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Murado & Elvira Architects, Baiona, Imagen Subliminal


Origami in alten Mauern: Stadtbibliothek in Baiona

Baiona liegt auf dem Weg nach Santiago di Compostela. Am nahezu höchsten Punkt der Stadt, hinter der ehemaligen Stiftskirche Santa Maria, steht das zweigeschossige Sancti Spiritus Hospital aus dem 17. Jahrhundert. Obwohl das ehemalige Krankenhaus in die Liste der Bien de Interés Cultural, der zu schützenden spanischen Kulturgüter, aufgenommen ist, hat es im Lauf der Jahre mehrere Veränderungen erfahren: Der ursprüngliche Grundriss wurde durch Umbauten 1970 stark verändert. Garten und Innenhof haben deutlich an Bedeutung verloren. Den 2010 ausgeschriebenen Wettbewerb, den rund 1000 m2 großen Innenraum zur städtischen Bücherei mit Stadtarchiv umzubauen, gewann das Architektenteam um Juan Elvira und Clara Murado. Eröffnung war im März 2018.

Übergänge und Kontraste
Murado y Elvira lassen das Haus von außen, abgesehen von Renovierungsarbeiten an der Fassade, unangetastet. Eine homogene Sequenz von Räumen und Einrichtungen aus Ahornholz wird in die Hülle aus altem Stein gesetzt. Im Eingangsbereich stehen sich eine neu vor der bestehenden Außenwand errichtete Granitmauer auf der einen Seite und Raumbegrenzungen aus Ahornholz auf der anderen Seite gegenüber. Der Bodenbelag aus Granit nimmt die Materialität des städtischen Außenraums auf, während die Decke aus Ahorn schon vom frischen Wind im Haus erzählt. Alt und neu, innen und außen sind hier in einem spannenden Dialog.

Lineare künstliche Beleuchtung und natürliches Licht, das aus dem Innenhof durch Öffnungen in der Steinwand dringt, betonen den leicht geneigten, Richtung Garten führenden Weg. Am Ende des breiten Flurs gelangt man über drei Stufen, die in einer nahezu einen Meter breiten Laibung aus Granit liegen, in die Kinderbibliothek. Dieser besondere Zugang, sowie ein als Tür getarntes Bücherregal und ein Puppentheater geben dem Raum etwas spielerisch Magisches. Zusätzlich zum Haupttreppenhaus führen zwei Steintreppen aus dem Innenhof in den Hauptlesesaal im Obergeschoss. Der Hof wird somit zum Herzstück der Bücherei.

Tiefe und Licht
Der Lesesaal und die dazugehörigen bedienenden Räume sind konzentrisch um den Innenhof angeordnet. Eine Abfolge von Funktionsräumen sowie das Bibliothekarsbüro liegen wie ein Ring in einer zweiten Schicht um den Lesesaal, der dadurch offen und großzügig bleiben kann. Die doppelte Raumhülle aus Ahorn faltet sich im Deckenbereich wie Origami.

Boden, Regale und Lesenischen liegen hinter eingeschnittenen Öffnungen in der doppelten Wand. Sie sind Teil der homogenen Struktur. Runde, in Clustern angeordnete Leuchten sorgen für die künstliche Belichtung. Oberlichter in Trichterform sowie Fenster mit schrägen Laibungen durchstoßen die Ahornhülle, um Tageslicht einzufangen. Die Tiefe der Öffnungen macht das Entwurfskonzept sichtbar: Eine homogene Struktur wird wie ein großes Möbel in das alte Gebäude gesetzt.

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Weitere Informationen:

Bauleitung:
Clara Murado, Juan Elvira (Murado & Elvira Architects), Óscar López Alba (OLA Arquitectos), Manuel Cuquejo
Mitarbeiter:
 Eugenia Concha, Marta Colón de Carvajal, Cristina Gutiérrez Chevalier, Francesco Martone
TGA-Planung:
Obradoiro Enxeñeiros
Tragwerksplanung:
Ezequiel Fernández Grinda
Bauunternehmen:
Orega Coviastec

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