2015 wurde von Holzbau Deutschland in Zusammenarbeit mit der Deutschen Bundesstiftung Umwelt, der Messe LIGNA 2015, den Niedersächsischen Landesforsten, dem Gesamtverband Deutscher Holzhandel, dem Verband der Deutschen Holzwerkstoffindustrie, dem Deutschen Holzfertigbau-Verband, der Studiengemeinschaft Holzleimbau und dem Informationsverein Holz ausgelobt. Eine Dokumentation des Deutschen Holzbaupreises 2015 ist als PDF-Datei kostenlos beim Informationsdienst Holz erhältlich.

Stichworte:
Aktuelles Heft
DETAIL 12/2017
Architektur und Landschaft, DETAIL 12/2017

Architektur und Landschaft

Zum Heft
Shop-Empfehlung
Anzeige