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Photovoltaik auf Seilen

Eine weltweit wohl einzigartige Photovoltaikanlage hat der Schweizer Hersteller Flumroc auf seinem Betriebsgelände in Flums installiert: Die Module sind auf Seilen gelagert und können durch diese permanent der Sonne nachgeführt werden. In einer einjährigen Forschungs –und Messphase soll nun ermittelt werden, ob die beweglichen Module auch tatsächlich den erhofften Mehrertrag bringen.

Die seilbasierte „Solar Wings“-Anlage basiert auf dem zum Patent angemeldeten Konzept des gleichnamigen Liechtensteiner Herstellers. Derzeit sind auf dem Werksgelände 320 Module beweglich auf zwei Seilen montiert. Die Anlage bietet Platz für 160 weitere Elemente, die voraussichtlich 2011 installiert werden. Dann würde die Leistung von den derzeitig installierten 75,2 kWp auf 112,8 kWp und der erwartete Jahresertrag von 90.000 kWh auf 135.000 kWh steigen.

Messungen der ZHAW Winterthur haben nach Angaben des Herstellers ergeben, dass das Solar-Wings-System gegenüber starr montierten PV-Anlagen theoretische Mehrerträge bis zu 30 % pro Jahr generieren kann. Typische fix installierte Solarparks haben heute Gestehungsgesamtkosten von rund 3€/Wp; das bewegliche System könnte diesen Wert demnach um rund 0,9€/Wp oder umgerechnet 144€/m2 senken – vorausgesetzt, es werden hocheffiziente Silizium-Solarzellen mit Wirkungsgraden von 16% verwendet. Die Mehrkosten gegenüber einer starren Anlage beziffert Solar Wings auf weniger als 90€/m2.

Ferner argumentiert der Hersteller mit weiteren Vorteilen der Anlage: Bei traditionellen beweglichen Anlagen sind die PV-Module üblicherweise auf einem zweiachsig nachführbaren Drehtisch montiert. Gegenüber diesen spart „Solar Wings“ immerhin rund die Hälfte an Material (<100 kg Metall/kWp statt üblicherweise rund 200 kg/kWp). Ferner bleibt die Fläche unterhalb der Anlage für andere Zwecke (wie hier das Parken) nutzbar, und die Anlagen können auch an schwer zugänglichen Stellen, wie z.B. über Flussbetten oder an Steilhängen, installiert werden.

Für die Anlage in Flums rechnet Solar Wings – anders als die Labormessungen - mit einem Mehrertrag von „nur“ 25%. Ob diese auch tatsächlich eintreten, wird derzeit im Rahmen eines einjährigen, durch das Schweizer Bundesamt für Energie und den Kanton St. Gallen finanzierten Messprogramm überprüft. Zum Vergleich hat die Flumroc AG auf einem Dach eine fest montierte Referenzanlage installiert. Die Messergebnisse können jederzeit tagesaktuell auf der Website des Bauherrn eingesehen werden – und sie bleiben bislang doch um einiges hinter den Ankündigungen zurück: Im ersten Betriebsmonat Mai kam die nachführbare Anlage auf eine Gesamt-Energiemenge von 8827 kWh , die starre Referenzanlage auf 7980 kWh. Das entspricht einem Mehrertrag von lediglich 10,6%.

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