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Passivhaus-Kathedrale

Für das erste zertifizierte Passivhaus im US-Staat New York wählte der Architekt Dennis Wedlick eine ungewöhnliche Bauform: Leimholzbinder, die an die Rippen gotischer Gewölbe erinnern, tragen das dick gedämmte Satteldach, die Südfront ist vollständig verglast. Pate für das Gebäude standen jedoch nicht historische Sakralbauten, sondern die traditionellen Wohnhäuser der Irokesen.

passivhaus, new york, wedlick
Elliot Kaufman

Dennis Wedlick gehört zu jenen Architekten, die in ihren Bauten vorurteilsfrei Tradition und Energieeffizienz miteinander verknüpfen. Wenn ein Bauherr es wünscht, errichtet Wedlick ihm durchaus auch ein Niedrigenergiehaus im neoklassizistischen Stil. Auch das Passivhaus in Hudson nördlich von New York bezieht seinen Charakter aus einem solchen Zeitsprung. Seine Typologie lehnt sich an die traditionellen Wohnbauten an, die die Iroquis-Indianer im 17. Jahrhundert im heutigen Bundesstaat New York errichteten. Im Boden verankerte Äste bildeten die Tragstruktur, die mit einer dicken Dämm- und Wetterschutzschicht aus Stroh und Leder bedeckt wurde. Lediglich die Südseite blieb komplett offen, um die Wintersonne ins Gebäude scheinen zu lassen.

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Elliot Kaufman

Statt Ästen verwendete Wedlick Leimholzbinder, statt Stroh und Leder sogenannte „Structural Insulated Panels“ – eine in den angelsächsischen Ländern für energieeffiziente Wohnhäuser weit verbreitete Art von Sandwichpaneelen, die aus einem Schaumstoff-Dämmkern und beidseitigen Deckschichten aus OSB-Platten. Durch die verglaste Südfront gelangt man unmittelbar in den doppelgeschossigen „Great Room“, in dem Wohnen, Essen und Kochen ihren Platz haben. Die nördliche Gebäudehälfte ist zweigeschossig und enthält drei Schlafzimmer, eine Ankleide, ein Arbeitszimmer und zwei Bäder.

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Elliot Kaufman

Die Passivhaus-Berechnungen weisen für das 145 Quadratmeter große Haus einen Heizwärmebedarf von 12,1 kWh/m²a und einen Kühlbedarf von 3,4 kWh/m²a aus. Der Primärenergiebedarf wurde mit 109 kWh/m²a ermittelt. Dach, Wände und Bodenplatte sind jeweils 30 cm dick mit EPS gedämmt; die Fundamentwände erhielten – obgleich das Haus nicht unterkellert ist – von außen zusätzlich eine dünne XPS-Dämmung. Die U-Werte der geschlossenen Außenflächen liegen bei 0,10 W/m²K (Boden gegen Erdreich), 0,11 W/m²K (Dach) und 0,12 W/m²K (Außenwände). Die Südverglasung erreicht einen U-Wert von 1 W/m²K. Zusätzlich bringen Dachfenster Tageslicht in den rückwärtigen Gebäudeteil. Im Haus ist eine zentrale Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung installiert. Beheizt wird das Gebäude mit zwei Luft/Luft-Kleinstwärmepumpen sowie drei elektrische Konvektoren.

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