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Ring der Erinnerung: Mahnmal in Ablain-Saint-Nazaire

Für eine Gedenkstätte für die Gefallenen des Ersten Weltkriegs in Nordfrankreich entwarf der Pariser Architekt Philippe Prost eine liegende Ellipse als begehbare Großskulptur. Nach Außen ein geschlossener Betonring, fächern sich auf der Innenseite 500 eng bedruckte Tafeln auf, die erstmalig die Namen aller Gefallenen vereinen, unabhängig von ihrer Nationalität.

Architekten:
AAPP – Agence d’Architecture Philippe Prost, Paris, Frankreich
Standort: Ablain-Saint-Nazaire, Frankreich

Agence d’Architecture Philippe Prost, Mahnmal in Ablain-Saint-Nazaire, Aitor Ortiz
Das neue Mahnmal grenzt an den Soldatenfriedhof, Foto: Aitor Ortiz

Rund zehn Kilometer westlich der nordfranzösischen Stadt Lens, am Hügel von Notre-Dame-de-Lorette, legt sich ein dunkles Band an die Hangkante, das beim Näherkommen als ringförmige Struktur erkennbar wird – der »Anneau de Mémoire«, der Ring der Erinnerung. Die Gedenkstätte für die Gefallenen des Ersten Weltkriegs liegt neben dem 1925 angelegten größten französischen Soldatenfriedhof. Das Massensterben bezeugen heute noch deutsche und britische Friedhöfe in der Region, ebenso wie das monumentale kanadische Nationaldenkmal in Vimy. Als internationale Gedenkstätte für die gefallenen Soldaten aller beteiligten Länder distanziert sich das neue, von dem Pariser Architekten Philippe Prost entworfene Mahnmal in seiner klaren Architektursprache von den oftmals heroischen Gesten der historischen Gedenkstätten.

Agence d’Architecture Philippe Prost, Mahnmal in Ablain-Saint-Nazaire
Lageplan, Grafik: AAPP
Agence d’Architecture Philippe Prost, Mahnmal in Ablain-Saint-Nazaire
Längsschnitt, Grafik: AAPP
Agence d’Architecture Philippe Prost, Mahnmal in Ablain-Saint-Nazaire, Aitor Ortiz
Das Oval schwebt auskragend über der Hangkante, Foto: Aitor Ortiz

Teils in den Hang geschoben, teils aufliegend, teils über die Hangkante auskragend schmiegt sich das 129 Meter lange, 75 Meter breite Oval in die Landschaft und vermittelt durch die dunklen Betonwände nach außen einen hermetisch geschlossenen Eindruck. Die Ringform als markantes Bild symbolisiert für Philippe Prost Einheit und Brüderlichkeit. Die weite Auskragung soll zudem daran erinnern, dass Frieden ein austarierter Zustand eines stets fragilen Gleichgewichts ist.

Agence d’Architecture Philippe Prost, Mahnmal in Ablain-Saint-Nazaire, Claudia Fuchs
Zur Straße wirkt die Gedenkstätte wie ein hermetisch geschlossener Ring, Foto: Claudia Fuchs
Agence d’Architecture Philippe Prost, Mahnmal in Ablain-Saint-Nazaire, Claudia Fuchs
Die geneigte Rasenfäche läuft unter dem Ring hindurch...
Agence d’Architecture Philippe Prost, Mahnmal in Ablain-Saint-Nazaire, Claudia Fuchs
...und öffnet das Mahnmal zur Landschaft, Fotos: Claudia Fuchs
Agence d’Architecture Philippe Prost, Mahnmal in Ablain-Saint-Nazaire, Claudia Fuchs
Ein Drittel des gesamten Rings ist auskragend, Foto: Claudia Fuchs
Die Auskragung ist als Brückenkonstruktion in Spannbeton realisiert, Foto: Claudia Fuchs

Das Oval ist zusammengesetzt aus vorgefertigten, schlank dimensionierten Wandelementen, Konsolen, Boden und Dachplatten aus ultrahochfesten faserbewehrten Beton. Der auskragende Bereich – immerhin ein Drittel des gesamten Rings – ist eine Brückenkonstruktion mit der größten Spannweite von 56 Metern, die durch Spannstähle, die in 49 der 122 Elemente integriert sind, realisiert wurde.

Agence d’Architecture Philippe Prost, Mahnmal in Ablain-Saint-Nazaire
Schnitt, Grafik: AAPP
Agence d’Architecture Philippe Prost, Mahnmal in Ablain-Saint-Nazaire, Claudia Fuchs
Detail Bodenplatten des Umgangs, Foto: Claudia Fuchs

Durch einen in das Gelände eingeschnittenen Graben gelangt der Besucher in das Innere der begehbaren Großskulptur und somit auf einen 328 Meter langen, schmalen Rundweg entlang der zickzackartig angeordneten bronzefarbenen Tafeln, in denen die Namen der 580.000 in der Region gefallenen Soldaten eingraviert sind. Als internationale Gedenkstätte vereint das Mahnmal erstmalig die Namen aller gefallenen Soldaten, ob Freund oder Feind, in alphabetischer Reihenfolge, ungeachtet ihrer Nationalität, des Dienstgrads oder Glaubens.

Agence d’Architecture Philippe Prost, Mahnmal in Ablain-Saint-Nazaire, Aitor Ortiz
Die Innenseite des Rings bilden bronzefarbene Tafeln mit den Namen der Gefallenen, Foto: Aitor Ortiz
Agence d’Architecture Philippe Prost, Mahnmal in Ablain-Saint-Nazaire, Claudia Fuchs
Der Blickbezug zum Soldatenfriedhof: der »Tour-Lanterne« von 1925, Foto: Claudia Fuchs
Agence d’Architecture Philippe Prost, Mahnmal in Ablain-Saint-Nazaire, Claudia Fuchs
Der Rundgang führt entlang der 500 Tafeln, Foto: Claudia Fuchs
Agence d’Architecture Philippe Prost, Mahnmal in Ablain-Saint-Nazaire, Claudia Fuchs
Detail der gravierten Edelstahltafeln, Foto: Claudia Fuchs

Weitere Informationen:

Architekt:
AAPP - Agence d'Architecture Philippe Prost, F-Paris
Bauherr: Région Nord-Pas-de-Calais, 151, Avenue du Président Hoover, F-59555 Lille
Tragwerksplaner:
C&E Ingénierie, F-Paris
Landschaftsplanung: David Besson Girard Paysagiste, F-Paris
Typographie:
Pierre di Sciullo
Lichtplanung: Yann Toma, Paul Marchesseau



Weitere Informationen zum Projekt finden sie in unserer Ausgabe DETAIL 2015/4 in der Rubrik "Berichte".

Stichworte:
Dieser Artikel ist aus dem Heft:
DETAIL 4/2015

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