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Schichten einer Region

Das Ruhrgebiet ist in vielerlei Hinsicht eine einzigartige Region - in der Entwicklung zu einem der größten europäischen Ballungsräume der Schwerindustrie ebenso wie im Strukturwandel zu einer Technologie- und Dienstleistungsregion. Die Kartenstücke "Schichten einer Region" des Fachgebiets Städtebau, Stadtgestaltung und Bauleitplanung der TU Dortmund veranschaulichen einzelne thematische Schichten des Ruhrgebiets in Karten, Grafiken und textlichen Erläuterungen.

Kartenstücke "Schichten einer Region"

Forschungsprojekt und Publikation herausgegeben von Christa Reicher, Klaus Kunzmann, Jan Polivka, Frank Roost, Yasemin Utku, Michael Wegener

Schichten einer Region - Kartenstücke zur räumlichen Struktur des Ruhrgebiets; JOVIS Verlag, Herausgeber: Christa Reicher, Klaus R. Kunzmann, Jan Polívka, Frank Roost, Yasemin Utku, Michael Wegener;248 Seiten mit 350 farb. und 5 s/w Abb. Abbildungen; Hardcover; Euro 48.00; ISBN 978-3-86859-113-2

Die Kartenstücke "Schichten einer Region" gehen über die bisher bekannten Darstellungen hinaus und zeigen überraschende Strukturen und Prozesse des aktuellen Wandels in siedlungsgeographischer, ökonomischer, landschaftlicher, ökologischer sowie sozialer und baulicher Hinsicht. Ziel ist es, neue Blickwinkel und Betrachtungsweisen des Ruhrgebiets zu eröffnen. Die zusammenführende Darstellung liefert eine Grundlage zur weiterführenden Diskussion über die Gestaltung der Region.

Regionen, die sich aus einer Vielzahl von einzelnen Städten zusammensetzen, sind kein Sonderfall. Im Rahmen des globalen Urbanisierungsprozesses haben sich Städte verstärkt in großen Agglomerationen organisiert.

Ausstellung

Dabei sind weiträumige und dennoch dicht besiedelte Städteregionen entstanden, die mitunter gänzlich ohne Millionenstädte auskommen. Das Ruhrgebiet steht im deutschsprachigen Raum nahezu paradigmatisch für den Typus der polyzentrischen Agglomeration. Aber wie sieht diese polyzentrische Struktur im Ruhrgebiet tatsächlich aus, jenseits der gefühlten Eindrücke und bisherigen Erfahrungen? Welche unterschiedlichen Schichten prägen die Region und ihre einzelnen Teilbereiche? Und welche möglichen Entwicklungspfade lassen sich aus diesen spezifischen Eigenarten ableiten? Diese und weitere Fragen rief eine Ausstellung im Juni 2011 auf und liefert hierzu Antworten in Karten, Illustrationen und Grafiken. Die Publikation im Jovis Verlag dokumentiert nun die Ergebnisse.

Das Ruhrgebiet ist - und dies hat die detaillierte Recherche gezeigt - in vielerlei Hinsicht eine einzigartige Region: In der Entwicklung zu einem der größten europäischen Ballungsräume der Schwerindustrie ebenso wie im Strukturwandel zu einer Technologie- und Dienstleistungsregion. Dieser Prozess hat sichtbare Spuren hinterlassen, in Schichten und Strukturen z. B. in ökonomischer, landschaftlicher, sozialer, baulicher und kultureller Hinsicht. Um diese Zusammenhänge einer interessierten Öffentlichkeit zu vermitteln, haben Städtebauer und Wissenschaftler der Fakultät Raumplanung der Technischen Universität Dortmund mit dem ILS Dortmund und Planern aus der Region seit 2009 ein kommentiertes Kartenwerk erstellt, das die Herausforderungen und Chancen benennt bzw. auf aktuellem Stand beschreibt und zugleich auch Ansätze für die Weiterentwicklung der strukturellen und baulich-räumlichen Besonderheiten des Ruhrgebiets aufzeigt und vertieft.

Kartenstücke zur räumlichen Struktur des Ruhrgebiets

Sieben Schichten des Ruhrgebiets werden in der Publikation visualisiert und illustriert:

Das Ruhrgebiet, eine andere Metropole: Die Dimensionen der 4000 qkm großen Stadtlandschaft zwischen Ruhr und Lippe, zwischen Hamm im Osten und Kamp-Lintfort im Westen machen die Herausforderungen sichtbar, die diese Region zu bewältigen hat, wenn sie die von der Montanindustrie verursachten Narben verdecken oder auch nur überbrücken will. Kartenstücke aus anderen großen Städten und Metropolen in der Welt zeigen die Andersartigkeit des Ruhrgebiets; sie zeigen, dass das Ruhrgebiet zwar ähnliche Dimensionen wie andere Metropolen hat, aber dass ihre im Vergleich kleinräumige polyzentrische Struktur andere ordnende und entwickelnde Strategien erfordern.

Kerne, Adern und Ränder: Die Siedlungs- und Bebauungsstruktur des Ruhrgebiets ist das Ergebnis von historischen Prozessen, die im Verlauf von über 100 Jahren aus einem ehemals landwirtschaftlich geprägtem Raum eine Industrielandschaft geschaffen haben. Ein dichtes Netz von Straßen verbindet Hunderte von kleinen und größeren Ortskernen, die jeweils ihre eigene Identität haben. Was das Ruhrgebiet von anderen Stadtlandschaften in Deutschland unterscheidet sind seine vielen inneren Stadtränder, die die Siedlungsflächen von Flächen abgrenzen, die andere sehr heterogene Funktionen haben, sei es weil sie industriell und für Lagerhaltung und Logistik genutzt sind, weil Trassen der Energieversorgung eine Bebauung unmöglich machen, weil sie als Abstandsflächen zu regionalen Verkehrskorridoren dienen, aber auch weil sie an die regionalen Grünzüge angrenzen, die seit über 50 Jahren Anliegen der Planer waren und sind.

