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Pilotprojekt im Hochschulbau

Mit dem von der Bundesregierung verabschiedeten Energiekonzept soll bis zum Jahr 2050 in mehreren Stufen eine umweltschonende, zuverlässige und bezahlbare Energieversorgung gewährleistet werden. Neben dem Ausbau von erneuerbaren Energien, wird auch eine Halbierung der benötigten Primärenergie angestrebt. Die Stromerzeugung soll dann zu 80 Prozent aus regenerativen Energiequellen bezogen werden. Bereits heute bestehen im Hochschulsektor hohe energetische Standards, bedingt durch das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) und die novellierte Energieeinsparverordnung (EnEV). Darüber hinaus weist die Europäische Gebäuderichtlinie für energieeffiziente Gebäude (EPBD) öffentlichen Bauten eine besondere Vorbildfunktion zu. Für Neubauten werden ab 2019 daher Niedrigstenergiegebäude-Standards verlangt.

Da sich die Anzahl der Studierenden in den letzten Jahren fast verdoppelt hatte, war eine Erweiterung durch ein Hörsaal- und Seminargebäude unumgänglich. Auf 5490 Quadratmetern Bruttogrundfläche wurden eine Bibliothek, Labore, Poolräume, ein modernes Videostudio für professionelle Aufnahmen, Hör- und Seminarsäle sowie Serverräume untergebracht. Neben klar definierten Zielen zur Energieeinsparung, stellte die vielseitige Nutzung des Gebäudes eine hohe Herausforderung an das Energiekonzept. Besonders durch die Technik der Poolräume war eine hohe Wärmeentwicklung zu erwarten, was eine Kühlung in den Sommermonaten notwendig macht. Der im Februar 2013 fertig gestellte Neubau wurde im Rahmen des Programms „Energieeffiziente Hochschulprojekte“ des Landes Niedersachsen als Modellprojekt von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) gefördert und bereits während des VOF-Verfahrens von der Stiftung begleitet.

Das Unternehmen agn Niederberghaus & Partner GmbH erhielt den Zuschlag der Generalplanung, die eine Entwicklung des Energiekonzeptes beinhaltete. Wesentlicher Bestandteil dieses Konzeptes ist ein Erdluftregister aus Beton unter dem Gebäude: die zentrale Außenluftansaugung und eine Zuführung zu den Lüftungsanlagen innerhalb des Gebäudes sorgen dafür, dass die Außenluft im Winter vorgewärmt und im Sommer entsprechend gekühlt wird. Aufgrund des ganzjährigen konstanten Temperaturniveaus im Erdreich können hier die geothermischen Energien genutzt werden. Den zweiten Teil des Konzeptes bildet eine Erdsondenanlage mit einer Sole/Wasser-Wärmepumpe zum Heizen und Kühlen. In der Kombination mit einer Betonkernaktivierung ergibt sich für das Gebäude ein Optimum der geothermischen Nutzung. Um das vorgeschlagene Energiekonzept zu entwickeln, war bereits die Planungsphase von aufwändigen Simulationen und Nachweisen begleitet. Nach der Inbetriebnahme im Jahr 2013 wurde die Energieeffizienz mittels Monitorung und Prognosen gegenübergestellt und in ihrer Wirksamkeit überprüft. „Im Rahmen des Monitorings konnte nachgewiesen werden, dass das Konzept die Erwartungen sogar übertrifft: Vergleicht man die Ergebnisse mit den geltenden Kennwerten, liegt der Energieverbrauch für das neue Hörsaalgebäude deutlich unterhalb der geforderten Richtwerte“, berichtet Professor Dr.-Ing. Lars Kühl, Inhaber der Professur für Regenerative Energiesysteme an der Ostfalia Hochschule für angewandte Wissenschaften und zuständiger Ansprechpartner für das Projekt. Dieses wurde zwischenzeitlich mit dem dena Label „Good Practice Energieeffizienz“ ausgezeichnet und besitzt laut Christof Hewing, Dipl.-Ing. Versorgungstechnik, Projektleiter im Bereich Technische Ausrüstung bei agn auch Modellcharakter: „Das Prinzip – bestehend aus Energiekonzeptentwicklung, Simulation, Qualitätssicherung in der Bauphase und dem anschließenden Betriebsmonitoring – kann wie ein Baukastensystem auf andere Bauvorhaben in Neubau und Sanierung übertragen werden, nicht nur im Hochschulbereich, sondern auch auf Krankenhäuser und andere öffentliche und nichtöffentliche Bauten. Besonders energieintensive Liegenschaften bringt das Modell somit von Anfang an auf einen effizienten und rentablen Weg.“

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