You are using an outdated browser. Please upgrade your browser to improve your experience.

print article Artikel drucken

Solartechnik in Gebäudehüllen

 

Mit dem Architekturpreis Gebäudeintegrierte Solartechnik würdigt der Solarenergieförderverein Bayern e. V. (SeV) herausragend geplante und gestaltete, gebäudeintegrierte Solaranlagen. Bereits zum fünften Mal hatte der SeV 2011 einen Wettbewerb zur Integration von Solartechnik in die Architektur ausgelobt.

Von insgesamt 96 angemeldeten Projekten wurden 84 tatsächlich eingereichte Arbeiten aus 13 Ländern von der Jury beurteilt. Neben der architektonischen Gesamtqualität bewertete die Jury vor allem die Tatsache, inwieweit die Solartechnik gestaltprägend eingesetzt ist. Den eingereichten Arbeiten (mit großen Unterschieden in der architektonischen Qualität) lagen hinsichtlich der Bauaufgabe, der Standortfrage sowie dem technologischem Standard die unterschiedlichsten Randbedingungen zugrunde: Die Bandbreite reichte von relativ einfachen Einfamilienhäusern und Gewerbebauten bis zu komplexen Institutsgebäuden und Maßnahmen in der Bestandsanierung.

1. Preis: Deppisch Architekten, Freising: Halle design.s, Freising (2010)

Sebastian Schels/pk odessa

Der mit 15.000 Euro dotierte Architekturpreis Gebäudeintegrierte Solartechnik 2011 geht an Deppisch Architekten (Freising), für den Neubau einer Schreinerei. Die Halle design.s verknüpft in außerordentlicher Weise gestalterischen Anspruch und die Nutzung der großen Dachfläche zur Integration von Solartechnik. Wärme- wie Strombedarf werden – übers Jahr gesehen – mit Erneuerbaren Energien gedeckt.

Die Jury urteilte:

„Ein formal reduzierter, elegant gestalteter Baukörper, dessen Aufbau einer schlüssigen Raumzonierung entspricht, ist mit einem nach Süden orientierten, flach geneigten Dach versehen, dass vollflächig mit Photovoltaik belegt ist. Die PV-Anlage schließt bündig mit den Dachrändern ab, weist keine Durchdringungen auf, was zu einem „flächige(n) Bild” einer „matt schimmernden Dachhaut” führt. In der Farbigkeit dem Baukörper angepasst, entsteht eine stimmige Gesamtkonzeption.

Das architektonische Konzept wird ergänzt um eine der Nutzung angepassten Anlagentechnik. Die bei der Holzbearbeitung anfallenden Späne werden abgesaugt, gepresst und als Heizmaterial genutzt. Der PV-Generator mit einer Fläche von 1.035 m2 erzeugt ca. 70.000 kWh Strom im Jahr und übertrifft damit den Bedarf der Werkhalle (Haustechnik, Beleuchtung und Geräte). Somit werden Wärme- wie Strombedarf (bilanziell) mit Erneuerbaren Energien gedeckt.“

2. Preis:DeAngelis Mazza Architetti, Lugano: deltaZERO/Zero Energy Building, Lugano (2010)

DeAngelis Mazza Architetti

Der 2. Preis (dotiert mit 6.500 Euro) geht an DeAngelis Mazza Architetti, Lugano, für ihr deltaZERO building, ein Nullenergiehaus, bei dem Solarkollektoren in der Fassade integriert sind.

„Beim Thema der gebäudeintegrierten Solartechnik steht vor allem die Photovoltaik im Blickpunkt des Interesses, dabei werden häufig die ökologischen und ökonomischen wie auch die gestalterischen Potenziale der Solarthermie vernachlässigt“, heißt es im Bericht der Jury. Und weiter:

„Bei dem deltaZERO-Gebäude in Lugano handelt es sich um einen Geschosswohnungsbau mit einer Primärkonstruktion aus Stahlbeton als interne Speichermasse, bekleidet mit einer Fassade aus Stahl und Glas. Deren Elemente, in den Abmessungen 3,20 x 2,70 m, variieren je nach Exposition und Anforderung entsprechend in Aufbau und Beschichtung für Tageslichtnutzung und Wärmeschutz. In der Südfassade sind geschosshohe Solarkollektoren zur Brauchwassererwärmung und Heizungsunterstützung integriert. Eine Wärmepumpe in Verbindung mit geothermischer Energieversorgung gewährleistet die Wärmeversorgung im Winter und ermöglicht Kühlung im Sommer. Eine PV-Anlage auf dem Dach deckt den jährlichen Strombedarf für Heizung und Kühlung.“

3. PreisLichtblau Architekten, München: Mühlfeldbräu/Sanierung einer Brauerei, Bad Tölz (2009)

Lichtblau Architekten

Den 3. Preis (3.500 Euro) erhielten Lichtblau Architekten, München, für die Sanierung einer

historischen Brauerei im oberbayerischen Bad Tölz. Hierüber urteilte die Jury: 

„Während es für den Neubaubereich eine Vielzahl beispielgebender Projekte zur Integration von Solartechnik in Dach und Fassade gibt, fehlen im Gebäudebestand – besonders in der Breite – entsprechende Konzepte. Das trotz erhöhter Anforderungen die Transformation ursprünglicher Ziegeldächer in Energiedächer bestens gelingen kann, zeigt das Beispiel der Sanierung einer historischen Brauerei in Bad Tölz.