Polyzentrische Aktionsräume: Regionale Mobilität im Ruhrgebiet ist Voraussetzung für Wirtschaft und Bevölkerung. Die Kartenstücke zeigen Lage und gute Erreichbarkeit des Ruhrgebietes in Europa und Deutschland. Die unterschiedlichen Dimensionen des Verkehrssystems und der Mobilität in der Region werden dargestellt. Die Karten zeigen aber auch, wie nachhaltige Mobilität durch die integrierte Planung von Siedlungsstruktur und Verkehrsystemen in dieser polyzentrischen Stadtlandschaft erreicht werden kann.

Ethnische und soziale Vielfalt: Die ethnische Vielfalt hat Tradition im Ruhrgebiet. Schon die Montanindustrie hatte immer Bedarf an Arbeitskräften, die sie oft nur aus dem Ausland anwerben konnte. Die Region hatte immer einen hohen Anteil an Migranten. Aber auch der im Vergleich zu anderen deutschen Stadtregionen vergleichsweise niedrige Bildungsgrad der regionalen Bevölkerung ist ein Erbe der langen Dominanz der Großindustrie. Doch der Strukturwandel in der Region blieb nicht ohne Folgen für die Bevölkerungsdynamik und die wirtschaftliche Entwicklung. Überalterung ist auch im Ruhrgebiet eine Herausforderung, ebenso wie die zunehmende kleinräumige Segregation. Das Entstehen einer eigenständigen ethnischen Ökonomie an den Wohnstandorten von Migranten ist eine neue Chance für die wirtschaftliche Entwicklung des Ruhrgebiets. Die Karten zeigen dies, aber auch die religiöse Pluralisierung und die soziale Heterogenität unterschiedlicher Milieus in der Region.

Die Landschaftsmaschine Ruhr: Durch das Zusammenwirken der naturräumlichen Bedingungen und menschlichen Wirtschaftens im Ruhrgebiet entstand über die Jahrhunderte eine sehr komplexe Landschaftsmaschine, die das Ruhrgebiet formte und noch immer formt. In dieser Landschaftsmaschine strömen Stoff- und Energiekreisläufe und entstehen neuartige Landschaften. Diese Landschafts-maschine öffnet einen neuen Blick auf die Zusammenhänge zwischen natürlichen Bedingungen und menschlichen Wirtschaftens in der Region. Die Kartenstücke zeigen die Wechselwirkungen zwischen den Eingriffen in die topgraphischen Verhältnisse des Ruhrgebiets und dessen Auswirkungen auf das Wassersystem. Sie zeigen die Wasser- und Abwasser-Maschinen, die die Siedlungsentwicklung der Region immer sehr beeinflusst haben. Sie illustrieren schließlich auch die neuen Tal- und Berglandschaften die sich in dieser von der Industrie so stark ausgebeuteten Landschaft herausgebildet haben.

Laboratorium des Strukturwandels: Wie in wenigen anderen Regionen in Deutschland sind im Ruhrgebiet die Folgen des strukturellen Wandels für die Raum- und Siedlungsstruktur besonders sichtbar. Es ist der Wandel von einer fast monostrukturell wirkenden Montanindustrie zu einer Wirtschaft, die zwar noch immer von dem Erbe dieser Industrie geprägt ist, die sich aber inzwischen zu einer sehr diversifizierten Struktur von Gewerbe, Wirtschaft, Handel und Dienstleistungen gewandelt hat. Die neue wirtschaftliche Struktur des Ruhrgebiets besteht aus einer Vielzahl von Klein- und Mittelbetrieben, die sich aus der jahrzehntelangen Abhängigkeit von der Montanindustrie gelöst haben, und neue zukunftsorientierte Felder wirtschaftlicher Tätigkeit gefunden haben. Die Kartenstücke zeigen den sektoralen Wandel, die Modernisierungsprozesse, und die neuen zukunftsorientierten Kompetenzen des Ruhrgebiets.

Handlungsräume: Es war immer schwierig, die Stadtlandschaft als eine einheitliche Handlungsregion zu sehen. Zu unterschiedlich waren die Interessen der großen, mittleren und kleinen Städte im Ruhrgebiet. Die gesamte Region ist ein Mosaik von sehr unterschiedlichen Handlungsräumen, die ihre jeweiligen Funktionen erfüllen und ihre eigenen Interessen vertreten, ohne dass sie von einer überdachenden regionalen Institution in ihrem Tun und Wirken geleitet werden. Die inneren Raumbilder der Region unterscheiden sich mit den jeweiligen Perspektiven, die äußeren Raumbilder sind oft von Vorurteilen geprägt, deren Bilder in der industriellen Geschichte der Region ihre Wurzeln haben.

Auf der Grundlage dieser sieben "Schichten" und der dort sichtbaren Herausforderungen werden Explorationen in die Zukunft der Region vorgestellt. Diese Ruhrkünfte basieren auf der spezifischen Urbanität des Ruhrgebiets. Sie sollen Hinweise geben, wie die heterogene polyzentrische Stadtlandschaft gestaltet werden kann, welche Ziele und Prinzipien raumbezogene Planungs- und Entscheidungsprozesse verfolgen sollten und wie diese Ziele in der täglichen Praxis auch umgesetzt werden können.

Weitere Informationen erhalten Sie hier

Bildrechte: TU Dortmund, Fakultät Raumplanung, FG Städtebau, Stadtgestaltung und Bauleitplanung

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