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Rückkehr zu innerer Größe: Wohnungssanierung in Montreal

Angesichts des Schaulaufens der Lebensmittelkonzerne, das derzeit auf der Expo 2015 in Mailand stattfindet, lohnt sich eine Rückblende ins Jahr 1967. Damals waren Weltausstellungen noch echte Leistungsschauen der Architektur, aus denen regelmäßig Bauten von bleibendem Wert hervorgingen. Mit einer der bestbesuchten „Expos“ aller Zeiten beging Kanada 1967 seinen 100. Geburtstag als unabhängiger Staat. Zum Wahrzeichen der Weltausstellung avancierte der Neubau eines nur 29-jährigen Architekten, der sich seine Sporen im Büro von Louis Kahn verdient hatte: Moshe Safdie, geboren 1938 in Haifa und später mit seiner Familie nach Kanada emigriert.

Das Konzept zu „Habitat 67“ hatte Safdie schon einige Jahre zuvor im Rahmen seiner Masterarbeit an der McGill University in Montreal ersonnen. Es war eine Antwort auf eine bis heute hoch aktuelle Frage: Wie schafft man verdichteten Wohnraum in der Stadt, der dennoch möglichst viele Qualitäten des klassischen Einfamilienhauses (allen voran einen privaten Freibereich) bietet?

Für die Expo 67 modifizierte Safdie die Pläne nochmals und passte sie an den Standort an einem alten Hafenbecken an. Der Gebäudekomplex besteht aus insgesamt 354 vorgefertigten Raumzellen aus Beton, die bis zu zwölf Geschosse hoch übereinander gestapelt sind und ursprünglich 158 Wohnungen enthielten. Heute ist deren Zahl durch Zusammenlegungen auf 146 gesunken. Jede Wohnung verfügt über mindestens eine Freiterrasse.

Großzüzigkeit wiederhergestellt

48 Jahre nach der Expo haben sich die Architektin Marie-Pierre Auger Bellavance und der Lichtdesigner Gorgin S. Fazli vom Büro Studio Practice nun einer der Wohnungen angenommen. Sie hatte seit der Bauzeit bereits viele Umbauten erfahren und dabei viel von ihrer inneren Großzügigkeit verloren. Der Sichtbeton war unter Gipskarton verschwunden, der zweigeschossige Luftraum im Wohnzimmer durch eine Zwischendecke verschlossen worden.

Das Ziel der Architekten lautete, Safdies Konzept der gestapelten und gegeneinander verdrehten Kuben im Wohnungsinneren wieder erlebbar zu machen. Dazu entfernten sie sämtliche Innenwände und ersetzten sie lediglich wo nötig durch Glaswände. Die Deckenöffnung wurde wieder hergestellt und dabei auch die schmale Brücke, die die beiden Obergeschosshälften miteinander verbindet, freigelegt. Auch in den Decken- und Wandverkleidungen schufen die Architekten einige „Sichtfenster“, die den Blick auf die rohen Betonoberflächen freigeben. Die schlanken, aus einfachen Aluminiumprofilen hergestellten LED-Leuchten sind ebenso ein Eigenentwurf von Studio Practice wie die Duschwanne, die im CNC-Fräsverfahren aus Corian hergestellt wurde. An der Obergeschosswand gegenüber der Fensterfront ist ein dunkler Glasspiegel im Format 335 x 235 cm in einer Nische angebracht und verleiht dem Raum zumindest optisch zusätzliche Tiefe. Er wurde an einem Stück per Kran in die Wohnung im 9. Obergeschoss gehievt und dort an der Wand befestigt. „Das war der schwierigste Teil des ganzen Umbaus“, erinnert sich Gorgin S. Fazli. 

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