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Alexander Gempeler, ssm Architekten, Messer, Bestattungshaus, Solothurn, Schweiz

Skulptur des Gedenkens: Wohn- und Bestattungshaus Solothurn

An einem Ort zu feiern, zu streiten, zu wohnen und zu leben, an dem täglich Hinterbliebene Abschied nehmen, die Bestattungszeremonie vorbereiten und grundsätzlich Trauer den Alltag begleitet, mag für manch einen makaber erscheinen. Zudem verlangt die markante Lage des Grundstücks an einer großen, geräuschvollen Kreuzung am Stadteingang von Solothurn, einen repräsentativen Auftritt, der jedoch aufgrund der andächtigen Nutzung nicht zu pompös ausfallen darf. Diese eigentlich widersprüchliche Situation meistern ssm architekten mit einer feinfühligen Architektur und umsichtigem Städtebau: Der gewerbliche Teil des Ensembles legt sich winkelförmig an den Straßenraum, ist somit Aushängeschild des Unternehmens und dient zugleich als Sicht- und Schallschutz für das rückwärtige Wohnhaus. Außerdem umfasst das Geschäftshaus den ruhigen und privaten Innenhof, zu dem sich alle Räume des Wohnbereiches hin orientieren. Die Gebäude sind in Massivbauweise ausgeführt, was den Volumen monolithisches Selbstbewusstsein sowie die städtebaulich nötige Ausstrahlung verleiht. Die mit OSB-Platten geschalte Sichtbetonfassade des nahezu fensterlosen Gewerbehauses sowie die organisch perforierte Metallfassade des Haupteingangs erzeugen bei dem skulpturalen Entwurf eine dezente Subtilität.
Die Besucher werden im Westen von einem aus der Fassade hervortretenden, schützenden Rahmen mit golden hinterlegtem Relief empfangen und in einen freundlichen Vorraum mit Blick nach draußen geführt. Der familiäre und helle Abschiedsraum verfügt über 50 Sitzplätze und steht allen Angehörigen jeglicher Religion oder Kultur offen. Der eigentliche Aufbahrungsraum ist für die Hinterbliebenen über ein elektronisches Schließsystem immerzu begehbar. Dieser verständnisvolle und diskrete Umgang mit der Kultur des Verabschiedens, unterstützt von einer sensibel durchdachten Architektur, begleitet Familien, Freunde und Bekannte pietätvoll durch die Bestattungsprozedur.
Das zweigeschossige, vor Verkehrslärm geschützte Wohnhaus auf der Rückseite, wird eigenständig von Norden erschlossen. Im Erdgeschoss sind der Wohn-Essbereich mit offener Küche sowie ein Gäste- und ein Arbeitszimmer untergebracht. Zwei zusätzliche Bäder, die Schlafräume und ein Austritt auf die großflächige Terrasse befinden sich im Obergeschoss. Letztere kann zudem über eine Außentreppe von dem privaten Innenhof aus erreicht werden.
Die extremen Gegensätze von Lärm und Ruhe, Bestand und Neubau sowie Leben und Sterben werden hier von ssm architekten in einem selbstverständlich erscheinenden Kreislauf des Daseins vereint.

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