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Optimaler Lern- und Lebensort

Foto: Jens Kirchner, Düsseldorf

»Qualität für Menschen« – nach diesem Motto setzt der Landschaftsverband Rheinland als Schulträger Projekte für Kinder und Jugendliche um. So auch die im letzten Jahr mit dem »Schulbaupreis Nordrhein-Westfalen 2008« ausgezeichnete Rheinische Förderschule für körperliche und motorische Entwicklung in Euskirchen. Geplant wurde sie vom Architektur- und Stadtplanungsbüro 3 pass aus Köln. Die Architektinnen und Architekten legten dabei besonderen Wert auf die speziellen Anforderungen der Nutzer sowie auf die örtlichen und regionalen Gegebenheiten.

Die Rheinische Förderschule Euskirchen ist eine Ganztagsschule für körperbehinderte Kinder und Jugendliche. Die Schülerinnen und Schüler erfahren dort eine ganzheitliche Förderung, die Sonderpädagogik, Therapie und Pflege umfasst. Um die individuellen Fähigkeiten jedes Kinds optimal zu fördern und zu unterstützen, müssen solche Förderschulen vielfältig ausgestattet sein. Neben den Klassenzimmern mit angeschlossenen Gruppenräumen, Pflege- und WC-Einheiten sowie der Verwaltung im Bestandsgebäude verfügt die Schule über eine Turn- und eine Schwimmhalle. Dazu kommen eine Schülerbücherei, Stellflächen für Rollstühle, Arztzimmer, Küchen, ein Speiseraum, verschiedene Fachräume für Naturwissenschaften, Hauswirtschaft und Werken sowie Therapieräume. Ein umfassendes Raumprogramm also, das weit über die Ausstattung einer »normalen« Grund- oder Hauptschule hinausgeht. Die Turn- und die Schwimmhalle werden nach Schulschluss zudem externen Nutzern wie z.B. Behindertensportgruppen zur Verfügung gestellt.

Für die Architekten bestand die Aufgabe darin, ein Schulgebäude zu konzipieren, das den Schülern als Lern- und Lebensort optimal dient. Dabei spielt für die körperbehinderten Kinder das sich »Geborgen- und Wohlfühlen« im Gebäude und auf dem Außengelände eine entscheidende Rolle. Da es sich bei dem Projekt um die Erweiterung einer bereits bestehenden Schule handelt, war zudem ein neues Erschließungskonzept sowie die architektonische Verknüpfung mit dem Bestand zu entwickeln. Für den Erweiterungsbau stand ein Grundstück östlich des bestehenden Gebäudes zur Verfügung. Da die beiden Grundstücke durch eine öffentliche Straße getrennt waren, musste die Straße inklusive vorhandener Kanäle und Leitungen verlegt werden. In einer weichen Kurve umfährt sie das gesamte Schulgrundstück nun an der Ostseite, wohingegen die interne Erschließung des Komplexes über eine sackgassenartige Vorfahrt mit Wendemöglichkeit ermöglicht wird. Aufgrund der erforderlichen Ebenerdigkeit wurde die Höhenlage des alten EG für den gesamten Erweiterungsbau übernommen.

Foto: Jens Kirchner, Düsseldorf

Im südlichen Grundstücksteil musste das abfallende Gelände dafür aufgeschüttet werden. Anstelle der ehemaligen Vorfahrt gibt es nun eine lichtdurchflutete Paserelle, die den Altbau mit dem Neubau verbindet. Das gesamte Erdgeschoss kann von hieraus ebenerdig und behindertengerecht erreicht werden. Der großzügig und hell gestaltete Verbindungsbau lädt zum Verweilen ein und bietet die Möglichkeit, Arbeiten von Schülern auszustellen. An die Paserelle schließt sich im Süden der bogenförmige Erweiterungsbau mit den Klassenräumen an. Gemeinsam mit dem Altbau umschließt er den neuen Schulhof, der als verbindendes Element für die Schüler der alten und der neuen Schule einen Mittelpunkt definiert. Der Förderung der motorischen Entwicklung der Schüler kommt der dabei entstehende Rundweg entgegen. Zur südöstlichen Seite öffnen sich die Unterrichtsräume zur Landschaft hin. Aus energetischen Aspekten sind sie mit einem hohen Fensteranteil versehen. Sägezahnartige Fensterrahmen aus Betonfertigteilen verleihen dem Baukörper eine spezifische Rhythmik und Plastizität und dienen darüberhinaus als Sonnen- und Witterungsschutz.

