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Rauswurf aus dem Wohnzimmer

Der Solar Decathlon gilt als weltweit wichtigster Studentenwettbewerb für nachhaltige Architektur. Nun steht ihm womöglich ein wichtiger Einschnitt bevor: Wie die US-Architekturzeitschrift „Architectural Record“ meldet, wollen die US-Behörden die Durchführung der Veranstaltung auf der National Mall, der als „Wohnzimmer der Nation“ bekannten Prachtallee vor dem Kapitol, nicht länger genehmigen.

solar decathlon, national mall, umzug

Ursprünglich hatte die Endausscheidung für den nächsten Solar Decathlon Ende September 2011 auf der National Mall stattfinden sollen - ebenso wie die vorangegangenen vier Veranstaltungen auch. Nun widerruf der für die National Mall zuständige National Park Service jedoch die Genehmigung für den Bau der 20 solar betriebenen Wohnhaus-Prototypen auf der Mall. Die Behörde beruft sich offenbar auf schlechte Erfahrungen mit den letzten Veranstaltungen: Insbesondere die schweren Gerätschaften, die für Bau und Abbau der Solarhäuser benötigt werden, hätten in der historischen Grünanlage schwere Schäden hinterlassen.

Bill Line, ein Sprecher des National Park Service, sprach dem Architectural Record gegenüber von regelrechten „Kratern“, die die Maschinen in der Grünanlage hinterlassen hätten, und davon, dass das Gras am Veranstaltungsort jedes Mal komplett zerstört worden sei. Von allen 4000 Veranstaltungen, die jährlich auf der National Mall stattfänden, hätte keines solche Zerstörungen hinterlassen wie der Solar Decathlon, so Line.

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Der Solar Decathlon wurde seit 2002 zunächst im drei-, später im zweijährigen Rhythmus von US-Energieministerium durchgeführt. Die in der Regel 20 teilnehmenden Studententeams stellen sich der Herausforderung, je ein komplett solar betriebenes Wohnhaus zu planen, zu errichten und eine Woche lang im Probebetrieb zu „bewohnen“. Bewertet werden die Häuser in insgesamt zehn Kategorien, von der Architektur über das Energie- bis zum Marketingkonzept. Hieraus resultiert auch die Bezeichnung als „Decathlon“ – als Zehnkampf also. Bei den letzten beiden Ausgaben des „Solar Decathlon“ hatte jeweils das Team der TU Darmstadt unter Prof. Manfred Hegger den Sieg davongetragen.

Auch wenn die Veranstaltung nicht offiziell abgesagt wurde, befürchten die Teilnehmer in spe Schlimmes: Zum einen gehe die erhebliche Öffentlichkeitswirkung des Solar Decathlon verloren, wenn er künftig an einem zweitrangigen Standort stattfände. Bislang hatte die Veranstaltung jedes Mal Zehntausende angezogen. Zum anderen wird befürchtet, dass nun eine Verlegung des Solar Decathlon ins Haus stehen könnte, wenn sich die Veranstalter nicht schnell auf einen Alternativstandort einigen. Dies wiederum würde die ausgefeilten Energiekonzepte vieler Häuser ad absurdum führen, die genau auf das Ende September in Washington erwartete Klima abgestimmt seien.

Der „Solar Decathlon Europe“, der 2010 in Madrid seine Premiere als europäischer „Ableger“ des Solar Decathlon erlebte, ist von dem US-amerikanischen Hickhack nicht betroffen. Er soll das nächste Mal voraussichtlich 2012 durchgeführt werden.

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