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Foto: James Brittain

Rural-urbaner Prototyp: »Enough House« in Upper Kingsburg

Um die Geschichte des »Enough House« und seines Standorts zu erzählen, muss man etwas weiter ausholen. Das heutige Shobac an der Ostküste von Nova Scotia wurde schon vor seiner europäischen Besiedlung von den Micmac-Indianern als Sommerlager und Fischgrund genutzt. Ganz in der Nähe setzte der französische Kolonisator Samuel de Champlain 1603 erstmals den Fuß auf amerikanischen Boden.

Für die Europäer war dieser Landstrich also so etwas wie der »Beginn der Neuen Welt«. Ende des 20. Jahrhunderts mutete er dagegen eher an wie das Ende der Welt: Die letzte dauerhafte Siedlung hier war einige Jahrzehnte zuvor aufgegeben worden; Wald überwucherte allmählich wieder die einstigen Viehweiden.

Dass in Shobac heute wieder eine kleine – und architektonisch überaus ansprechende Feriensiedlung steht, ist im Wesentlichen der Verdienst des in Nova Scotia geborenen Architekten Brian MacKay-Lyons. Er begann 1988 damit, das Land neu zu kultivieren und eine neue Siedlung anzulegen, die halb Feriendorf und halb Freilichtmuseum ist. Zu den knapp ein Dutzend Gebäuden in Shobac zählen diverse Ferienhäuser nach Entwürfen von MacKay-Lyons, aber auch eine achteckige Scheune und eine alt Dorfschule mit Satteldach und Holzverschalung, die der Architekt an ihrem ursprünglichen Standort ab- und hier wieder aufbauen ließ. Alle können sie heute von Feriengästen und für Veranstaltungen gemietet werden.

Das »Enough House« ist der bisher jüngste Neubau in Shobac und zugleich einer der kleinsten. Ganze 70 Quadratmeter misst das prototypische, zweigeschossige Wohnhaus mit Satteldach. Zwei Personen können hier bequem leben. Mit einfachen Mitteln lässt es sich aber auch  zu einem vollwertigen Familienwohnhaus mit 100 Quadratmetern Fläche erweitern.

MacKay-Lyons bezeichnet das Haus als  Prototypen auch für das (sub-)urbane flächensparende Wohnen. Die Cortenstahlhülle wirkt an dem wetterumtosten Standort nahe der Atlantikküste zwar ungemein stimmig; prinzipiell ließe sich aber auch jedes andere Material verwenden, so der Architekt. Dahinter verbirgt sich eine Holzrahmenkonstruktion, die im Innenraum sichtbar bleibt.

Eine große Übereck-Verglasung im Erdgeschoss und ein Panoramafenster im Obergeschoss verbinden die Wohnräume optisch mit der Landschaft ringsum. Wobei der Begriff »Erdgeschoss« relativ ist: Das Haus balanciert auf seinen auf das Grundstück ausgreifenden, betonierten Grundmauern, als sei es nur temporär dort abgestellt worden. Eine schlanke Cortenstahltreppe führt von der Terrassentür hinunter auf die Wiese. Der Haupteingang führt hingegen über einen wettergeschützten Einschnitt an der Gebäudeecke ins Haus.

Das »Enough House« ist ein Gebäude in der Schwebe: Die Hausform suggeriert Beständigkeit, der lose Bezug zum Unterbau hingegen erinnert an die »mobile homes« des nordamerikanischen  Subkontinents, die – einmal abgestellt – meist alles andere als »mobile« zu sein pflegen. In Anbetracht der Absicht des Architekten, das Haus künftig in größerer Stückzahl anfertigen zu lassen, ist diese inhaltliche Bezugnahme jedoch überaus passend. 

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Weitere Informationen:

Ingenieure: Blackwell (Renée MacKay-Lyons)
Bauunternehmer: Philip Creaser Custom Homes and Woodworking Ltd.

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