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Solide ausgefacht: Schule in Myanmar von Ackermann + Raff

In Südostasien ist das traditionelle "brick-nogging" weit verbreitet. Diese Holzskelettbauweise mit Klinkerausfachung kam auch bei der als Hilfsprojekt entstandenen Schulerweiterung für ein Gebäudeensemble mit Bibliothek, Schulleiterhaus und einer bestehenden Grundschule im Dorf Thazin zum Einsatz. Zur Unterstützung der lokalen Wirtschaft wurde das Gebäude zusammen mit den Dorfbewohnern errichtet.

Architekten: Ackermann + Raff, Stuttgart
Standort: Thazin, Ngwe Saung, Irwadi Region, Myanmar

Schule in Myanmar von Ackermann + Raff, Gesamtansicht
Foto: Julia Raff

Die Republik Myanmar gehört zu den ärmsten Ländern der Welt. In den Monaten vor und nach dem Sommermonsun ziehen häufig Zyklone über die Irawadi-Region am Golf von Bengalen. Im Jahr 2008 forderte einer dieser tropischen Wirbelstürme 130.000 Todesopfer. Seitdem initiiert der gemeinnützige Verein „Projekt Burma“ Hilfsprojekte für die Region. Mithilfe einer Spendensammlung über 90.000 US-Dollar konnte eine weiterführende Schule für rund 350 Schüler errichtet werden. Der Erweiterungsbau mit seinen sieben Klassenräumen und einem Lehrerzimmer ergänzt ein bestehendes Gebäudeensemble mit Grundschule, Bibliothek und Schulleiterhaus.

Schule in Myanmar von Ackermann + Raff, Schule und zentraler Pavillon
Die beiden Ergänzungsgebäude, Schule und zentraler Pavillon, Foto: Julia Raff
Schule in Myanmar von Ackermann + Raff, vorgelagerter Verbindungsgang
Foto: Julia Raff
Schule in Myanmar von Ackermann + Raff, Skizze Gesamtanlage
Skizze Gesamtanlage, Grafik: Ackermann + Raff

Im Gegensatz zu den bestehenden eingeschossigen Schulbauten, wurde der Ergänzungsbau zweigeschossig realisiert. Der Grundriss des länglichen Gebäudes folgt einer einfachen Systematik. Über einen außen vorgelagerten, offenen Gang werden im Erdgeschoss drei Klassenräume und das Lehrerzimmer erschlossen. An beiden Enden führt eine zweiläufige Treppe ins Obergeschoss. Verborgen hinter einem ornamentalen Sicht- und Sonnenschutz aus geflochtenen Bambusstreifen, erschließt hier ein Laubengang vier weitere Klassenzimmer.

Schule in Myanmar von Ackermann + Raff, vorgelagerter Verbindungsgang
Ein vorgelagerter, offener Gang verbindet die Klassenzimmer im Erdgeschoss. Foto: Julia Raff
Schule in Myanmar von Ackermann + Raff, Grundriss Erdgeschoss
Grundriss Erdgeschoss, Grafik: Ackermann + Raff
Schule in Myanmar von Ackermann + Raff, Treppe ins Obergeschoss
Treppe ins Obergeschoss<br>Foto: Julia Raff
Schule in Myanmar von Ackermann + Raff, vorgelagerter Verbindungsgang
offener Verbindungsgang im Erdgeschoss<br>Foto: Julia Raff
Schule in Myanmar von Ackermann + Raff, Laubengang im Obergeschoss
Laubengang im Obergeschoss<br>Foto: Julia Raff
Schule in Myanmar von Ackermann + Raff, Laubengang im Obergeschoss
Treppenaufgang ins Obergeschoss<br>Foto: Julia Raff
Schule in Myanmar von Ackermann + Raff, Laubengang im Obergeschoss
Foto: Julia Raff

Von der Decke abgehängte Bambusmatten und bunte Fensterläden mit Lamellen sorgen in den Klassenzimmern für eine freundliche und akustisch angenehme Atmosphäre. Auf Glasfenster konnte aufgrund des Klimas verzichtet werden. Die Fensterläden dienen vorwiegend als Regenschutz, in ausgestelltem Zustand auch als Sonnenschutz. Die Lamellen der Klapp- und Faltläden, sowie weitere Lamellen unterhalb der Dachkonstruktion sorgen für eine gute Durchlüftung und tragen zu einem angenehmen Raumklima bei.

