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 BMW World, Interview, München

Patricia Urquiola gestaltet 3D-Terrazzoboden für BMW

Die Mailänder Architektin und Designerin Patricia Urquiola hat eine außergewöhnliche Ausstellungsfläche für die BMW Welt in München gestaltet. Insbesondere das Design des Bodens spiegelt eine Kombination aus Innovation und Beständigkeit wider: Das organische, wie gezeichnet wirkende Muster wurde im 3D-Druckverfahren von dem niederländischen Unternehmen Aectual produziert und der Rahmen anschließend vor Ort mit Terrazzo in eine zusammenhängende Fläche gegossen. Das 322 m2 große Areal wird komplettiert durch Vorhänge aus metallischem Geflecht in einem, je nach Lichteinfall changierenden Grünton sowie durch Möbelstücke der Designerin. Ein Gespräch mit Patricia Urquiola und Adrian van Hooydonk, Leiter BMW Group Design, über Architektur und Design, über Mobilität und Inspiration – und über den Luxus, Zeit zu haben.

Mit »The Dwelling Lab« haben Sie gemeinsam mit dem Designer Giulio Ridolfo, dem Textilunternehmen Kvadrat und dem Leuchtenhersteller Flos eine spektakuläre Design-Installation für den Salone del Mobile 2010 gestaltet. Finden sich in der neuen Flächengestaltung ebenfalls unkonventionelle Ansätze?
PATRICIA URQUIOLA: Die Gestaltung für »The Dwelling Lab« war natürlich etwas freier – die neue Fläche in der BMW Welt ist Teil eines Gebäudes, in dem viele Dinge vorgegeben waren. Dennoch konnte ich auch dort einige Dinge, wie das Lichtkonzept neu denken und mit Rücksicht auf die Vorgaben umsetzen. Da auf der direkt am Eingang gelegenen Fläche sehr exklusive Fahrzeuge präsentiert werden, sollte der Blick direkt dorthin gelenkt werden. Mit dem neu interpretierten Terrazzoboden und dem Metallrahmen in changierenden Grüntönen ist das, denke ich, gut gelungen. Inspiriert hat mich neben den Fahrzeugen und der Fläche an sich vor allem die Farbigkeit der neuen Modelle, die an das Grün der Nordlichter erinnert. Am Anfang der Idee stand unter anderem ein Foto, das eines der Fahrzeuge vor einem zugefrorenen, grün schimmernden See zeigt.

Sie arbeiten als Architektin und Designerin. Fließen in Ihrer Arbeit beide Bereiche ineinander?
PATRICIA URQUIOLA: Beide Professionen, Architektur und Design, sind während meines Studiums in Mailand miteinander verschmolzen. Auch meine Abschlussarbeit über Achille Castiglioni hat beide Bereiche vereint. Für mich meint Architektur nicht nur Konstruktion und Struktur, sondern vor allem auch die Gestaltung von Raum. Ich arbeite gerne an der Schnittstelle zwischen Architektur und Design und wechsle von einem Bereich in den anderen. Ob Ausstellungsgestaltung, Inneneinrichtung, strukturelle Architektur oder Design – mein Leben und Arbeiten ist irgendwo dazwischen.

Ihr Stil wird auch als feminin, sinnlich und extravagant beschrieben. Steht das nicht im Gegensatz zur immer noch männerdominierten Automobilbranche?
PATRICIA URQUIOLA:
Ich empfinde meinen Stil nicht als besonders feminin. Für mich ist es wichtig, Dinge zu bewegen, etwas zu erforschen, an etwas zu wachsen – und dabei dem jeweiligen Umfeld gerecht zu werden. Ich denke, die Werte einer Gesellschaft ändern sich und wir müssen einen Weg finden, mit den Veränderungen und Problemen unserer Zeit umzugehen. Ich versuche, in meinem Design offen mit diesen Veränderungen umzugehen und diese positiv einzusetzen. Zum Beispiel arbeite ich häufig mit Materialresten und gestalte damit die schönsten Dinge.
ADRIAN VAN HOOYDONK: Beim Design geht es auch im Automobilbereich nicht um einen spezifisch femininen oder maskulinen Stil. Mit unseren Fahrzeugen sprechen wir ja auch eine große weibliche Zielgruppe an. Patricia versucht, qualitativ hochwertige Dinge mit einer gewissen Leichtigkeit zu gestalten. Das Design soll nicht schwer wirken, dennoch soll man es ernst nehmen. Genauso funktioniert das auch bei uns: Die Fahrzeuge sollen vor allem funktional sein. Das Design soll dabei Leichtigkeit ausstrahlen – und natürlich Bewegung suggerieren. Bei der Kaufentscheidung wird die Innenraumgestaltung eines Autos immer wichtiger, auch und gerade bei der weiblichen Zielgruppe.

