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Re-Figuration von Räumen

»Es handelt sich um spannungs- und konfliktreiche Prozesse, deren gemeinsame Züge mit dem Begriff der Re-Figuration des Raumes gefasst werden können. Re-Figuration findet ihren Ausdruck in sich neu bildenden Raumordnungen wie auch in den Kämpfen für den Erhalt tradierter Raumnutzungen«, wird die Ausgangsbasis beschrieben. Mit der Analyse dieser neuen Raumstrukturen und neuen Raumwissens beschäftigt sich nun der Sonderforschungsbereich Re-Figuration von Räumen (Sfb 1265), der am 14. Juni 2018 an der TU Berlin eröffnet wird. »Das klassische Modell einer sich weltweit durchsetzenden Moderne mit ihren zentralistischen Nationalstaaten, Grenzen und Volkswirtschaften steht in einer spannungshaften Beziehung zur post- oder spätmodernen Transnationalisierung mit ihrer Entgrenzung, ihrem Polyzentrismus und globalisierenden Ausweitung. Aus dieser Spannung, so unsere These, resultiert die Re-Figuration«, erklärt Prof. Dr. Martina Löw, Sprecherin des Sfb und Leiterin des Fachgebietes Planungs- und Architektursoziologie an der TU Berlin.

Erste Forschungsprojekte: Smartphone-Apps erweitern reale Orte
Am Fachgebiet Technik- und Innovationssoziologie von Ingo Schulz-Schaeffer steckt ein Teilprojekt dieses SFBs bereits mitten in der Forschung: Lokative Medien: Inklusion und Exklusion in öffentlichen Räumen (LoMUS). »Durch die verstärkte Nutzung von Smartphone-Apps kommt es immer häufiger zu einer Verschmelzung von materiellen, also realen, und virtuellen Kommunikationsräumen«, erklärt Eric Lettkemann, Projektmitarbeiter von LoMUS. Der Begriff lokative Medien kommt aus dem Englischen (locative media). Er beschreibt mobile Endgeräte, die mithilfe von Apps ihren eigenen Standort erfassen und Online-Informationen zu diesem Standort liefern. »Diese auf den städtischen Raum bezogenen Apps führen zu einer zunehmenden Verschmelzung von öffentlichen und privaten Informationen: So können sowohl Restaurants als auch private Bewertungen über diese Apps angezeigt werden. Sogar Informationen, welche meiner Freunde sich dort gerade aufhalten, sind abrufbar«, beschreibt Lettkemann weiter. Es werden drei Typen von Anwendungen analysiert: Apps zum Zweck der Navigation, Apps mit der Möglichkeit GPS-Koordinaten mit kleinen Berichten, Wertungen, Empfehlungen oder Ähnlichem zu verknüpfen, und Apps, die in der Lage sind, spontan sich eröffnende Gelegenheiten anzubieten (sogenanntes Gelegenheitsmanagement), wie beispielsweise die App Tinder, die in der Lage ist, den Standort des Nutzers/der Nutzerin zu erfassen und ihm potenzielle, im persönlichen Umkreis befindliche Flirt-Kontakte anzuzeigen. Die Forschungsgruppe konzentriert sich darauf zu untersuchen, ob durch lokative Medien eher Inklusions- oder Exklusionsprozesse verstärkt werden: »Entstehen durch solche digitalen Anwendungen neue Begegnungsräume und neue Gelegenheiten, soziale Kontakte zu knüpfen? Kommt es zur Bildung kleiner, ortsbezogener Öffentlichkeiten? Entsteht mehr Partizipation in Nachbarschaften, die vorher eher anonym waren? Oder tritt das genaue Gegenteil ein? Das würde bedeuten, dass die soziale Segregation verschärft wird: Die Nutzer leben verstärkt in ihrem eigenen kleinen privaten Kosmos. Die Welt wird diesen Nutzern nur noch als eine personalisierte und auf sie zugeschnittene Teilmenge der realen Welt präsentiert. Die soziale Filterblase des Einzelnen wird undurchlässiger. Wenn überhaupt noch soziale Kontakte stattfinden, dann nur noch mit bekannten oder ähnlichen Menschen. In der Literatur findet man bislang Hinweise zu beiden Auswirkungen«, skizziert Lettkemann das Forschungsfeld.

Vorträge zur Eröffnungsfeier:

Komplexe Raumkonstruktionen. Gesellschaft über Raum verstehen
Prof. Dr. Martina Löw, TU Berlin, Sprecherin des Sonderforschungsbereichs und Leiterin des Fachgebietes Planungs- und Architektursoziologie

Diagnose: Re-Figuration
Prof. Dr. Hubert Knoblauch, TU Berlin, Sprecher des Sonderforschungsbereichs und Leiter des Fachgebietes Allgemeine Soziologie

Raumnahme – Raumverdrängung – Raum-Virtualisierung. Typen und Prozesse einer Schlüsselkategorie sozialen Lebens
Prof. Dr. Karl-Siegbert Rehberg, Forschungsprofessur für Soziologische Theorie, Theoriegeschichte und Kultursoziologie, TU Dresden

 

 

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