You are using an outdated browser. Please upgrade your browser to improve your experience.

print article Artikel drucken
Foto: Jon McNeal

Schöne neue Welt: SFMOMA von Snøhetta

Eine große Nebelwolke liegt ruhig hinter dem massiven, geometrischen San Francisco Museum of Modern Art. Eine Nebelwolke, wie sie häufig in der Bucht von San Francisco zu finden ist, grau, undurchsichtig, unklar. Doch diese Wolke erhält ihre Optik durch Kunststoffpaneele an der Fassade. Sie liegt so statisch, da es sich hierbei um das neue SFMOMA handelt, von den norwegischen Architekten Snøhetta entworfen.

Die markante Fassade wurde genauer mit 700 glasfaserverstärkten Kunststoffpaneelen (FRP - fiberglass reinforced polymer) besetzt. Mit den beigemischten Silikat-Kristallen und ihrer mäandernden Oberflächenstruktur sollen sie wie die sich kräuselnde Wasseroberfläche in der Bucht aussehen. Die Anmutung einer Wolke erhält das Gebäude aber zusätzlich durch seine liegende Form. Trotz der zehn Geschosse, die es beherbergt, ist es breiter als hoch. Somit wiedersetzt es sich klar der vorherrschenden Bebauung in SoMa, dem Stadtviertel, in dem es steht. Damit wollten die Architekten auch ein Zeichen gegen den Kommerz setzten, der immer mehr Einzug hält. Ihrer Meinung nach wird er von diesen vertikal ausgerichteten Bauten verkörpert. Nicht zuletzt hielt der wirtschaftliche Erfolg aber dank Mario Bottas Bau für das SFMOMA Einzug in das Viertel.

Verbindung zweier Giganten
Als 1988 ein Entwurf gesucht wurde, genoss Botta vor allem in Europa einen guten Ruf. Trotzdem setzte er sich gegen weltweit renommierte Architekten wie Frank Gehry und Tadao Ando durch. Mit einfachen Formen und klarer Geometrie sollte sich sein Bau abheben, von den abstrakten und baufälligen Gebäuden im Umfeld. Er arbeitete mit Materialien, die noch nicht von der Industrialisierung zeugten, wie Ziegel, Holz und Naturstein. Charles Jencks veranlasste das dazu, Botta als postmodernen Klassizisten zu kategorisieren. Wie auch immer man den Stil benennen möchte, es lässt sich nicht bestreiten, dass es das Verdienst des massiven Botta-Baus war, durch seine Präsenz und seine ambivalenten Reaktionen bei den Bürgern den Stadtteil SoMa nachhaltig zu verändern. Er hat sich über die Jahre zu einem Magneten für Kunst und Kultur entwickelt. Craig Dykers, Mitbegründer von Snøhetta, findet diplomatische Worte: »Das Gebäude hat sein Ziel erreicht und ist wie ein Meteorit in SoMa eingeschlagen. Dadurch hat es die Entwicklung in diesem Viertel erst angestoßen.« Dykers betont außerdem seine Bemühungen, mit dem Neubau eine visuelle Verbindung zum alten SFMOMA zu schaffen. So sei zum Beispiel die gekräuselte Fassade auch angelehnt an die verschiedenen Anwendungen von Ziegelmauerwerk bei Botta. Die Farbe der Fassade ahme nicht nur den Nebeldunst nach, sondern wolle auch eine Analogie zum Granit des schwarz-weißen Oberlichtturms herstellen. Trotz all dieser Bemühungen weiß Mario Botta bisher nichts positives über den Neubau zu sagen. Er halte seinen Entwurf nicht in Ehren, wie eine stumme Wand stehe er da. Diesen Eindruck habe er allerdings nur von Abbildungen in der Zeitung gewonnen. Es bleibe noch zu hoffen, dass das realisierte Gebäude ihn eines besseren belehrt.
Abgesehen von diesen Meinungsverschiedenheiten verfolgt Snøhetta mit dem Entwurf aber ein ähnliches Ziel wie Botta 1988: Durch neue Fußgängerwege, mehrere Terrassen, die Ausblicke auf die Umgebung erlauben und neue Eingänge soll das Stadtviertel SoMa auch dieses Mal von einem Bauprojekt profitieren. Das Gebäude soll einladender wirken. Durch Skulpturen auf den Freiluftflächen wird die Kunst geradezu mit der Stadt verwoben.

