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RIBA International Prize, Grafton Architects, Foto: Iwan Baan

Sensibler Brutalismus: Grafton Architects gewinnen RIBA International Prize

Herbstzeit ist Preisverleihungszeit – auch und gerade in der Architekturwelt. Nur wenige Tage nachdem in Berlin die Preise des World Architecture Festivals verliehen worden waren, gab die britische Architektenvereinigung RIBA den Gewinner ihres »International Prize« bekannt. Erstmals hatte das Royal Institute of British Architects 2016 den Preis ausgelobt, der Architekten und Gebäuden aus aller Welt unabhängig von ihrem Bürositz oder ihrer Mitgliedschaft in der RIBA offensteht.

Aus mehreren 100 Einreichungen hatte die RIBA zunächst eine Longlist aus 30 Gebäuden zusammengestellt, die jeweils von einem Juror und einem örtlichen Architekten besichtigt wurden. Aus der Ortsbegehung kristallisierte sich eine Shortlist aus sechs Projekten heraus, die von einer »Grand Jury« ein zweites Mal vor Ort in Augenschein genommen wurde. Diesem Auswahlgremium gehörten Richard Rogers (Rogers Stirk Harbour + Partners), Kunlé Adeyemi (NLÉ), Billie Tsien (Tod Williams Billie Tsien Architects), Philip Gumuchdjian (Gumuchdjian Architects) sowie Marilyn Jordan Taylor (SOM; ehemalige Dekanin der University of Pennsylvania) an.

Am Ende des langen Auswahlprozesses stand ein Bildungsbau als Sieger fest, den ein irisches Architekturbüro in Lima entworfen hat. Die Universidad de Ingeniería y Tecnología (UTEC) steht am Rande eines ruhigen Wohnviertels in der peruanischen Hauptstadt. Im Norden führt in einem Taleinschnitt eine viel befahrene Stadtautobahn vorbei, südlich schließen sich vor allem kleinere Wohngebäude an. Richtung Westen ist es nicht weit bis zum Pazifischen Ozean.

Für diesen exponierten Bauplatz schufen Grafton Architects gemeinsam mit ihren örtlichen Partnerarchitekten Shell Arquitectos einen Gebäudekomplex mit zwei radikal unterschiedlichen Ansichten. Nach Norden, zur Autobahn hin, ragt der »vertikale Campus« mit der vollen Höhe seiner zwölf Geschosse empor. Gebäudehohe Schottenwände tragen ein auskragendes, Schatten spendendes Dach. Im Süden hingegen treppt sich das Gebäude mit einer Reihe begrünter Dachterrassen zum Wohnviertel hin ab.

Die überzeugende Geste des großen, perforierten Betonvolumens basiert vor allem auf zwei Entwurfsstrategien. Zum einen sind die Nutzungen im Haus so gestaffelt, dass große Raumvolumina wie die Hörsäle unten liegen und kleinere (vor allem die Verwaltungsbüros) oben. Auf diese Weise entstand die sich nach oben hin verjüngende Gebäudesilhouette gleichsam von selbst.

Zum anderen machten sich die Architekten das milde Klima in Lima zunutze. Obwohl die Stadt in der peruanischen Küstenwüste liegt, sorgt der kühlende Humboldtstrom im Pazifik dafür, dass die Tagestemperaturen das ganze Jahr über zwischen 20 und 30 °C liegen. Beste Voraussetzungen also, um sämtliche Erschließungswege im Freien statt innerhalb des konditionierten Gebäudevolumens zu führen. Das »piranesianische« Raumgefüge der Galerien, Treppenläufe und Höfe, das auf diese Weise an der Nordseite des Gebäudes entstanden ist, trägt viel zu dessen Faszinationskraft bei.

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Weitere Informationen:

Tragwerksplaner: 
GCAQ Ingenieros Civiles

Energiekonzept: BDSP

TGA-Planung: Gutierrez Cantillo Ingenieros

Elektroplanung: 
AT Consultores

Landschaftsarchitekten: Paisaje Vivo

Akustikplaner: Jimenez & Moreno

Stichworte:
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