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Foto: Jan Chlebik

Puzzlespiel im Bestand: Rathaus- und Bibliothekssanierung in Manchester

„Hier ist nichts genau so wie es scheint: Ein verborgenes Stahlskelett ist auf der Innenseite mit Marmorplatten verkleidet und verputzt, so dass es wirkt wie Natursteinmauerwerk, und scheinbar massive Außenwände enthalten in Wirklichkeit Hohlräume für die Leitungsführung.“ So beschrieb Lee Taylor, Projektarchitekt beim Büro Ryder Architecture, 2010 der Zeitung „Architects’ Journal“ die Zentralbibliothek von Manchester. Das Bauwerk und die benachbarte Erweiterung des neogotischen Rathauses der Stadt wurden beide in den 30er-Jahren errichtet und verbanden seinerzeit moderne Bautechnik mit einer eher rückwärtsgewandten Formensprache. Die Bibliothek ist ein Rundbau nach klassizistischem Vorbild, die benachbarte Erweiterung des Rathauses erinnert mit ihren Rundbogenfenstern und spitzen Giebeln eher an Stadtpaläste der Gotik und Renaissance.

2010 erhielten zwei Büros den Auftrag zur Sanierung der beiden Gebäude – Ryder Architecture für die Bibliothek, SimpsonHaugh and Partners für die Rathauserweiterung. Enge Zusammenarbeit war gleichwohl geboten, denn die zuvor getrennten Gebäude sollten räumlich eng verzahnt werden. Zwar existiert die schmale, halbkreisförmige Gasse (Library Walk) zwischen beiden Bauten nach wie vor, doch ein filigraner Glaspavillon stellt hier nun die Verbindung zwischen Rathaus und Bibliothek her. Eine noch engere Symbiose spielt sich im Untergeschoss ab: Hier wurden die Bibliotheksräume bis ins Souterrain des Rathauses hinein erweitert. Gäste können so von den Lesesälen in das neue Kundenzentrum des Rathauses hinübergehen, ohne den Gebäudekomplex verlassen zu müssen.

Im Inneren der Rathauserweiterung sorgten SimpsonHaugh and Partners vor allem für mehr räumliche Großzügigkeit. Vormalige Zellenbüros sind Großraumbüros gewichen und die ehemalige Schalterhalle (Rates Hall), die zuvor ebenfalls in Büros unterteilt gewesen war, ist nun wieder in ihrer alten Größe erlebbar. Der Raum mit seiner charakteristischen „Zebrastreifen“-Wandverkleidung aus hellem und dunklem Kalkstein dient als Eingangshalle zu dem dahinter liegenden Kundenzentrum und einem noch einzurichtenden Café.

Das sichtbarste Merkmal der Umgestaltung ist sicher der 175 Quadratmeter große Eingangspavillon, den SimpsonHaugh and Partners zwischen die beiden Gebäude platzierten. Seine Außenwände bestehen aus 7,4 Meter hohen Verbundssicherheitsglasscheiben, die ohne weitere Stützen das 30 Tonnen schwere Dach mit seiner Edelstahlverkleidung tragen. Dessen Gewicht wird durch seine skulpturale, an erstarrtes Flüssigmetall erinnernde Form für den Besucher sinnlich erfahrbar. Gleichzeitig kann er beim Durchschreiten des Pavillons sich selbst und die umliegenden Bauten als verzerrtes Spiegelbild auf der Deckenunterseite erkennen.

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