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REM: Dokumentarfilm über Rem Koolhaas von seinem Sohn Tomas

Nein, es wird keine gefühlsgeladene Vater-Sohn-Geschichte, das stellt Tomas Koolhaas sofort bei der Ankündigung seines Dokumentarfilms über seinen Vater mit dem sprechenden Titel „REM“ klar. Vielmehr soll es um Architektur als menschlichen Erfahrungsraum gehen – sowohl für die Menschen, die sich in ihr aufhalten, als auch für die Menschen, die Architektur schaffen. Indem Tomas Koolhaas seinen prominenten Vater und dessen Werk filmisch begleitet, will er eine neue Form der Architekturvermittlung schaffen. Ein hoher Anspruch, den er selbst wie folgt formuliert:

„Architektur wird oft von außen betrachtet, als ein lebloses Objekt, das durch starre Bilder repräsentiert wird. Die Dokumentation soll mehr zeigen als ein generisches, plakatives Image, mehr hervorrufen als die intellektuelle Realität von Architektur-Renderings. Das Publikum soll durch die Kamera einen seltenen Einblick in die Realität des verborgenen inneren Lebens von Gebäuden gewinnen. REM bringt den Menschen zurück in die Architekturdarstellung. Der Film offenbart eine Architektur, die viel sinnstiftender und bedeutungsvoller ist als ihre Ikonenhaftigkeit. So wird wieder einmal deutlich, dass der Film an sich ein wichtiges Medium ist, um Bedeutung innerhalb des räumlichen Erlebnisses zu entdecken.“ Ausschnitte von REM sind bereits auf der Website www.remdocumentary.com zu sehen.

Diesen inhaltlichen Anspruch will Tomas Koolhaas, der in Los Angeles Film studiert hat,  auch formal durchhalten: In einem Interview auf ArchDaily erklärt er, dass die Qualität der Bilder für ihn in einem Dokumentarfilm genau so wichtig sei wie in einem Spielfilm. Während er anfangs allerdings versuchte, möglichst schöne Bilder zu produzieren, merkte er bald, dass die raueren Bilder eine viel größere Ausdruckskraft hatten und der Architektur und ihrer Nutzer gerechter wurden. Dabei erklärt Tomas Koolhaas auch seine Motivation für den Film: Dass ihm nämlich aufgefallen sei, dass in den meisten Dokumentationen über die OMA-Bauten bestimmte Ecken und Winkel und auch Benutzer ausgeblendet würden. Und zwar genau die, die ihn eigentlich interessierten.

Schließlich sind es gerade auch diese „Ecken und Winkel“, diese bewusst offen und öffentlich gehaltenen Freiräume in den Gebäuden von Rem Koolhaas, subtile Störungen, für die viele Architekturkritiker ihm seinen sonst eher pragmatisch wirkenden Umgang mit vorhandener Bausubstanz verzeihen, oder auch die Verweigerung, aus moralischen Gründen auf Bauaufträge zu verzichten. Koolhaas’ Haltung war immer: Wenn er dieses Projekt – zum Beispiel den CCTV-Turm in Peking – nicht baut, tut das ein anderer, und das womöglich schlechter, aber zumindest anders als er. In den Bildern, die Tomas Koolhaas nun von der Umgebung des CCTV einfängt, kontrastieren die beschreibenden Worte von Rem Koolhaas, aber auch das glänzende, große CCTV-Gebäude auf verstörende Weise mit den Bildern von Armut und Elend des nahe gelegenen Slums.

Interessant sind auch die Ausschnitte, in denen die Bauarbeiten und Bauarbeiter der Großbaustellen CCTV und „De Rotterdam Complex“ gezeigt werden. Während die Arbeiter in Holland der Kamera sehr selbstbewusst bis abweisend gegenüber treten, strahlen die Chinesen geradezu ins Objektiv. Zudem ist es frappierend, wie roh und archaisch die Baustelle des CCTV im Gegensatz zum High-Tech-Bauen in den Niederlanden anmutet.

Soweit zu den ersten, sehr fragmentarischen Eindrücken aus dem Film, die bereits im Netz zu sehen sind. Ende 2013 soll REM an den Start gehen. Wir sind gespannt, zu welchem Bild sich die neuen und die bisher gesehenen Sequenzen dann verdichten. Eines ist jedoch sicher: Es wird ein anderes Bild sein, als jenes, das wir bisher von OMA's beziehungsweise Rem Koolhaas' Bauten kennen.
(Cordula Vielhauer)


Bildnachweis und weitere Informationen:
www.remdocumentary.com

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