In Anlehnung an die ortstypische Materialität der Gebäude und Bauerngehöfte der Umgebung sowie ein in Blickentfernung liegendes Fabrikgebäude wählten die Architekten eine Fassade aus Ziegelsteinen. Im Innern wird diese Farbigkeit durch einen zwischen Rosa und Rostrot changierenden eingefärbten Sichtbeton aufgegriffen. Durch die warme Ziegelhaut und die einfache prägnante Form der Baukörper erhält die Schule ein neues Gesicht und der Ortsteil Euenheim stadträumlich einen klaren abschließenden Ortsrand. In dem weitgehend horizontal ausgerichteten Ensemble setzen im nördlichen Grundstücksbereich die Turn- und die Schwimmhalle als signalhafte Kopfbauten bewusste Akzente.

Foto: Jens Kirchner, Düsseldorf

Projektdaten
Bauherr: Landschaftsverband Rheinland, Köln
Architekt: 3pass Architekt/innen Stadt¬planer/innen Burkard Koob Kusch, Köln
Mitarbeiter: Florian Kohl, Joachim Seehaus
Innenarchitekt: Büro für Innenarchitektur, Beate Wild, Köln
Landschaftsarchitekt: Atelier Esser, Rheinbach
Tragwerksplanung: Wörzberger Ingenieure GmbH, Prof. Dr. Ralf Wörzberger, Rösrath
Technische Gebäudeausrüstung/Lichtplanung: Ingenieurbüro Heiming, Energie- und Gebäudetechnik, Köln

Produkte und Hersteller
Fassade:
Vormauerziegel: Ziegelwerk Klaus Huber GmbH & Co. KG, Leuben-Schleinitz,
www.ziegelhuber.de
Fenster: Holz-Alu-Fenster, Holz: System Krebbers GmbH & Co. KG, Krefeld,
www.krebbers.de, www.metallholz.de, Aluminium: Hermann Gutmann Werke AG, Weißenburg, www.gutmann.de
Dachelemente: Flachdachbauteil mit Akustikabsorber Ligno Akustik Q3, Lignotrend Produktions GmbH, Weilheim-Bannholz, www.lignotrend.com
Dämmung: Perinsul SL Foamglas Steine, Deutsche Foamglas GmbH, Erkrath,
www.foamglas.de
Glasschaumschotter: Misapor AG, CH-Landquart, www.misapor.ch
Dachdeckung: Aluminium-Profiltafeln
Kalzip 65/400, Kalzip GmbH, Koblenz,
www.kalzip.com
Photovoltaik: Aluminium-Profiltafeln
mit auflaminierten Dünnschichtmodulen, Kalzip AluPlusSolar, Kalzip GmbH, Koblenz, www.kalzip.com
Akustikdecken: Knauf Akustikdesignplatte 8/18, Knauf Gips KG, Iphofen,
www.knauf.de
Türen: Neuform Türenwerk Hans Glock GmbH & Co. KG, Erdmannhausen,
www.neuform-tuer.com
Fliesen: Pro Architectura new, Villeroy & Boch AG, Mettlach, www.villeroy-boch.com
DST Doppelplatte, Capestone, Granifloor und Quantum, Deutsche Steinzeug Cremer & Breuer AG, Alfter-Witterschlick,
www.agrob-buchtal.de
Glasmosaik: Bärwolf GmbH & Co. KG,
www.baerwolf-aktionswaren.de
Bodenbelag: Linoleum Forbo marmoleum real und fresco, Forbo Flooring GmbH, Paderborn, www.forbo-flooring.de
Schwimmbad:
Edelstahlschwimmbecken: Hinke, A-Vöcklamarkt, www.hsb.at
Abdeckung: Bieri Alpha Covers AG, CH-Grosswangen, www.bac.ag
Sportgeräte: Erhard Sport International GmbH & Co. KG, Rothenburg o.d.T.,
www.erhard-sport.de
Prallwand: Ries Akustik-Innenausbau GmbH, Alerheim, www.riesakustik.de
Schwingboden: Europ Sportboden GmbH, Ladbergen, www.europ-sportboden.de
Trennvorhang: Marzik GmbH, Bad Soden am Taunus, www.marzik.de
Trennwand: Moveo dorma, Dorma Hüppe Raumtrennsysteme GmbH & Co. KG, Westerstede/Ocholt, www.dorma-hueppe.de
Sonnenschutz: Außenraffstores, Nova Hüppe GmbH, Oldenburg,
www.novahueppe.de
Beschläge: Ogro, Dorma Beschlagtechnik GmbH, Velbert,
www.dorma-beschlagtechnik.de
Möblierung: VS-Deutschland, Tauberbischofsheim, www.vs-moebel.de, Wittler Visuelle Einrichtungen GmbH, Berlin, www.wittler.biz

Stichworte:
Dieser Artikel ist aus dem Heft:
DETAIL 10/2009

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