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Passiv-Holzbau XXL: Stadtwerke in Lübeck

In dem viergeschossigen Neubau in einem Lübecker Gewerbegebiet haben die Stadtwerke 430 ihrer insgesamt 630 Mitarbeiter zusammengezogen, die zuvor an mehreren über die Stadt verteilten Standorten arbeiteten. Das gemeinsame Haus für die Verwaltungsangestellten soll künftig die Kommunikationswege verkürzen; außerdem war es den Berechnungen zufolge kostengünstiger als die Sanierung der Bestandsimmobilien.

Entstanden ist der Neubau in einem mehrstufigen Verfahren: Zunächst forderten die Stadtwerke sechs Büros zur Erstellung einer Vorplanungsstudie mit Technikkonzept und Gestaltung der Außenanlagen auf. Den Zuschlag erhielt der Vorentwurf des Generalplanerbüros Klein Architekten und der Technikplaner juwi green Buildings GmbH. Dieses Team wurde nun beauftragt, eine funktionale Leistungsbeschreibung und Kostenschätzung zu erstellen.

Vorentwurf und funktionale Leistungsbeschreibung dienten anschließend als Grundlage eines zweiten, diesmal EU-weiten Wettbewerbs mit Verhandlungsverfahren, in dem ein Totalunternehmer für die Erstellung des Gebäudes gesucht wurde. Realisiert wurde der Neubau schließlich von der Ed. Züblin AG; für die Ausführungsplanung zeichnete die pbr Planungsbüro Rohling AG verantwortlich.

Ein Passivhaus in Holzbauweise – diese Vorgabe des Bauherrn war von Anfang an Bestandteil der Ausschreibungen und wurde auch nicht weiter in Frage gestellt. Lediglich kompakter ist das Gebäude gegenüber dem ersten Vorentwurf geworden; außerdem konnte der Strom- und Wärmebedarf nochmals um 20% reduziert werden.

Neben den Büros für die 430 Mitarbeiter beherbergt der Neubau Konferenzräume und eine 120 Personen fassende Kantine. Sie verteilen sich auf zwei L-förmige Baukörper mit abgerundeten Ecken und sich verjüngenden Enden. Jeder von ihnen ist pro Geschossebene in vier Brandschutzabschnitte mit weniger als 400 Quadratmetern Fläche unterteilt, die durch Brandschutzwände von einander getrennt werden. Auf diese Weise konnte der Holzbau im Inneren – auch ohne Sprinklerung - komplett unverkleidet bleiben. Allerdings musste die Holzkonstruktion aus Brandschutzgründen deutlich überdimensioniert werden.

Weil die Bürotrennwände größtenteils aus Glas bestehen, wirken die Büroräume trotz der zahlreichen Brandabschnitte weitläufig und großzügig. Insgesamt wurden in dem Verwaltungsbau fast 11000 Quadratmeter Brettsperrholzdecken, 4800 Quadratmeter Holzrahmenbauwände und knapp 600 Kubikmeter Brettschichtholz verbaut. Die Gesamtmenge an Holz beträgt 2438 Kubikmeter. Diese Menge wächst in Deutschlands Wäldern innerhalb von 10 Minuten nach; 2400 Tonnen Kohlenstoff sind darin gebunden.

Aufgrund der unregelmäßigen Grundrisszuschnitts sind die Deckenelemente allesamt Unikate mit unterschiedlichen Abmessungen. Die Holzrahmenfassaden erhielten eine vertikale Schalung aus unbehandeltem, FSC-zertifiziertem Lärchenholz in Nut-Feder-Konstruktion. Die Felder zwischen den Fenstern sind mit hellgrünen Faserzementplatten verkleidet. Eine Besonderheit ist die gebäudehoch verglaste Fassade des Eingangsfoyers: Sie wurde als frei tragende, 12 Meter hohe Pfosten-Riegel-Konstruktion ebenfalls aus Holz erstellt – und das mit Dreifachverglasung, also aus statischer Sicht unter „verschärften Bedingungen“. 

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