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Reet, Universität Stuttgart

Reet im Schnee – ein Forschungsprojekt in eisigen Höhen

Reet – auch Rohr genannt – ist in sumpfigem Gelände wachsendes Schilfrohr, das für die Deckung von Dächern verwendet wird. In Asien und Afrika ist der Baustoff weit verbreitet, aber auch an der Nord- und Ostseeküste. Reet bietet viele Vorteile: Es ist nachwachsend, schadstofffrei und klimaneutral. Die Schilfpflanze wächst schnell, bildet wertvolle Biotope und sorgt für gute Wasserqualität. Jedes Jahr kann der abgestorbene Teil der bis zu 4 m hohen Pflanze geerntet und ohne weitere Behandlung als Fassaden- und Dachverkleidung verwendet werden. Am Ende seiner Lebensdauer ist Schilf kompostierbar und der Stoffkreislauf geschlossen.

Reet für die Mannheimer Hütte
Ob sich Reet auch als Baustoff in hochalpinen Regionen eignet, sollten Studierende der Universität in einem Seminar des IBBTE ergründen. Das Institut für Baustofflehre, Bauphysik, Gebäudetechnologie und Entwerfen hatte schon früher an Projekten für den Deutschen Alpenverein gearbeitet, der verstärkt klimaneutrale Bauweisen für seine Hütten forciert. An einem Pumpenhäuschen für die Mannheimer Hütte wird der ortsuntypische Baustoff Reet nun erprobt. Die Hütte liegt auf 2679 m Höhe im Rätikon in Österreich, das alpine Klima bringt Kälte, Wind und Eis. Bereits im frühen Planungsstadium zog das IBBTE einen erfahrenen Reetdach-Handwerker hinzu, der mithalf, einfache und materialgerechte Details zu entwickeln. Der Entwurf sollte einfach sein und dem Ort und der Nutzung gerecht werden, das Material dabei im Vordergrund stehen.

Positive Bilanz
Die Unterkonstruktion des kleinen Pumpenhäuschens besteht aus heimischen Nadelhölzern mit traditionellen Holzverbindungen, die kaum Metall erfordern. Sie wurde vorgefertigt und mit dem Helikopter angeflogen. Die 40 cm dicke Hülle aus Reet fertigten Studierende und Handwerker gemeinsam – ebenso die Giebelfassaden aus heimischer Lärche. Eine Sitzstufe lädt Wanderer an dieser Seite zu einer Pause ein – mit herrlichem Blick ins Tal.
Den ersten harten Winter hat das kleine Forschungsprojekt bereits hinter sich.
Mit Mess- und Fotostationen wurden neben anderen Daten, der Alterungsprozess, die Feuchtigkeit, die Winddichtigkeit und der Abnutzungsfaktor erfasst. Die bisherige Bilanz für den Baustoff Reet in alpinem Gelände fällt positiv aus: die extremen Wetterverhältnisse hat das Hüttchen sehr gut überstanden.

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