Die BMW Welt wurde von dem Architekturbüro Coop Himmelb(l)au entworfen. Hat die Architektur des Gebäudes Einfluss auf die Gestaltung der neuen Fläche gehabt?
ADRIAN VAN HOOYDONK:
Die Architekten waren nicht in das Projekt involviert – aber Patricia hat in ihrem Design natürlich Rücksicht auf die Architektur des Gebäudes genommen. Und auch einzelne Elemente in die Gestaltung integrieren können – wie zum Beispiel einen Querträger, der für das Lichtkonzept hilfreich war.

Sie verantworten die Gestaltung einer Vielzahl von Fahrzeugen, Motorrädern und anderen Designobjekten. Wo finden Sie Inspirationen für das Automobildesign?
ADRIAN VAN HOOYDONK:
Eigentlich überall. Im Alltag, beim Reisen oder indem ich andere Formen von Kreativität betrachte, im Gespräch mit anderen Kreativen, ob mit Architekten, Künstlern oder Industriedesignern. Unseren Produkten liegt aber natürlich auch die jahrzehntelange Geschichte des Automobils zugrunde. Wobei wir versuchen, immer etwas Neues zu unserer Geschichte hinzuzufügen und nicht zu Vieles zu wiederholen.

Frau Urquiola, bei der ersten Anfrage von BMW sagten Sie, Sie mögen keine Autos. Die Antwort war, genau so jemand würde für die Zusammenarbeit gebraucht...
PATRICIA URQUIOLA:
Als ich damals für das Mailänder Projekt angefragt wurde, habe ich gesagt, dass ich weder eine leidenschaftliche Autoliebhaberin noch eine Autodesignerin bin. Das Äußere des Autos hat mich nicht interessiert – aber das Innenleben auf eine künstlerische Art und Weise sichtbar zu machen, fand ich faszinierend. Ich versuche eine immer neue Herangehensweise an Produkte, um diese von einer anderen Seite anzuschauen.
ADRIAN VAN HOOYDONK: Wenn man nicht offen für andere Sichtweisen ist, kann man nie überrascht werden. Bei der Zusammenarbeit mit Patricia kam etwas völlig Neues heraus: Wir haben ein Ausstellungsstück geschaffen, bei dem man das Innenleben des Autos als Allererstes sieht – und das Äußere beinahe völlig untergeht. Für mein Team war das eine vollkommen neue Herangehensweise: Wir arbeiten normalerweise vom Äußeren zum Inneren, und hier war es genau anders herum. Tatsächlich haben wir genau dieses Auto damals vom Inneren heraus gestaltet – und Patricia hat uns eine Möglichkeit gegeben, dieses Vorgehen sichtbar zu machen. An Patricias Arbeit bewundere ich insbesondere ihre menschliche Perspektive: Das Design ihrer Produkte ist immer exquisit und luxuriös, und gleichzeitig sind diese sehr persönlich gestaltet und strahlen eine Warmherzigkeit aus.
PATRICIA URQUIOLA: Für mich steht Luxus für Zeit, Freiheit und Qualität. Da wir heute immer mehr Zeit im Auto verbringen, sollte diese Umgebung so gestaltet sein, dass wir diese Zeit genießen können. Wir haben zusammengearbeitet, um etwas Gutes zu schaffen – auch das ist für mich Luxus. Indem wir Dinge neu denken und Lösungen finden, machen wir nicht nur die Produkte, sondern vielleicht auch die Welt ein kleines bisschen besser.

 

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