You are using an outdated browser. Please upgrade your browser to improve your experience.

print article Artikel drucken

Sinnliches Meisterwerk: Kirche des Lichts von Tadao Ando in Ibaraki (1991)

Tadao Andos vielleicht berühmtestes Bauwerk ist leicht zu übersehen: In einem Wohngebiet 25 km außerhalb des Zentrums von Osaka, ganz in der Nähe des Expo-Geländes von 1970, steht die Ibaraki Kasugaoka Kyōkai. Bekannter ist sie weltweit unter ihrem englischen Namen „Church of the Light“. Mit seinen 113 m2 Grundfläche ist der Kirchenbau kaum größer als ein Wohnhaus – und das wiederum nimmt nicht wunder in einem Land, in dem gerade einmal 1% der Bevölkerung dem christlichen Glauben anhängen. „Für die meisten Japaner ... ist eine Kirche vor allem eine Einrichtung, um im westlichen Stil heiraten zu können“, schreibt Keiko Arima in einem Beitrag über die Church of the Light 2011 in Detail. Schon seit den 70er-Jahren hatte sich der Architektur-Autodidakt Ando mit seiner Vorliebe für komplexe Geometrien, raffinierte Lichtführung und fein gearbeitete Sichtbetonoberflächen international einen Namen gemacht. Bei dem 1989 fertig gestellten Gotteshaus in Ibaraki kondensiert er diese Haltung nun gewissermaßen auf ihre Essenz, auf engstem Raum und ohne die Formverliebtheit, die manche seiner größeren Bauten auszeichnet.

Kreuz aus Licht
Rund 18 m lang, 6 m breit und 7 m hoch ist der schlichte Betonquader an einer Straßenkreuzung. Der Zugang führt wie so oft bei Ando nicht frontal ins Haus, sondern an der Längsseite in einen kleinen, spitz zulaufenden Vorraum. Eine nicht ganz raumhohe Sichtbetonwand, die den Baukörper in einem Winkel von 15° schneidet, trennt diesen vom eigentlichen Kirchenschiff. Der Hauptraum weitet sich horizontal und durch den treppenartig ansteigenden Eichenfußboden mit den Kirchenbänken auch vertikal zur Altarwand. Ein formatfüllendes Kreuz aus 25 cm breiten Schlitzfenstern zerteilt diese Wand in vier Segmente und bildet zugleich das einzige, wenngleich alles dominierende Element der christlichen Ikonografie im Raum. Auf nachgerade geniale Weise, allein mit den Mitteln der Architektur, weist Ando hier unübersehbar auf die Zweckbestimmung des Baus hin. Um den starken – und auf Fotos des Innenraums unübersehbaren – Hell-Dunkel-Kontrast dieses „Kreuzes aus Licht“ noch zu steigern, liegt die Altarwand nicht wie im Kirchenbau üblich im Osten, sondern ist nach Süd-Südosten ausgerichtet. Für die Wände und Decken verwendete Ando sein „signature material“: Sichtbeton, strukturiert durch Schaltafeln im Tatami-Format von rund 90 x 180 cm, deren Anordnung ebenso millimetergenau vorgegeben ist wie jene der Ankerlöcher. Dass Ando seinen Entwurfsprinzipien auch in den Folgejahren treu blieb, lässt sich ebenfalls in Ibaraki verifizieren: Kurz vor der Jahrtausendwende stellte der – inzwischen mit dem Pritzker-Preis dekorierte – Architekt seiner Kirche den ebenso fein gearbeiteten Neubau einer Sonntagsschule für die Gemeinde zur Seite. 

Online-Datenbank DETAIL inspiration

Die vierseitige Projektdokumentation über die Kirche mit dem Licht finden Sie in unserer digitalen Datenbank DETAIL inspiration. Die Bild- und Referenzdatenbank unterstützt Sie bei der Suche nach Baulösungen über visuelle Inspiration – lösungsorientiert, kontextrelevant und punktgenau. Mit über 5.800 dokumentierten Projekten aus 60 Jahren DETAIL ist DETAIL inspiration eine hochwertige Recherche- und Inspirationsquelle für Architekten und Bauingenieure. Durch laufende Updates wird die Datenbank ständig erweitert und liefert Ihnen dank ihres klar strukturierten Such-und Auswahlsystems schnelle Ergebnisse. Lernen Sie die DETAIL inspiration im Video kennen! 

Link zur Projektseite der DETAIL inspiration Datenbank

> Jetzt die Online-Datenbank für Architekten und Bauingenieure einen Monat kostenlos testen

Dieser Artikel ist aus dem Heft:
/0
Kistefos Museum, Oslo, BIG

Let’s twist again: Kistefos Museum bei Oslo von BIG

Zum Heft
Shop-Empfehlung
Anzeige

ARCHITEKTUR & DESIGN

Detail Newsletter

Wir informieren Sie regelmäßig über internationale Projekte, Neuigkeiten zu Architektur - und Designthemen, Research und aktuellen Veranstaltungen in unserem Newsletter.