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Grafik: Zukunftstil_Jutta Werner_Livia Bau

rendering/CODES – Zukunft Putz

rendering/CODES
 - Zukunft Putz

Aktuell wird der Werkstoff Putz aus Sicht vieler Planer und Architekten häufig nur als B-Variante der
 möglichen Gestaltungsoptionen gesehen. Innovative Gebäudeinterpretationen 
sind vor allem im Neubau heute vorwiegend in anderen Werkstoffen geplant. Im Bestandsbau schaut dies oftmals 
anders aus. Die Frage nach dem warum? Anzunehmen ist, das Putzfassaden für etwas Tradiertes
 und Solides und nicht unbedingt für Zukunftsfähiges stehen. Die Tendenzen und Phänomene in der Architekturgestaltung wie zum Beispiel Perforation, Transparenz, virtuelle oder parametrische Ästhetik lassen sich aus Sicht der Verfasser oftmals besser mit anderen Werkstoffen erreichen. Mann kann daher als Ursache fehlende technische und gestalterische Innovationen, fehlende Materialauthentizität und als Resultat aller genannten Kriterien das Image als „billiges Gestaltungsmittel“ vermuten. Der heutige Imageverlust beruht aber nicht selten auch auf der Assoziation des Putzes mit den WDV- Systemen. Die Gestalter sehen darin die Nichtauthentizität des Materials, der Endkunde die in der Presse breitgefächerte Krisendarstellung.


PUTZ NEU DENKEN


Die unterschiedlichen Tendenzen und Haltungen zur Verwendung von Putz haben die HAWK und DETAIL research motiviert, genauer
 zu hinterfragen was dem zu Grunde liegt und wie man den Werkstoff Putz eventuell neu denken müsste. 
Das oben beschriebene Phänomen der aktuellen Gestaltungspräferenzen an den Fassaden „eher weg
 vom Putz“ ist seit einiger Zeit zu bemerken. Als Institut für Zukunftsforschung in der Gestaltung (Institute 
international Trendscouting IIT HAWK Hildesheim) hatte das IIT darüber mit der Fachgruppe Putz & Dekor beschlossen, sich dem Thema zu widmen.

Ziel ist nun, das Produkt im interdisziplinären Dialog weiter zu 
entwickeln und somit wieder zukunftsfähig einzustellen, da dieser Werkstoff bist dato im hiesigen Kulturraum eine
 sehr wichtige Rolle spielt.

 
ZUKUNFT BRAUCHT HERKUNFT


Die Forschungsinitative erforscht dabei zunächst die typische Verwendung von Putz in der Architektur, an der Fassade in 
den letzten ca. 200 Jahren. Nach dem Prinzip "Zukunft braucht Herkunft" arbeitet sie gemeinsam mit dem Institut für internationale Architekturdokumentation DETAIL research, IIAD-Detailarchiv nach den Methodenkanon des IIT HAWK zunächst Vergangenheit und Gegenwart bildhaft auf, um zu verstehen wie die Entwicklung und Verwendung von Putz an der Fassade im Kontext technischer, gesellschaftlicher und/oder gestalterischer Strömungen stattgefunden hat. Die Studie beginnt um 1800, da in dieser Zeit repräsentative Bauten namhafter Architekten über Putzfassaden interpretiert wurden. Die sich ab 1800 ständig ändernden gesellschaftlichen und technischen Rahmenbedingungen spiegeln sich deutlich in der Art der Gebäudetypen
 und in deren Gestaltung wieder.

Erste Auswertungen deuten darauf hin, dass gerade auf Grund der explosionsartigen Materialvielfalt, die sich in den letzten 15 Jahren eingestellt hat, und der
 sich parallel ändernden Erwartung von der Gesellschaft allgemein und Planern im spezifischen an Stadt, Form
 oder Außenhaut, Putze an der Fassade zunehmend verdrängt wurden. Auch die Frage was waren und sind
 heute Prestigebauten, welche Rolle spielt Markenarchitektur oder die Wohnungswirtschaft und wie sind
 hier jeweils Fassaden interpretiert, muss differenziert betrachtet werden und ist in dem betrachteten Zeitraum einem starken Wandel unterworfen.

Kurze Werbepause

ZIEL DES PROJEKTES

Die Forschungsinitative will mit diesem Projekt zunächst einen fundierten Dialog in Gang setzten, der interdisziplinär geführt werden kann und soll.

Warum hat der für unseren Kulturraum typische und signifikante Werkstoff Putz als fugenlose Flächengestaltung in den letzten 20 - 30 Jahren massiv an Flächenanteil bei Neubauten eingebüßt? Welche Veränderung erfahren durch diese Tatsache Stadtbilder und kulturelle Codierungen? Wie muss ein [fugenloser] Werkstoff – rendering/CODES – der Zukunft aussehen und was muss er als Werkstoff leisten können, damit er von Planern, Gestaltern und der Gesellschaft für die Interpretation von innovativen Neubauten und kreative Weiterentwicklung von Bestandsbauten akzeptiert wird?

