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"Paris Plus Petit": So sieht MVRDV die Zukunft der Seine-Stadt


Nicolas Sarkozy wandelt auf den Spuren des Barons Haussmann: Zehn Architekten- und Planerteams lud der französische Präsident im Juni 2008 ein, Zukunftsvisionen für Paris im Jahr 2030 zu entwickeln. Einer der Pläne, die noch bis November in der Pariser „Cité de l?Architecture“ zu sehen sind, stammt vom Rotterdamer Büro MVRDV.

Cit? de l?Architecture, Paris, MVRDV;
Grafik: MVRDV

Langfristige Planungshorizonte und –strategien für Städte sind selten geworden im Effizienz- und Renditedenken unserer Zeit. Oftmals tritt Stadtmarketing an die Stelle von Stadtentwicklung. Dabei wäre Vorausdenken bitter nötig: Etwa drei Viertel des weltweiten Energieverbrauchs finden in Städten statt, und Städte werden Brennpunkte des Klimawandels und seiner Folgen sein. Maßnahmen für mehr Energieeffizienz, alternative Verkehrskonzepte und erneuerbare Energien müssen daher im Zentrum jeder Stadtplanung stehen – aber auch die Anpassung an das Unvermeidliche, jene 2 °C Erderwärmung, die schon jetzt nicht mehr zu verhindern sind.

Überlegungen wie diese dürften Nicolas Sarkozy geleitet haben, als er Mitte 2008 zehn Planungsteams für das Paris der Zukunft um sich scharte. Ganz sicher spielten jedoch auch ökonomische Interessen und der internationale Standortwettbewerb eine Rolle: Paris wird investieren müssen, um auch 2030 noch eine Rolle im Konzert der Weltstädte zu spielen. Und um die Eliten der Zukunft anzuziehen, ist vor allem eines erforderlich: Lebensqualität. In der neuesten Ausgabe von „Mercer?s Quality of Living Survey“ landete Paris lediglich auf dem 33. Platz unter den Städten der Welt. Das ist eindeutig verbesserungsfähig.

Cit? de l?Architecture, Paris, MVRDV
Ein nicht unerhebliches Neubau- und Infrastrukturprogramm wollen MVRDV bis 2030 in Paris und der Ile de France unterbringen.

Der Titel „Paris Plus Petit“ („das kleinere Paris“) des MVRDV-Konzept trifft die Herausforderung an die künftigen Planungen auf den Kopf: Städte müssen ein Plus an Lebensqualität erhalten und zugleich ihren ökologischen Fußabdruck auf einen Bruchteil verkleinern. Der Denkansatz von MVRDV ist kein Verkehrs- oder Flächennutzungsplan, sondern bewegt sich auf abstrakterer Ebene. Dennoch macht er recht konkrete Vorschläge für 17 einzelne Bau- und Infrastrukturvorhaben: Im Bereich „Les Halles“ soll ein neuer unterirdischer „Zentralbahnhof für Europa“ errichtet werden; der Boulevard Périphérique rund um die Innenstadt soll durch zwei zusätzliche Auto-Tunnelröhren und eine ringförmige Metro erweitert und baulich nachverdichtet werden. Neue, Haussmann?sche Stadt-Achsen sollen auch Sarkozys Repräsentationsbedürfnis befriedigen, und entlang der Seine soll ein neuer, unterirdischer Infrastruktur-Korridor entstehen. Den Raum, der überirdisch frei wird, wenn die Infrastruktur im Erdboden verschwindet, wollen MVRDV für neues, innerstädtisches Wohnen nutzen.

Cit? de l?Architecture, Paris, MVRDV, For?t Charles de Gaulle
So soll er aussehen ? der neue Pariser Flughafen ?For?t Charles de Gaulle?

Einen neuen Flughafen „Forêt Charles de Gaulle“ wollen die Rotterdamer Architekten ebenso errichten wie einen vertikalen Universitätscampus namens „Super Sorbonne“. Darüber hinaus sieht ihr Plan die Aufforstung großer Waldgebiete und die Errichtung riesiger Windfarmen rund um die Metropole vor. Vor allem aber soll die bestehende Innenstadt, wo immer möglich, nachverdichtet werden. Ein Video zum Projekt, das auf der Internetplattform YouTube zu sehen ist, feuert denn auch gleich zu Beginn eine Breitseite in Richtung der Besitzstandswahrer in Paris ab: Höhe und Dichte seien dort nahezu zu einem planerischen Tabu-Thema geworden; und der Denkmalschutz habe sich zur Totalblockade gegen alle eigentlich sinnvollen Ansätze zur Erneuerung entwickelt.

Noch bis zum 22. November ist das „kleinere größere Paris“ gemeinsam mit den neun anderen Stadtvisionen in der „Cité de l?Architecture“ im Pariser Palais du Chaillot zu sehen.


Jakob Schoof


Cit? de l?Architecture, Paris, MVRDV, For?t Charles de Gaulle
Ein neues Wahrzeichen am Stadthorizont: Universitätscampus ?Super Sorbonne?

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