Schule in Myanmar von Ackermann + Raff, Abgehängte Bambusmatten im Klassenzimmer
Abgehängte Bambusmatten sorgen für eine angenehme Akustik im Klassenzimmer, Foto: Julia Raff
Schule in Myanmar von Ackermann + Raff, Abgehängte Bambusmatten im Klassenzimmer
Foto: Julia Raff
Schule in Myanmar von Ackermann + Raff, Noransicht
Nordansicht, Grafik: Ackermann + Raff
Schule in Myanmar von Ackermann + Raff, Falt- und Klappläden
Bunte Falt- und Klappläden im Erdgeschoss, Foto: Julia Raff
Schule in Myanmar von Ackermann + Raff, Lamellen unterhalb der Dachkonstruktion
Auch unterhalb der Dachkonstruktion sorgen Lamellen für eine gute Durchlüftung. Foto: Julia Raff

Im Zentrum der Anlage entstand ein umlaufender Pavillon mit rechteckigem Grundriss. Seine offene Struktur aus Holz und Bambus definiert den Pausenhof und bietet Schutz vor Regen und Sonne. Gleichzeitig bindet er die einzelnen Gebäude zusammen. Außerhalb der Unterrichtszeiten kann er von den Dorfbewohnern als Versammlungsstätte genutzt werden.

Schule in Myanmar von Ackermann + Raff, zentraler Pavillon
zentraler Pavillon, Foto: Julia Raff
Schule in Myanmar von Ackermann + Raff, zentraler Pavillon
Eine offene Struktur aus Holz und Bambus definiert den Pausenhof, Foto: Julia Raff
Schule in Myanmar von Ackermann + Raff, zentraler Pavillon
Der offene Pavillon kann auch als Versammlungsstätte genutzt werden, Foto: Julia Raff
Schule in Myanmar von Ackermann + Raff, zentraler Pavillon
Schule in Myanmar von Ackermann + Raff, zentraler Pavillon
Fotos: Julia Raff
Schule in Myanmar von Ackermann + Raff
Schule in Myanmar von Ackermann + Raff
Fotos: Julia Raff

Die Schule und der Pavillon wurden aus lokalen Materialien gebaut. Für den neuen Schulbau wurde auf einem soliden Betonfundament ein Holzskelett aus Eisenholz errichtet, ein besonders hartes und dichtes Tropenholz. Zum überwiegenden Teil stammt es aus dem Abrissmaterial einer baufälligen Vorgängerschule. Anders als die vom überwiegenden Teil der Dorfbevölkerung als Wohnraum genutzten, filigranen Bambushütten, wollte man mit der Schule auch ein Gebäude errichten, das Stürmen standhält und als Notunterkunft genutzt werden kann. Das Holzskelett wurde deshalb mit massiven Zieglen ausgefacht. Die rötlichen Klinker wurden in der benachbarten Stadt Pathein von Hand gefertigt. Diese als „brick-nogging structure“ bekannte Bauweise ist in Südostasien weit verbreitet. Gelernte Handwerker führten die am Projekt beteiligten Dorfbewohner in die entsprechenden Techniken ein.

Schule in Myanmar von Ackermann + Raff, rötliche Klinker
Die rötlichen Klinker wurden von Hand gefertigt. Foto: Julia Raff
Schule in Myanmar von Ackermann + Raff
Foto: Julia Raff

Projektbeteiligte: Dorfbewohner aus Thazin und lokale Handwerker aus Pathein
Bauherr: Projekt Burma, Filderstadt
Fertigstellung: 2014

Stichworte:
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DETAIL 9/2018
DETAIL 9/2018, Schulen

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