Ziel des Energiekonzeptes war eine vollständig regenerative Energieversorgung des Gebäudekomplexes. Weitreichende direkte und indirekte Solarenergienutzung mit einer automatischen Hackschnitzelheizung und großem Puffer-Schichtenspeicher bilden die Bausteine des ökologischen Haustechnikkonzepts. Zentrales Element ist das ‚vollverglaste Solardach (280 m2) des Brauhauses mit integrierter Technik für Licht, Luft, Wärme und Strom’.“

Sonderpreis Studentische ProjekteHochschule für Technik, Stuttgart: home+, Plusenergiehaus zum Solar Decathlon Europe, Madrid (2010)

HFT Stuttgart

Hierzu schreibt die Jury: „In den vergangenen Jahren stellten die Gebäudeprototypen, von studentischen Teams für den Solar Decathlon entworfen und gebaut, stets ein spannendes und instruktives Spektrum an architektonischen wie auch haustechnischen Konzepten dar. Innerhalb der Beiträge für den Solar Decathlon Europe 2010 gewinnt das home+, der Hochschule für Technik in Stuttgart ein besonderes Interesse, da hierbei unter anderem die Integration von Solartechnologie ein explizit formulierter Anspruch war. Das Gebäude überzeugt durch ein ausgeklügeltes Energiekonzept, bei dem für die Gewinnung von Kälte, Wärme und Strom auch „neuartige photovoltaisch-thermische Kollektoren“ eingesetzt wurden. Darüber hinaus führt die PV-Fassade mit zweifarbigen, gold-bronze schimmernden PV-Zellen zu einer Nobilitierung der Solartechnik.“

Anerkennungen:Ernst Giselbrecht + Partner, Graz: Energie Steiermark/Sanierung Hauptverwaltung, Graz (2010)

Croce & Wir
Ernst Giselbrecht + Partner

Bei der Neukonzeption für das Gebäude der Konzernzentrale der Energie Steiermark AG in Graz nehmen die Architekten je nach Anforderung eine Zonierung der Geschossfassade vor: Verglasungsbereiche mit Faltläden als Sonnenschutz und in der Oberlichtzone speziell ausgeformte Elemente zur Tageslichtnutzung; der opake Brüstungsbereich ist zum Teil mit PV-Modulen bestückt. Das ambitionierte haustechnische Konzept runden eine Solaranlage zur Brauchwassererwärmung und Heizungsunterstützung sowie die Regenwassernutzung für die WC-Anlagen ab. Im Ergebnis ist eine elegante Aufwertung der Fassade entstanden, wenn auch die Belegung von Photovoltaik in nur wenigen Teilflächen etwas überrascht.“ (Aus dem Urteil der Jury)

HHS Planer + Architekten, Kassel: SMA Solar Academy, Niestetal (2010)

SMA Solar

„Besonders interessant für die Multiplikatorwirkung und Kommunikation von Solartechnik und Energieeffizienz sind Bauten der Bildung, vom Kindergarten über Schulen bis zu Universitäten. Dabei überrascht, dass dies letztlich noch viel zu wenig genutzt wird. Eine positive Ausnahme ist die SMA Solar Academy in Niestetal. Der aufgeständerte Baukörper weist eine langgestreckte, leicht geknickte Südfassade auf, mit glasintegrierten PV-Zellen. Diese Fassade, in der die semitransparente Belegungsfläche je nach Sichtbezug und Verschattungsbedarf differenziert ist, fungiert als weithin sichtbares Gestaltungselement. Beispielhaft ist der Anspruch einer netzunabhängigen und zu 100 % regenerativen Stromversorgung.“ (Aus dem Urteil der Jury)

Architekturbüro Graf, Dernbach: Neubau Veranstaltungszentrum Schloss Montabaur (2010)

Glas Arnold

„Bei dem energetisch autark betriebenen Neubau des Veranstaltungszentrums Schloss Montabaur sind in der ovalen Glaskuppel des Gebäudes semitransparente Dünnschichtmodule eingesetzt. Die Herausforderung: Anpassung der trapezförmigen Elemente in halbierten Ellipsoiden mit einer Nord-Ost- und einer Süd-Westfläche. Unterschiedliche Transmissionsgrade von 10 und 20 % in Verbindung mit Sonnenschutzgläsern ermöglichen reizvolle Lichtstimmungen.“

Aktuelles Heft
DETAIL 11/2018
DETAIL 11/2018, Licht und Raum

Licht und Raum

Zum Heft
Shop-Empfehlung
Anzeige

ARCHITEKTUR & DESIGN

Detail Newsletter

Wir informieren Sie regelmäßig über internationale Projekte, Neuigkeiten zu Architektur - und Designthemen, Research und aktuellen Veranstaltungen in unserem Newsletter.