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Social Design: Bezahlbar. Gut. Wohnen

Angemessenen und bezahlbaren Wohnraum für Alle zu schaffen ist eine zentrale gesellschaftliche Aufgabe. Allerdings steht hochpreisigen Büroflächen und lukrativen Luxuswohnungen ein Mangel an bezahlbarem Wohnraum gegenüber. Eine Verdrängung von Teilen der städtischen Bevölkerung bzw. sozial stark eingeschränkte Zuzugsmöglichkeiten sind meist die Folge. Der Bedarf nach bezahlbarem und gutem Wohnraum kann und sollte Treiber für Innovationen sein: Neue Prozesse des Planens und Entwerfens, innovative Modelle des Wohnens, Zusammenlebens und Arbeitens, ungewöhnliche räumliche Strategien oder bedarfsgerechtere und flexible Grundrisse eröffnen neue Möglichkeiten. Im Zusammenspiel aus sozialen, räumlichen und technischen Innovationen eröffnen sich neue, zukunftsfähige Konzepte und Modelle. Der Begriff des »Social Design« kennzeichnet dabei Ziele und Mittel gleichermaßen: Eine sozial motivierte und definierte Gestaltungsaufgabe und deren Lösung durch Einbezug möglichst zahlreicher Beteiligter wie Projektträger, Planer, ausführende Gewerke, Investoren, Eigentümer, Bewohner und Anwohner.

Solche Ansätze hat die Hans Sauer Stiftung nun mit ihrem Preis »Social Design. Bezahlbar. Gut. Wohnen« gewürdigt.  Der Preis in der Kategorie Bestand geht an das Projekt Streitfeld München von Holzfurtner – Bahner Architekten, der Preis in der Kategorie Soziale Innovation an das Projekt magdas Hotel in Wien von AllesWirdGut Architekten, der Preis in der Kategorie Neubau wurde zweimal vergeben und geht an das Projekt Wohnprojekt Wien, Einszueins Architekten, und an das Projekte Kalkbreit in Zürich von Müller Sigrist Architekten.Die Fachjury bestand aus: Thomas Jocher, Jörg Stollmann, Silke Steets, Alexander Hagner, Susanne Hofmann,Meike Weber und Ralph Boch.

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Holzfurtner – Bahner Architekten; Foto: Tom Garrecht

Kategorie Bestand: Streitfeld München, Holzfurtner – Bahner Architekten
Das Preisgericht würdigte die Reaktivierung des brachliegenden Industriegebäudes der 1970er-Jahre durch eine genossenschaftliche Initiative mit einer selbstverwaltenden Nutzung durch die Mitglieder. Für das fünfgeschossige Vordergebäude und ein viergeschossiges Hofgebäude wurde ein nachhaltiges und kostengünstiges Konzept für Wohnen und Arbeiten entwickelt. Nicht nur das partizipative Entwurfsverfahren und Eigenleistung, sondern auch die bestehende Tragstruktur von weiten Spannweiten ermöglichte die Realisierung von individuellen Vorstellungen von Wohnen und Arbeiten. Vorbildlich war dabei, dass die Genossenschaft KunstWohnWerke eG einen sozialen Mehrwert für die Stadt geschaffen hat.

Müller Sigrist Architekten; Foto: Martin Stollenwerk

Kategorie Neubau: Kalkbreite Zürich, Müller Sigrist Architekten
Die Jury war sich einig, dass zum einen die sozialen, räumlichen und technischen Innovationen des Projektes Kalkbreite besonderen Vorbildcharakter haben, und zum anderen, dass das Projekt die Vorteile der Organisationsform der Genossenschaft beispielhaft veranschaulicht. An der Projektentwicklung waren die zukünftigen Bewohner beteiligt und im Vorfeld der Realisierung wurden mit allen die Anlage und Gestaltung der innovativen Wohnbereiche, die gemeinschaftliche Nutzungen, Gewerbenutzungen und die öffentlich zugänglichen Außenräume verhandelt. Durch die entstandene Nutzungsmischung, die bauliche Anlage und die Kommunikation mit der Nachbarschaft wurde gemeinschaftliches und Ressourcen schonendes Wohnen und Leben nicht nur für die Bewohner realisiert, sondern auch die Teilhabe des Quartiers ermöglicht. Das Prinzip des Teilens und gemeinschaftlichen Nutzens prägt weite Teile des Projektes, wie zum Beispiel das Clusterwohnen. Über diese unmittelbaren Cluster hinaus steht den Bewohnern ein großes Angebot an gemeinschaftlichen Einrichtungen zur Verfügung. Mit diesem Angebot reagiert die Kalkbreite Genossenschaft vorbildlich auf sich verändernde Familien- und Lebensmodelle. Durch diese räumliche Anlage wird auch die Reduktion der Wohnfläche pro Kopf auf 35 qm erreicht, ein wichtiger Faktor für die Nachhaltigkeit urbanen Wohnens.

Foto: Wohnprojekt Wien, einszueins architektur

Kategorie Neubau: Wohnprojekt Wien, Einzueins Architekten
Kaum ein Thema der aktuellen Architekturdiskussion um die Schaffung neuen Wohnraums, das hier nicht auf vorbildlichste Weise vor Augen führt, wie heute Lebensraum für ca. 100 Menschen aussehen kann. Der Gemeinnützigen Wohnungs- und Siedlungsanlagen-GmbH Schwarztal und den Planenden von einszueins architektur gelang mit ihrem Wohnprojekt Wien ein Leuchtturmprojekt. Außergewöhnlich dabei ist das durchgehend hohe Niveau in der gesamten Komplexität von Wohnarchitektur. Während Nachhaltigkeits-Aspekte in der gebauten Umwelt oft nur in einigen Schwerpunkten herausragend angestrebt werden, ist dieses Gebäude samt seinen Freiflächen auch noch ein Gewinn für das gesamte Viertel. Die Jury würdigt diesen Beitrag als kraftvollen Impuls für den künftigen Wohnungsbau.

Foto: magdas Hotel, AllesWirdGut Architekten

Kategorie Soziale Innovation: magdas Hotel, AllesWirdGut Architekten
Das magdas Hotel im Wiener Prater ist ein professionell geführtes Hotel der Caritas mit einem bemerkenswerten Konzept. Entstanden aus der Umnutzung eines ehemaligen Seniorenheims umfasst es heute 78 Hotelzimmer. Um den knappen Kostenrahmen einzuhalten, hat das Architekturbüro AllesWirdGut die bestehende räumliche Aufteilung nur minimal verändert und das Raumprogramm an die Bedürfnisse des Hotelalltags angepasst. Eine gestalterische Besonderheit stellt die mit Hilfe von Upcycling-Verfahren hergestellte Inneneinrichtung dar: Zurückgelassene, gespendete und im Second-Hand- Laden der Caritas vorhandene Möbel wurden wieder neu aufbereitet. Neben fünf echten Hotellerie-Profis und einem Job-Coach arbeiten im magdas Hotel 20 Menschen aus 14 Nationen, die als Flüchtlinge nach Österreich gekommen sind. Auf diese Weise erhalten Menschen, die ihre Heimat verlassen mussten und sich auf eine Reise ins Unbestimmte begeben haben, eine Aufgabe, die ihnen hilft, an einem neuen Ort anzukommen. Die Jury würdigt das Projekt mit einem Preis für Soziale Innovation, weil es die gesellschaftlichen Potentiale sowohl des Herstellens als auch des Benutzens von Architektur auf herausragende Weise zusammenführt.

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