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Patkau Architects, Audain Art Museum, Whistler

Schaufenster in den Wald: Audain Art Museum in Whistler

Es ist die klassische Story, wie heutzutage Museen entstehen: Ein wohlhabender Kunstsammler und Mäzen – in diesem Fall der Bauunternehmer Michael Audain – beschließt, seine Sammlung der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Die Stadtverwaltung – in diesem Fall der Skiort Whistler nördlich von Vancouver – stellt ihm dafür ein Filetgrundstück zur Verfügung. Die Öffentlichkeit darf hoffen, dass der Auftrag an einen begabten Architekten geht und das Ergebnis sich behutsam ins bestehende Stadtbild einfügt.

Im Fall des Audain Art Museums sind die Hoffnungen weitgehend in Erfüllung gegangen, wobei »Stadtbild« ein relativer Begriff ist: Der langgestreckte Neubau besetzt eine ehemalige Lichtung in einem innerstädtischen Waldstück unweit des Fitzsimmons Creek. Die Lage im Grünen und im jahreszeitlichen Überschwemmungsgebiet bewog die Architekten, den Neubau um ein Geschoss über das Gelände anzuheben. Quer durch den Gebäuderiegel führt überdies eine öffentliche Treppe, über die Besucher vom Museumsparkplatz auch direkt Richtung Flussufer gelangen, ohne das Museum überhaupt zu betreten.

Der langgestreckte Baukörper ist im Grundriss L-förmig abgeknickt und außen komplett in eine Stehfalzdeckung aus dunklem Blech gehüllt. Er wird von sechs kolossalen Stützen getragen, von denen drei Fluchttreppen und Nebenräume enthalten. Das steile Dach ist tief heruntergezogen und besitzt keine Dachrinne. Eine solche wäre mit den enormen Niederschlagsmengen – in Whistler fallen pro Winter gut und gern fünf Meter Schnee – vermutlich auch überfordert.

Die Dach- und Deckenunterseiten sowie der zentrale Treppenraum sind hingegen wie mit einem Futteral mit Hemlock-Tannenholz ausgekleidet. Rechter Hand von der Freitreppe führt der Haupteingang in die Museumslobby, die sich mit einem riesigen Panoramafenster zu den Baumkronen draußen öffnet. Bei der Grundrisskonzeption standen die Architekten vor dem Dilemma, dass sie den Besuchern gern Ausblicke in die Natur bieten wollten, die ausgestellten Werke jedoch kein Tageslicht vertragen. Die Museumssäle werden daher über einen an der Flusseite vorgelagerten, verglasten Korridor erschlossen. Sie selbst liegen in der Gebäudemitte und sind als fensterlose »white cubes« konzipiert.

Insgesamt rund 1300 Quadratmeter misst die Ausstellungsfläche auf der unteren Ebene. Hier ist die Dauerausstellung mit der Sammlung des Stifters zu sehen, die Werke kanadischer Künstler sowie Masken der indianischen Ureinwohner aus British Columbia umfasst. Im Dachgeschoss kommen nochmals 550 Quadratmeter für Wechselausstellungen sowie Lagerräume, Werkstätten und Büroräume für die Museumsverwaltung hinzu. Letztere erhalten Tageslicht durch große Dachoberlichter. Die Abfolge der Museumsräume endet in einer »Viewing Lounge« an der nordöstlichen Giebelseite des Hauses, von wo aus die Besucher ein letztes Mal den Ausblick in den Wald genießen können.

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Weitere Informationen:

Tragwerksplanung: Equilibrium Consulting
TGA-Planung: Integral Group
Lichtplanung: HLB Lighting Design
Landschaftsarchitektur: PFS Studio/Tom Barratt
Fassadenplanung: Spratt Emanuel Engineering
Ausstellungsarchitektur: Bricault Design
Bauunternehmen: Axiom Builders

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