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Solarwärme in vorderster Front

Dass Solarkollektoren in der zeitgenössischen Architektur bewusst zum Gestaltungselement gemacht werden, kommt noch immer selten vor. Eine lobenswerte Ausnahme bildet hier ein Mehrfamilienwohnhaus am Boulevard Chapelle in Paris, das die Architekten Philippon & Kalt im März 2010 fertiggestellt haben.

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Foto: G. Kalt

Auf Dächern bilden Solarkollektoren meist eher einen gestalterischen Schandflech, und an Fassaden werden sie – obgleich wegen des gleichmäßigeren Sonneneintrags eigentlich prädestiniert – noch immer sehr selten angewandt. Um so erstaunlicher ist die Raffinesse, mit der Philippon & Kalt insgesamt 78 m2 Kollektoren in die Fassaden ihres Wohnhauses am Boulevard de la Chapelle integrierten. Das Gebäude, das mitsamt seiner drei Rückgebäude auf 1500 m2 Fläche insgesamt 15 Wohnungen beherbergt, steht zwischen einem repräsentativen Mehrfamilienhaus aus dem 19. Jahrhundert und einer leerstehenden Parzelle. Sowohl in der Gebäudehöhe als auch mit seiner vertikalen Fassadengliederung lehnt es sich an seinen Nachbarn an. Gleichzeitig interpretiert es das im Quartier durchaus nicht unübliche Motiv der horizontal durchlaufenden Balkone neu.

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Foto: G. Kalt

Die sechsgeschossige Straßenfassade ist lediglich um 10° aus der Südrichtung verdreht und eignete sich damit ideal für die Gewinnung von Solarenergie. Aufgrund der großen Balkone waren hier jedoch besonders filigrane Kollektoren vonnöten, die einen Teil des Tageslichts passieren lassen. Verwendet wurde ein Modell des Herstellers Robin Sun, bei dem der eigentliche Kollektor zwischen zwei Isolierglasscheiben integriert ist (1). Das edelgasgefüllte Zweischeiben-Isolierglas ist insgesamt rund 4 Zentimeter stark. In seinem Scheibenzwischenraum verläuft serpentinenartig eine Kupferleitung mit der Wärmeträgerflüssigkeit (5), die mit selektiv beschichteten Absorberblechen aus Aluminium (6) verbunden ist. Jeweils „hinter“ den Blechen, also an der rückwärtigen Scheibe, ist ebenfalls im Scheibenzwischenraum eine spiegelnde Beschichtung aufgebracht, die wie ein fest stehendes Verschattungselement funktioniert und übermäßige Wärmestrahlung aus dem Raum fernhält.

Nach Angaben der Architekten liefern die Solarkollektoren 44 % des in den Wohnungen benötigten Warmwassers. Vor allem jedoch bilden sie eine gelungene, zeitgenössische Reinterpretation der Holzklappläden, wie sie an den Straßenfronten Pariser Bürgerhäuser aus dem 19. Jahrhundert üblich sind.

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