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Reden ist Silber, Erklären ist Gold

Prof. Dr. Rilke Rambow, BTU Cottbus
Prof. Dr. Rilke Rambow, BTU Cottbus

Ein abgedunkelter Raum. An der Stirnseite erläutert eine junge Frau Projektionen von Architekturrenderings und Plänen. Keine Projektpräsentation vor einem städtischen Bauausschuss – sondern eine Übung des Masterstudiengangs Architekturvermittlung in Cottbus. Prof. Dr. Riklef Rambow, Lehrender an der BTU Cottbus und die versammelten Kommilitonen der Studentin werden später den Vortrag diskutieren. Warum und wie er die angehenden Architekten auf die Begegnung mit der Öffentlichkeit vorbereitet, darüber sprachen wir mit Prof. Dr. Riklef Rambow.

Carsten Sauerbrei: Wie sind Sie als Psychologe zum Architekturvermittler und Experten in Sachen Kommunikation zwischen Architekten und Laien geworden?

Riklef Rambow: Nach meinem Studium setzte ich mich zunächst ganz allgemein mit dem Wissen und Können von Experten in verschiedenen Berufen auseinander. Dabei fragte ich mich zum Beispiel: „Was zeichnet Experten aus?“ oder „Wie kann man das Wissen von Experten psychologisch beschreiben?“ Aus biographischen Gründen habe ich mich dann speziell für Architekten interessiert.

Sauerbrei: Und was haben Sie dabei festgestellt?

Rambow: Es gibt bei Architekten ein paar wesentliche Unterschiede im Vergleich zu anderen Berufsgruppen. Architektur ist ein multidisziplinärer Beruf, weder reine Kunst, noch Wissenschaft, noch Technologie - sondern etwas aus allem. Das trifft auf das Wissen und auch die Fachsprache von Architekten zu. Außerdem ist das Wissen von Experten immer hochverdichtet und stark abstrahiert. Diese Erkenntnisse führten bei mir zu Fragen wie: „Welche Folgen hat das für die Kommunikation zwischen Architekten und Laien?“ und „Wie kann der Experte sein hochverdichtetes Wissen dem Laien vermitteln?“ Deswegen habe ich mich intensiv damit beschäftigt, was Experten befähigt, über Fachgrenzen hinaus erfolgreich zu kommunizieren.

Sauerbrei: Welchen Rat würden Sie Architekten geben, wenn Sie Laien ihren Entwurf erläutern müssen – sei es im Bauherrengespräch oder in der Ausschusssitzung im Rathaus?

Rambow: Versuchen sie, sich in ihr Gegenüber hineinzuversetzen! Bauherren erwarten, dass sinnvoll mit ihrem Geld umgegangen wird. Sie wünschen sich Dauerhaftigkeit in der Konstruktion und geringe Unterhaltskosten, zum Beispiel beim Energieverbrauch. Das alles sind legitime Erwartungen und diese Aspekte sollten sie unbedingt ansprechen! Ästhetische Fragen sind natürlich trotzdem wichtig. Aber es ist vorteilhaft, gestalterische Entscheidungen im Zusammenhang mit funktionalen, ökonomischen oder konstruktiven Fragen zu erläutern. Wenn das nicht geht, so wählen sie zur Begründung konkrete, sinnlich wahrnehmbare Qualitäten! Schwierig wird es immer dann, wenn Laien bloße Geschmacksentscheidungen des Architekten übernehmen sollen. Eine ästhetische Erläuterung muss ein Leiten und darf kein Vorschreiben sein. Erläutern sie schlüssig und präzise, in einer dem Vorwissen des Gegenübers angemessenen Sprache! Auch die visuelle Präsentation sollten sie in dieser Hinsicht aufarbeiten!

Sauerbrei: Sie sprechen sich für eine kontinuierliche Weiter- und Fortbildung von Architekten in Bezug auf Kommunikation mit Laien aus. Wie sind ihre Vorschläge bisher aufgenommen worden?

Rambow: Fragen der Architekturvermittlung gehören meiner Meinung nach eigentlich schon in die Ausbildung. Jeder Architekturstudiengang sollte gegen Ende ein bis zwei Veranstaltungen anbieten, bei denen zukünftige Architekten lernen, dass Vermittlung ein wichtiger Teil ihrer beruflichen Praxis sein wird. Die Studierenden sollten außerdem systematisch mit dem Perspektivenunterschied in Bezug auf Laien konfrontiert werden. So lernen sie auch, wie sich ihre eigene Wahrnehmung in den fünf Jahren ihres Studiums verändert hat. Sollte das in der Ausbildung nicht möglich sein, dann ist natürlich Fort- und Weiterbildung eine Alternative. Aber da passiert leider viel zu wenig!

Sauerbrei: An welchen Universitäten wird die Vermittlung von Architektur im Studium angeboten?

Rambow: Das geschieht nicht so häufig, aber es gibt Ansätze. Neben den Universitäten in Cottbus und Karlsruhe, wo ich selber tätig bin, gibt es den Studiengang „Architektur Media Management“ an der Hochschule Bochum. Daneben finden an einigen Universitäten und Hochschulen einzelne Veranstaltungen zu der Thematik, meist auf der Basis von Lehraufträgen statt.

Sauerbrei: Hat sich in den letzten Jahren, seitdem Sie sich mit diesem Thema auseinandersetzen, etwas positiv verändert? Auch heute ist das Verhältnis von Architekten und Öffentlichkeit oft von wechselseitigem Unverständnis geprägt.

Rambow: Ich denke schon, vielleicht sogar eine ganze Menge! Der Begriff der Architekturvermittlung ruft nicht mehr das Erstaunen hervor, wie noch vor nicht allzu langer Zeit. Er begegnet einem immer öfter, zum Beispiel bei der Internetsuche. Veranstaltungen und Initiativen, die sich diesem Thema widmen, wie der bundesweite „Tag der Architektur“ oder die „Bundesstiftung Baukultur“ sind etabliert. Auch von berufspolitischer Seite nimmt das Bewusstsein dafür zu, dass die Qualität der gebauten Umwelt nicht nur davon abhängt, was Architekten können, sondern auch davon, wie diese Qualitäten vermittelt werden. Die Architektenkammer Baden-Württemberg hat „Architektur vermittelt“ gerade zum Jahresthema 2010 gemacht.

Sauerbrei: Seit inzwischen vier Jahren besteht an der BTU Cottbus der Masterstudiengang Architekturvermittlung entstanden. Was wollen Sie und Prof. Eduard Führ mit diesem Studiengang erreichen?

Rambow: Wir sind der Meinung, dass für die wachsende Anzahl von Aktivitäten in der Architekturvermittlung gut ausgebildete Leute gebraucht werden. Wir sehen eine Nische für Spezialisten, die hauptberuflich mit der Durchführung und Planung von Projekten in diesem Bereich ihr Geld verdienen können.

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