Ziel ist, neben einer Veröffentlichung der Studie, in vier bis sechs Etappen bis 2018, in einem an die Studie integrierten mobilen Labor „WorkLab“ im Expertenverbund zu arbeiten. Entstehen werden als Resultat unterschiedlicher Befragungen und Workshops narrative und bildhaft gelagerte Zukunftsszenarien zum Thema. Die Szenarien liefern als Ergebnis Informationen über eine mögliche „DNA oder Zukunftscodierung – rendering/ CODES“ zum Putz der Zukunft, die dann mit Fachleuten und Experten weiter verdichtet werden und bestenfalls zu neuen Produktentwicklungen anstoßen. Die Zielgruppe sind neben den Planern, Gestaltern und Architekten auch die Rohstoffindustrie, Halbfabrikatshersteller, wie Farben- und Dämmstoffindustrie, von Produktmanagern bis hin zu Entwicklern aber natürlich auch das Handwerk und der Handel. Ebenso ist es von Interesse, mit diesem Thema Schnittstellen zur Politik zu aktivieren. Ein ganz besonderer Fokus liegt auf den Baufakultäten bzw. den Universitäten und Hochschulen der Architektur, deren Studierenden und Lehrenden.


AUSSTELLUNG STUDIE plaster/CODES FAF 16

Die Ausstellung der Studie wird auf der FAF 16 nicht als klassische Ausstellung nur betrachtend konzipiert sein. Es sollen vielmehr in den einzelnen Epochen die entsprechenden Auswertungen über Diagramme diskutiert und durch ergänzendes Bildmaterial vor Ort interaktiv präzisiert werden. Ziel ist es, über die Einbindung weiterer Partner aus Industrie, Handel, Handwerk und Architektur einen ständig wachsenden Mehrwert (Bild- und Informationsdaten-stamm) in München zu generieren. Der erste Schritt in die Öffentlichkeit wird bei der Leitmesse FAF 16 Farbe Ausbau und Fassade stattfinden. Hier wird neben einem Architekturforum, die Studie und das WorkLab präsentiert. Hierzu werden gezielt Partner aus den Universitäten und Hochschulen eingeladen. Wichtig ist dabei zu verstehen und bildhaft herauszuarbeiten welche Entwicklungen zu welcher Zeit und unter welchen flankierenden Rahmen-bedingungen stattgefunden haben. Ebenso sollen mögliche Parallelen, Dopplungen oder Beziehungen zwischen formalen Entwicklungen an der Fassade, der Innenraumgestaltung, des Designs oder gar der Mode recherchiert und auch in der Ausstellung sichtbar herausgearbeitet werden.

DAS WORKLAB plaster/CODES FAF 16

Das WorkLab stellt den Übergang der Gegenwartsbetrachtung in Richtung Zukunftsgestaltung dar. Auf Basis der Studie und der entsprechend bis dahin vorliegenden Auswertung werden impulsgebende Zukunftsszenarien für den Putz der Zukunft präsentiert. Diese sind skizzenhaft zu verstehen und sollen aufzeigen, wie zu diesem Thema bildhaft narrativ gedacht werden kann und in welche Richtung mögliche Entwicklungen gehen könnten. Das Ziel ist, die Besucher der Messe und die spezifisch zum Lab eingeladenen Experten aus Architektur und Hochschulumfeld zur Zukunft zu befragen, sie aktiv bei Scoutings, Monitorings mitwirken zu lassen und über gesteuerte Diskurse zu Themen der Lebensgestaltung, Stadtgestaltung oder zukunftsfähigen Oberflächen- und Materialentwicklungen zu neunen Erkenntnissen zu gelangen. Der Interdisziplinarität des Projekts folgend werden außerdem Experten und Projektpartner „live“ Ansätze der Studie erläutern und diskutieren und runden so den Gesamtauftritt aus Ausstellung/ Studie, WorkLab und Livepanels ab.

Das Gesamtprojekt wird inhaltlich und organisatorisch vom Institut für internationale Architekturdokumentation DETAILresearch, IIAD-Detailarchiv und dem Institute International Trendscouting IIT HAWK gestaltet. Dazu wird ein organisiertes Expertenforum, sowie eine Netzwerkveranstaltung angeboten. Hier wird ein reger Austausch und weitere Impulse und Ideen zum Thema erhofft.

 

 

Weitere Informationen zu "rendering/CODES-Zukunft Putz" finden Sie hier:

- Ausführliches Interview mit Prof. Markus Schlegel, HAWK Hildesheim, zu Studie, Worklab und Ausstellung 

- Informationen zu Referenten und Forum rendering/CODES

- WorkLAB für Hoschulen und Studenten

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