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Prototypischer Ansatz für Jugendherbergen?

Unser Reporter Jochen Motruk hat das sanierte „Haus Untersberg“ der DJH Berchtesgaden begutachtet und gewann den Eindruck einer äußerst gelungenen Symbiose aus Alt und Neu.

Wie der Watzmann mit der Watzmannsage hat auch die DJH Berchtesgaden eine düstere Vergangenheit. In den 1930er Jahren, unter den Nationalsozialisten, trug das heutige "Haus Untersberg" den Namen "Adolf-Hitler-Jugendherberge".

1935 innerhalb des ehemaligen Führersperrgebietes errichtet, das – durch Ankauf und Enteignung von Grundstücken – der NSDAP gehörte, lag es mitten im Erholungsgebiet für NS-Politprominenz. Nach Kriegsende nutzte die US-Armee das Areal als Tourismusziel.

Bezeichnend für die Entstehungszeit, ist die solide Bauweise, z. B. zurückversetzte, mit witterungsbeständigem Lärchenholz ausgekleidete Loggien, flankiert von massivem Natursteinmauerwerk. Im Gebäude Inneren sind die der Beanspruchung besonders ausgesetzten Bauteile wie Treppenauftritte und Türrahmen ebenfalls aus Naturstein.

Haus Untersberg der DJH Berchtesgaden
„Haus Untersberg“ der DJH Berchtesgaden, Eingangsbereich
Haus Untersberg Ostbalkon
„Haus Untersberg“ der DJH Berchtesgaden, Balkon Ost

Analog zu dieser nachhaltigen Bauweise steht nun das Konzept für den Umbau zur Designjugendherberge, bei der der Niedrigenergiestandard um 30 % unterschritten wurde: Traditionell eingesetzte Materialien für Fassadenelemente, unterbrochen durch zeitgemäße Formen in Kombination mit traditionellen Holzschnitzereien, begleiten die Eingriffe der Architekten von Innen nach Außen – als Dialog zwischen Tradition und Moderne. Die bunten Farbstreifen im Eingangsbereich bleiben um den steinernen Türrahmen ausgespart. In den Zimmern im Erdgeschoss erinnern die sichtbare Holzbalkendecke und Steinfußböden an den ehemaligen Speisesaal.

Galeriezimmer im Haus Untersberg
„Haus Untersberg“ der DJH Berchtesgaden, Galeriezimmer
Westseite Haus Untersberg
Haus Untersberg“ der DJH Berchtesgaden, Westseite

In den Obergeschossen sind jeweils zwei ursprüngliche Zimmer zu einem zusammengelegt, somit entstanden großzügige Galerie-, Erker- und Balkonzimmer. Wo einst Stockbetten das Bild kasernenartiger Jugendherbergen prägten, gibt es nun komfortable Doppelbetten. Einige der Zimmer sind zusätzlich mit Schlafkojen ausgestattet, die Nischen mit grünem Linoleum ausgekleidet. An keiner Stelle wirken die neuen Elemente aufdringlich, sondern unterstreichen die Qualitäten des Bestandsgebäudes und transferieren so die Vergangenheit in die Gegenwart.

Ursprüngliche Elemente und Kubaturen des Gebäudes haben die Architekten bewusst erhalten. So wurde die Fluchttreppe durchdacht in die Südfassade eingegliedert, hätte hier auch ein separates Fluchtreppenhaus genügt.

Wie der Watzmann als Bergmassiv die Berchtesgadener Alpen dominiert und sich gleichermaßen einordnet, scheint eine Neuinterpretation deutscher Jugendherbergen in unsere heutige Gesellschaft möglich zu sein. Das Architekturbüro LAVA aus Stuttgart, Sieger des geladenen Wettbewerbs beweist mit der Sanierung des "Haus Untersberg" einen ausgewogenen Umgang zwischen alt und neu. Im zweiten Bauabschnitt wird in den kommenden Jahren das ganze Ensemble der Berchtesgadener Jugendherberge neu gestaltet. Wir dürfen gespannt sein, ob die Umsetzung im gleichen Dialog stattfinden wird.

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