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Ort der Erinnerungen: Archivgebäude in Bilbao

Nur wenige Gehminuten von dem berühmten Guggenheim Museum in Bilbao entfernt, hat das örtliche Großraumbüro ACXT das neue historische Archiv der Region realisiert. Nach fünf Jahren Bauzeit hat das Gebäude nun seit Anfang des Jahres seine Türen für Besucher geöffnet. Die Stadt Bilbao wollte einen neuen Hauptsitz schaffen, an dem aus der Vergangenheit stammende Akten und Briefe, aber auch ausgewählte Dokumente von Privatpersonen vereint werden. Auf insgesamt 8.550 m2 verwirklichten die spanischen Architekten einen Ort, an dem die Einwohner die Entwicklung der baskischen Gesellschaft nacherleben können. Unzählige Papierschätze werden hier archiviert oder digitalisiert aufbewahrt. 

Architekten: ACXT Architekten, Bilbao 
Standort:Calle de María Díaz de Haro, E–48013 Bilbao

Der von der Straße eingerückte Zugang der Empfangshalle hält sich gestalterisch bewusst zurück und hebt somit die darüber thronende  Vorhangfassade optisch hervor. Scheinbar willkürlich gefaltete Glasbänder spannen sich vor den fünf Obergeschossen in den Zwischenraum der bestehenden Blockrandbebauung ein. Die Architekten beabsichtigten mit diesem Effekt, die "Planheit" der Straße zu "brechen" und den Standort des wertvollen Kulturgutes zu betonen. Betrachtet man die Fassade genauer, erkennt man geschriebene Textzeilen auf den Zickzack- Elementen. Obwohl diese Verzierung markant auf die konservierten Akten und Dokumente im Inneren hinweist, erscheint der Zusammenhang mit dem lokalen Bestand fragwürdig.

Betritt man das schlicht anmutende Foyer des Archivgebäudes, wird die Sicht durch eine transparente Glasscheibe auf den dahinter liegenden Garten gelenkt. Der öffentlich zugängliche Innenhof ist mit seinem Hell-Dunkel-Kontrast eine stille Sensation. Die leuchtend weiß verputzte Fassade des Rückgebäudes strahlt mit sensibel geordneten, vertikalen Fensteröffnungen beschauliche Ruhe aus. An diesem friedlichen Fleckchen Erde lädt die Stadt Bilbao zu Ausstellungen und Filmprojektionen im Freien ein, die auf einer eleganten schwarzen Wand präsentiert werden.

Ein breiter Glasschacht bringt Licht in das viergeschossige Volumen unter der Erdoberfläche. Hier lagert das Herzstück des Gebäudes, verteilt auf die gesamte Grundstückslänge und -breite von 70m x 20m. In den kilometerlangen Dokumentenkammern behüten farbenfrohe Rollregale die historischen Schriften und Erinnerungen, die nur darauf warten, entdeckt und erforscht zu werden. Selbst die Besprechungsräume und Parkmöglichkeiten für die Mitarbeiter sind durch ausgesuchte Beleuchtungen kunstvoll in Szene gesetzt.

Im ersten Obergeschoss offerieren verglaste Lufträume eine kontrollierte Lichtfülle. Die restlichen Stockwerke sind nur zum Teil für die Öffentlichkeit zugänglich. Hier stehen kommunikative Flurzonen farblich in starkem Kontrast zu den teilweise steril wirkenden Labor-, Entwicklungs- und Verwaltungsbereichen.

Den Architekten ist es gelungen, das Bild eines dunklen, staubigen Archivs auf den Kopf zu stellen und einen zeitgemäßen offenen Bau zu errichten. Die Transparenz der Hauptfassade zieht sich bis in den Kern des Gebäudes und fordert unmittelbar dazu auf, einen Blick ins Innere zu werfen. Dies versinnbildlicht den Leitgedanken des Projektes: Öffentliches Interesse für das jahrzehntealte, baskische Kulturerbe zu fördern.

Projektleiter: Gonzalo Carro López
Mitarbeiter: Ion Zubiaurre Ros, Javier Manjón Herrero, Oscar Ferreira da Costa
Bauherr: Regierung Baskenland
Bebauungsfläche: 8550 m2
Fertigstellung: 2013

Stichworte:
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