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Gemeinde Schengen, Valentiny hvp architects

Schiffsrumpf mit Schengener Putz: Valentiny Foundation in Remerschen

Nirgends wirkt Europa beschaulicher als in der Weinbauregion an der Mosel südlich von Trier. Und doch wurde hier – genauer: im kleinen luxemburgischen Grenzort Schengen – in den 90er-Jahren Geschichte geschrieben. Weniger bekannt ist, dass in dem zu Schengen gehörenden Nachbardorf Remerschen eines der bekanntesten Architekturbüros Luxemburgs seinen Sitz hat. Valentiny hvp architects muss man in ihrem Heimatland niemandem mehr vorstellen; sie zeichneten unter anderem für den Luxemburger Expo-Pavillon 2010 in Shanghai verantwortlich. In Deutschland dürfte vielen noch ihr skulpturaler »Turm der Träume und Sehnsüchte« zur Landesgartenschau 2003 in Trier in Erinnerung sein.

Mit der Gründung der Valentiny Foundation verfolgt Bürogründer François Valentiny ein mindestens dreifaches Ziel: Die Stiftung und das Gebäude, in dem sie residiert, sollen sein eigenes künstlerisches Erbe bewahren, die Architekturausbildung in Luxemburg fördern und den Architekturdiskurs in der Moselregion voranbringen. Ganz nebenbei soll auch der Tourismus im deutsch-französisch-luxemburgischen Dreiländereck gefördert werden.

Dementsprechend umfasst das Raumprogramm eine Dauerausstellungsfläche für die Zeichnungen, Gemälde, Modelle und Skulpturen Valentinys, einen Bereich für Wechselausstellungen und Seminarräume. Sogar zwei getrennte Eingänge – einen für den Ausstellungs- und einen für den Seminarbetrieb – hat das Haus.

Das Gebäude steht am nördlichen Ortstand von Remerschen, ein wenig zurückgesetzt an einer Straßengabelung. Der organisch geformte Neubau streckt sich schiffsbugartig der Straße entgegen und »umarmt« zugleich ein Bestandsgebäude, in dem früher die Grundschule des Winzerdorfs untergebracht war. Heute haben dort die Neben- und Seminarräume ihren Platz gefunden. Der neue Gebäudeteil beherbergt größtenteils Ausstellungsflächen auf zwei Ebenen, deren obere stellenweise von der Fassade zurücktritt und die Räume so umso offener und großzügiger wirken lässt.

Mit seiner gekrümmten Außenwand und den linsenförmigen Fenstern (die Architekten sprechen von »Katzenaugen«) zeigen die zweigeschossige Bereiche unverkennbare Anklänge an Konstantin Melnikovs legendäres Wohn- und Atelierhaus in Moskau. Äußerlich spricht der Neubau in Remerschen jedoch eine ganz andere, freie Formensprache. An den Eingängen scheint die Fassade wie eingeschnitten und zurückgeklappt. Ihre konvexe Krümmung, die oben in einem präzisen Dachrand endet, wurde mit Methoden des Schiffsbaus hergestellt. Getragen wird die Fassade von vertikalen, gekrümmten Holzspanten mit dazwischen liegender 180 mm starker Dämmung. Innen erhielt die Fassade eine zusätzliche Installationsebene mit Gipskartonverkleidung und außen einen sogenannten »Schengener Putz«. Dieser traditionelle Werkstoff aus Kalkzement und Moselsand war ursprünglich an den alten Bauernhäusern der Moselregion zu finden. Im Fall der Valentiny Foundation ist er auf einen Putzträger aus zementgebundenen Holzwolle-Leichtbauplatten aufgetragen.

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 Weiter Informationen:

Projektleiter:
GG Kirchner
Bauleitung: Jarrid Engel
Tragwerksplaner: Au Carre
Haustechnik: Jean Schmit Engineering
SiGeKo: E3 Consult

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