Der Weg nach oben

Die Stadtbewohner werden auch ganz konkret eingeladen, das Museum als Treffpunkt und Aufenthaltsort zu nutzen. Von einem der neuen Eingänge aus gelangt man in die frei zugänglichen Ausstellungsräume im Erdgeschoss. Dort dient eine in Ahorn gekleidete Treppe, welche die gesamte Raumbreite nutzt, als Sitzgelegenheit in ungezwungener Atmosphäre. Die Architekten sehen sie zukünftig als einen der belebtesten Plätze San Franciscos. Ein anderer Weg führt über eine neue skulpturale Treppe, die nun im Botta-Bau unter dem Oberlicht empor wächst. Ihre Stufen nehmen die grauen Streifen des Bodenbelags wieder auf, während sich die helle Ahornverkleidung deutlich absetzt. Eine alte Treppe wurde an dieser Stelle ersetzt, um einen nahtlosen Übergang vom bestehenden in das neue Gebäude zu schaffen. Genau wie die oben genannte Sitztreppe führt auch dieser Weg in den zweiten Stock, in die Schwab-Halle. Auch hier sind schon erste Kunstwerke zu sehen. Für den weiteren Weg hoch ins Museum kann dort dann auch ein Ticket erworben werden.

Im besten Falle arbeitet sich nun der Besucher also durch die zehn Stockwerke des Museums, von unten aufsteigend. Dabei wechseln sich auf seinem Weg Kunstwerke mit frischer Luft und Aussichtspunkten ab. Schon im dritten Stock befindet sich auf der Terrasse ein sehr besonderes Kunstwerk: Amerikas größter Wandgarten mit mehr als 19.000 Pflanzen aus 21 dort heimischen Arten. Abgesehen von dieser grünen Wand, fungieren die restlichen Ausstellungsräume als »weiße Leinwände für Kuratoren«. In enger Zusammenarbeit mit der Museumsleitung sind für jeden Teil der Sammlung die passenden Räumlichkeiten entstanden. Dabei blieben die säulenfreien Grundrisse so flexibel und minimalistisch wie möglich, ohne zu groß zu geraten. So können sich die Besucher optimal auf die Kunst konzentrieren.

Erweitertes Kunsterlebnis

Zusätzlich zu den fantastischen Sammlungen wurde auch das Bildungsangebot des SFMOMA aktualisiert. Nun können Schüler, Lehrer und andere Wissbegierige die Bücherei und Unterrichtsräume nutzen. Auch die Generation der Digital Natives wird mit dem neuen Museumskonzept willkommen geheißen: Eine eigene App lässt Komponisten, Komiker, Künstler, Autoren und andere in kurzen Stellungnahmen zu Wort kommen. Obwohl sich das Museum mit seiner Kubatur den kommerziellen Gebäuden widersetzt, führt kein Weg an dem ausgebauten Museumsladen vorbei. Durch eine Außenstelle ist er sogar am Flughafen von San Francisco vertreten, um dort auch noch die ausreisenden Kunstliebhaber mit Souvenirs zu versorgen.

Energetisch vorbildlich
Mit einem niedrigen Verbrauch arbeitet der Neubau von Snøhetta auf das LEED Gold-Zertifikat hin. Die Räume des Museums werden nur mit LEDs beleuchtet. Es wird in Zukunft 46% weniger Energie verbrauchen und sogar 60% weniger Trinkwasser, als zuvor. Der große Wandgarten zum Beispiel wird vom Wasserrückgewinnungssystem des Gebäudes gespeist.

Kurze Werbepause

Weitere Informationen:

Baukosten: 305 Mio. $
Gesamtfläche: 235.000 m2
Auswahl der Architekten: September 2010
Baubeginn: Juni 2013

Eine ausführliche Print-Dokumentation finden Sie in unserer Ausgabe DETAIL 11/2017.

Aktuelles Heft
DETAIL 11/2017
DETAIL 11/2017

Material und Oberfläche

Zum Heft
Shop-Empfehlung
Anzeige