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Plattenvereinigung

Temporäres Recyclinggebäude

Plattenvereinigung ist eine interdisziplinäre Forschungs- und Kommunikationsplattform zur Entwicklung nachhaltiger Handlungsweisen und Kulturformen. Ein temporäres Gebäude aus Recyclingmaterialien am ehemaligen Flughafen Tempelhof in Berlin wurde zu Lehrbaustelle und Studienobjekt, temporärem Kultur- und Begegnungsraum sowie zum Ort für Information, Bildung und Beteiligung. Ein Zukunftslabor und Arbeitsraum für das interdisziplinäre Zusammenwirken von Wissenschaft, Handwerk, Kunst und Gesellschaft.

Das Recyclinggebäude Plattenvereinigung besteht aus ost- und westdeutschen Betonplatten und vereinte interdisziplinäre Akteure und Ansätze hin zur Entwicklung einer universellen Recyclingkultur. Das Projekt nimmt die Bestandteile einstmals visionärer Baukultur und heutigen Stadtumbaus zum Anlass, sich mit nachhaltiger Stadtentwicklung und zukünftigen Formen des Zusammenlebens auseinanderzusetzen. Durch die Wiederverwendung in einer gemeinsamen Architektur wird anhand der Bauteile, die aus dem Olympischen Dorf in München und von einem Hochhaus in Frankfurt/Oder stammen, der geschichtliche Kontext in den Diskurs mit einbezogen. Das temporäre Gebäude wurde als Veranstaltungsort auf der Tempelhofer Freiheit, dem ehemaligen Flughafengelände Tempelhof in Berlin, errichtet und dient dabei zugleich als Werkstatt und Lehrobjekt, Ausstellungsraum und Aufführungsort für fachspezifische und künstlerische Veranstaltungen. Plattenvereinigung führt einen baukulturellen, gesellschaftlichen und ökologischen Diskus über den Lebensraum Stadt und das Erbe der Moderne. Das Projekt fördert die Etablierung einer Recyclingkultur und partizipative Handlungsstrategien.

Das Recyclinggebäude vereint Bausteine und die Geschichte verschiedener Orte miteinander. Das Gebäude besteht aus wiederverwendeten Fertigbetonteilen, die teils aus dem westdeutschen Olympischen Dorf in München, teils aus einem ostdeutschen Hochhaus des Typus PH 12 in Frankfurt/Oder stammen.

Das Olympiadorf München wurde anlässlich der Olympischen Sommerspiele 1972 beinahe vollständig in Fertigbetonweise errichtet. Die Elemente für das Projekt Plattenvereinigung stammen aus dem ehemaligen Sportlerdorf der Frauen von 1969. Die 800 Einzelhäuser des Architekten Werner Wirsing wurden später als Studentendorf genutzt. Die individuelle Bemalung der Fassaden durch die wechselnden Bewohner führte zur starken Aneignung und Identitätsbildung. Aufgrund einer maroden Haustechnik begann im Sommer 2008 der Abbruch und gleichzeitig der rekonstruktive Neubau des denkmalgeschützten Ensembles. Einige der Bauteile fanden neue Verwendung im Projekt Plattenvereinigung.

Im Rahmen des staatlichen Wohnungsbauprogramms der ehemaligen DDR wurden für die Errichtung von Neubaugebieten in Fertigbetonbauweise verschiedene Bautypen entwickelt. Die im Projekt Plattenvereinigung verwendeten ostdeutschen Fertigelemente entstammen zwei Punkthochhäusern vom Typ PH 12-Frankfurt/Oder. Die beiden Abbruchgebäude wurden als Zwillingspunkthochhäuser in exponierter Lage in Neuberesinchen errichtet und erhielten im Volksmund den Spitznamen "Pistolenburg", da in diesen bevorzugt DDR-Staatsbedienstete wohnten. Der Abriss erfolgte 2009 in den oberen Geschossen aus Sicherheitsgründen als kontrollierter Rückbau. Demontierte Plattenbauteile wurden dem Projekt Plattenvereinigung von der Wohnungswirtschaft Frankfurt/Oder zur Verfügung gestellt.

Im Sommer 2011 fand im temporär installierten Gebäude ein öffentlicher und kultureller Diskurs über den Lebensraum Stadt, das Erbe der Moderne und eine Kultur der Nachhaltigkeit statt. Von Januar 2010 bis Mai 2011 befand sich das Gebäude in der Peter-Behrens-Halle der TU Berlin, in der es in einer experimentellen Umgebung entwickelt und in Form von Lehrbaustellen errichtet wurde.

Plattenvereinigung ist ein Projekt von zukunftsgeraeusche und wird von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) gefördert.

Weitere Informationen finden Sie hier.

Bildrechte: zukunftsgeraeusche, Fotografin: Annekatrin Fischer

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