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KAAN Architecten, Stadtbibliothek, Aalst

Rendez-vous der Ziegelmauern: Stadtbibliothek in Aalst

Bestehende, innerstädtische Blockrandstrukturen mit einem Neubau zu negieren, verlangt üblicherweise nach einer guten Begründung. Bei dem Bibliotheks- und Akademiegebäude »Utopia« im flämischen Aalst wird die Strategie verständlich, wenn man die neu entstandenen Freiräume ringsum betrachtet. Drei dreieckige Vorplätze, intim und doch der öffentlichen Funktion des Hauses angemessen, trennen den Gebäudekomplex von den umliegenden, meist zweigeschossigen Wohnhäusern.

Utopia ist ein Nutzungskonglomerat, das die Stadtbibliothek von Aalst und eine Akademie für darstellende Künste in einem eng verzahnten Raumprogramm vereint. Und es ist ein Gebäudekonglomerat, das Teile einer Kadettenschule aus dem 19. Jahrhundert mit einem kubischen, dreigeschossigen Neubau verbindet. Ihren Namen – und die offizielle Adresse »Utopia 1« – erhielt die Institution in Anlehnung auf den genreprägenden Roman von Thomas Morus, der im 16. Jahrhundert zuerst von den Aalster Verleger Dirk Martens publiziert worden war.

Während der Altbau überwiegend Seminarräume und Verwaltungsbüros beherbergt, bildet der dreigeschossige, von raumhohen Bücherregalen gerahmte Lesesaal der Stadtbibliothek das Herzstück des kompakten Neubaus. Die Stahlbetonstützen sind in die Regale integriert, sodass die Geschossdecken auf den Einbaumöbeln aufzuliegen scheinen. Rund um den Lesesaal gruppieren sich ein Auditorium und mehrere große Probenräume der Akademie. Im Gegensatz zur klassisch-regelmäßigen Lochfassade der alten Schule nehmen die Fenster in diesen Räumen jeweils die komplette Raumhöhe und –breite ein. Der Schallschutz innerhalb des Gebäudes spielen eine wesentliche Rolle bei der Planung: Die meisten Räume haben Doppelböden, die Türen und die doppelt verglasten Fenster im Haus fungieren als Schallbarrieren.

So radikal sich der Neubau in puncto Formgebung von seinem älteren Nachbarn abgrenzt, so subtil tut er es bei der Materialwahl: Beide Häuser haben Ziegelfassaden. Für den Neubau griffen die Architekten jedoch auf einen Stein im extrem flachen Format von 50 x 10 x 4 cm zurück, der überdies etwas dunkler ausfällt als die Ziegel des Altbaus.

Vermutlich hätte es am Standort genug Ziegel auch für den Neubau gegeben, da ihm eine Reihe älterer Bauten weichen mussten. Statt den Bauschutt einfach zu entsorgen, wurden rund 230.000 Ziegel aus den Abbruchhäusern säubern und auf anderen Baustellen wiederverwendet. Diese Recyclingstrategie war einer der Gründe, warum »Utopia« das Green-Building-Label BREEAM Excellent erhalten hat. Weitere Bausteine der Nachhaltigkeitsstrategie waren ein Regenwassernutzungskonzept, Photovoltaikmodule auf dem Dach, die Verwendung von Erdwärme für die Heizung und eine Beleuchtung auf LED-Basis.

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Weitere Informationen:

Bauunternehmen:
Groep Van Roey NV, Rijkevorsel (BE)
Tragwerksplaner: UTIL Struktuurstudies, Schaarbeek (BE)
TGA-Planung: Studiebureau R. Boydens NV, Brugge Sint-Michiels (BE)
Akustik: Tractebel Engineering SA, Brüssel (BE)

 

 

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